Auf­klä­rungs­pflicht des Dar­le­hens­ge­bers

Eine Auf­klä­rungs­pflicht der Bank wegen einer Über­schrei­tung der Kre­dit­ge­ber­rol­le setzt vor­aus, dass die Bank im Zusam­men­hang mit der Pla­nung, der Durch­füh­rung oder dem Ver­trieb des Objekts gleich­sam als Par­tei des zu finan­zie­ren­den Geschäfts in nach außen erkenn­ba­rer Wei­se Funk­tio­nen oder Auf­ga­ben des Ver­äu­ße­rers oder Ver­trei­bers über­nom­men und damit einen zusätz­li­chen, auf die über­nom­me­nen Funk­tio­nen bezo­ge­nen Ver­trau­ens­tat­be­stand geschaf­fen hat [1].

Auf­klä­rungs­pflicht des Dar­le­hens­ge­bers

Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind nicht gege­ben, wenn es an einem über die Kre­dit­ge­ber­rol­le hin­aus­ge­hen­des Enga­ge­ment der Bank fehlt, die Bank also für den Film­fonds nach außen nicht in Erschei­nung getre­ten ist. Die Bank darf ins­be­sod­ne­re kei­ne Auf­ga­ben des Ver­triebs oder der Fonds­ge­sell­schaft über­nom­men haben, son­dern muss ich auf sol­che Funk­tio­nen beschränkt haben, die für ein finan­zie­ren­des Kre­dit­in­sti­tut nicht unüb­lich sind.

In die­sem Zusam­men­hang stellt es ins­be­son­de­re kei­ne Über­schrei­tung der Kre­dit­ge­ber­rol­le dar, dass die Bank ein gestei­ger­tes Inter­es­se an der Betei­li­gung mög­lichst vie­ler Anle­ger hat­te, um mehr Zins­ge­win­ne aus den vom Fonds aus­ge­ge­be­nen Inha­ber­schuld­ver­schrei­bun­gen zu erwirt­schaf­ten.

Inso­weit hat die Bank auch kei­nen beson­de­ren Gefähr­dungs­tat­be­stand geschaf­fen, der sie zur Auf­klä­rung über die damit ver­bun­de­nen Risi­ken ver­pflich­tet hät­te. Eine sol­che Gefähr­dung ist etwa zu beja­hen, wenn das Kre­dit­in­sti­tut das eige­ne wirt­schaft­li­che Wag­nis auf den Kun­den ver­la­gert und die­sen bewusst mit einem Risi­ko belas­tet, das über die mit dem zu finan­zie­ren­den Vor­ha­ben nor­ma­ler­wei­se ver­bun­de­nen Gefah­ren hin­aus­geht [2].

Schließ­lich lässt sich ein Scha­dens­er­satz­an­spruch wegen Auf­klä­rungs­pflicht­ver­let­zung auch nicht auf das Vor­brin­gen stüt­zen, die Bank habe unan­ge­mes­se­ne wirt­schaft­li­che Vor­tei­le dadurch erzielt, dass sie auf­grund der Kon­struk­ti­on des Fonds und der Vor­ab­leis­tung der Lizenz­zah­lun­gen durch den Lizenz­neh­mer kein finan­zi­el­les Risi­ko hin­sicht­lich der durch den Anle­ger bege­be­nen Inha­ber­schuld­ver­schrei­bung ein­ge­gan­gen sei.

Der­ar­ti­ge wirt­schaft­li­che Vor­tei­le könn­ten ledig­lich dazu füh­ren, dass der Bank die Stel­lung eines ori­gi­när Pro­spekt­ver­ant­wort­li­chen zuzu­er­ken­nen wäre, weil die­se Vor­tei­le für einen maß­geb­li­chen Ein­fluss auf die Kon­zep­ti­on des Fonds spre­chen könn­ten [3]. Pro­spekt­haf­tungs­an­sprü­che im enge­ren Sinn wegen feh­ler­haf­ter Anga­ben in Pro­spek­ten ver­jäh­ren indes in ent­spre­chen­der Anwen­dung des § 46 BörsG aF in einem Jahr seit dem Zeit­punkt, in dem der Gesell­schaf­ter von dem Pro­spekt­feh­ler Kennt­nis erlangt, spä­tes­tens drei Jah­re nach dem Abschluss des Gesell­schafts- oder Bei­tritts­ver­trags [4]. Jeden­falls die abso­lu­te Frist war im hier ent­schie­de­nen Fall jedoch zum Zeit­punkt der Kla­ge­er­he­bung bereits ver­stri­chen. Für einen auf die­sel­be Tat­sa­chen­grund­la­ge gestütz­ten Scha­dens­er­satz­an­spruch wegen Über­schrei­tung der Kre­dit­ge­ber­rol­le oder Schaf­fung eines beson­de­ren Gefähr­dungs­tat­be­stands ist dane­ben kein Raum.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 5. Juli 2016 – XI ZR 254/​15

  1. BGH, Urteil vom 06.11.2007 – XI ZR 322/​03, WM 2008, 115 Rn. 38 mwN[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 06.11.2007 – XI ZR 322/​03, WM 2008, 115 Rn. 42 mwN[]
  3. vgl. dazu BGH, Beschluss vom 29.07.2014 – II ZB 1/​12, WM 2014, 2040 Rn. 88 ff.[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 07.12 2009 – II ZR 15/​08, WM 2010, 262 Rn. 26 mwN[]