Scha­den­er­satz bei Berg­schä­den

Nach § 116 Abs. 1 BBergG haf­tet (neben dem nach § 115 Abs. 1 BBergG ersatz­pflich­ti­gen Unter­neh­mer ) nur der­je­ni­ge für Berg­schä­den, der zum maß­geb­li­chen Zeit­punkt der Scha­dens­ver­ur­sa­chung Inha­ber der Berg­bau­be­rech­ti­gung war.

Scha­den­er­satz bei Berg­schä­den

Nach § 116 Abs. 1 Satz 1 Halb­satz 1 BBergG ist neben dem nach § 115 Abs. 1 BBergG ersatz­pflich­ti­gen Unter­neh­mer auch der Inha­ber der dem Berg­bau­be­trieb zugrun­de lie­gen­den Berech­ti­gung zur Auf­su­chung und Gewin­nung (Berg­bau­be­rech­ti­gung) zum Ersatz des Berg­scha­dens ver­pflich­tet. Berg­bau­be­rech­tig­ter im Sin­ne des § 116 Abs. 1 Satz 1 Halb­satz 1 BBergG ist nur der­je­ni­ge, der zum Zeit­punkt der Scha­dens­ver­ur­sa­chung Inha­ber der Berg­bau­be­rech­ti­gung war [1].

Der Wort­laut und die Sys­te­ma­tik der Rege­lung in den §§ 115 und 116 BBergG spre­chen dafür, dass mit § 116 Abs. 1 Satz 1 BBergG nur der zum Zeit­punkt der Scha­dens­ver­ur­sa­chung Berg­bau­be­rech­tig­te ver­pflich­tet wird. Zwar hat der Gesetz­ge­ber die in § 115 Abs. 1 Satz 1 BBergG ent­hal­te­ne Ein­schrän­kung, wonach nur der Unter­neh­mer scha­dens­er­satz­pflich­tig ist, der den Berg­bau­be­trieb zur Zeit der Ver­ur­sa­chung des Berg­scha­dens betrie­ben hat, nicht aus­drück­lich in § 116 Abs. 1 Satz 1 BBergG wie­der­holt. Dar­aus lässt sich aber nicht der Schluss zie­hen, der Gesetz­ge­ber habe bewusst von die­ser zeit­li­chen Ein­gren­zung Abstand genom­men. Viel­mehr hat er die Haf­tung des Berg­bau­be­rech­tig­ten in § 116 Abs. 1 Satz 1 BBergG auch sprach­lich an die des haf­ten­den – das heißt zur Zeit der Scha­dens­ver­ur­sa­chung täti­gen – Unter­neh­mers, ange­lehnt.

Dass auch im Anwen­dungs­be­reich des § 116 Abs. 1 BBergG allein die Zeit der Ver­ur­sa­chung maß­geb­lich ist, zeigt § 116 Abs. 1 Satz 2 BBergG, wonach die Berg­bau­be­rech­ti­gung auch dann haf­tungs­be­grün­dend ist, wenn sie bei Ver­ur­sa­chung des Berg­scha­dens bereits erlo­schen war oder wenn sie mit Rück­wir­kung auf­ge­ho­ben wor­den war. Ent­schei­dend kommt hin­zu, dass nach § 116 Abs. 2 BBergG im Innen­ver­hält­nis von Unter­neh­mer und Berg­bau­be­rech­tig­tem, die nach § 116 Abs. 1 Satz 2 BBergG dem Geschä­dig­ten gegen­über als Gesamt­schuld­ner haf­ten, allein der Unter­neh­mer den ent­stan­de­nen Scha­den zu tra­gen hat. Die­se Aus­ge­stal­tung der Haf­tung des Berg­bau­be­rech­tig­ten ist aber nur dann in sich stim­mig, wenn für Unter­neh­mer und Berg­bau­be­rech­tig­ten – auch in zeit­li­cher Hin­sicht (Zeit­punkt der Scha­dens­ver­ur­sa­chung bzw. der Scha­dens­ent­ste­hung) – die­sel­ben Haf­tungs­maß­stä­be gel­ten.

Auch die Gesetz­ge­bungs­ma­te­ria­li­en las­sen dar­auf schlie­ßen, dass der Gesetz­ge­ber nicht die Vor­stel­lung hat­te, dass die Berg­bau­be­rech­ti­gung unab­hän­gig von dem Zeit­punkt der Scha­dens­ver­ur­sa­chung haf­tungs­be­grün­dend sein soll­te. In der Begrün­dung des Gesetz­ent­wurfs zu § 114 Abs. 1 BBergG‑E (= § 116 BBergG) ist aus­ge­führt, dass es kei­ner beson­de­ren Rege­lung für die Auf­recht­erhal­tung der Mit­haf­tung des Inha­bers der Berg­bau­be­rech­ti­gung bei ihrer Über­tra­gung auf einen Drit­ten nach Ver­ur­sa­chung eines Berg­scha­dens bedür­fe, da dies auch ohne beson­de­re Rege­lung sicher­ge­stellt sei, weil es nach § 114 Abs. 1 Halb­satz 1 BBergG‑E i.V.m. § 113 Abs. 1 BBergG‑E (= § 115 BBergG) für die Begrün­dung der Inha­ber­haf­tung auf den Zeit­punkt der Ver­ur­sa-chung ankom­me [2].

Der vom Gesetz­ge­ber ver­folg­te Zweck, eine stär­ke­re Ver­an­ke­rung scha­dens­ver­hü­ten­der Maß­nah­men im Berg­scha­dens­recht und eine Abrun­dung des Haf­tungs­um­fangs, spre­chen eben­falls dafür, den Zeit­punkt der Ver­ur­sa­chung des Scha­dens als haf­tungs­be­grün­dend auch für den Berg­bau­be­rech­tig­ten anzu­neh­men. Scha­dens­ver­hü­ten­de Maß­nah­men kann nur der­je­ni­ge Berg­bau­be­rech­tig­te vor­neh­men bzw. auf deren Vor­nah­me hin­wir­ken, der zum schä­di­gen­den Zeit­punkt Inha­ber der Berg­bau­be­rech­ti­gung ist.

Im Übri­gen ist auch in den Blick zu neh­men, dass den Nut­zen aus dem den Scha­den ver­ur­sa­chen­den Berg­werk nur der Berg­bau­be­rech­tig­te hat­te, der dies zum Zeit­punkt der Scha­dens­ver­ur­sa­chung war.

§ 116 Abs. 1 Satz 1 BBergG ist auch nicht vor dem Hin­ter­grund der Vor­gän­ger­re­ge­lung des § 148 des preu­ßi­schen All­ge­mei­nen Berg­ge­set­zes (ABG) [3] anders aus­zu­le­gen. Nach § 148 ABG haf­te­te der jewei­li­ge Berg­werks­ei­gen­tü­mer für alle Berg­schä­den, die wäh­rend sei­ner Besitz­zeit ein-tra­ten. Dabei war es uner­heb­lich, ob der Berg­werks­ei­gen­tü­mer selbst oder einer sei­ner Rechts­vor­gän­ger die den Scha­den ver­ur­sa­chen­de Betriebs­hand­lung vor­ge­nom­men hat­ten. Vor­aus­set­zung war ledig­lich, dass das Berg­werk, des­sen frü­he­rer Betrieb den Scha­den ver­ur­sacht hat­te, zur Zeit des Scha­dens­ein­tritts noch bestand. Aus die­ser frü­her gel­ten­den Rechts­la­ge wird in der Lite­ra­tur teil­wei­se der Schluss gezo­gen, die Haf­tung des Berg­bau­be­rech­tig­ten nach § 116 BBergG sei nicht auf die Schä­den zu begren­zen, die zur Zeit sei­ner Berech­ti­gung ver­ur­sacht wur­den. Denn eine inso­weit ein­schrän­ken­de Aus­le­gung des § 116 Abs. 1 Satz 1 BBergG wür­de gegen­über dem bis­he­ri­gen Recht einen Rück­schritt dar­stel­len. Da aber anzu­neh­men sei, dass die frü­he­re Rechts­la­ge durch das Bun­des­berg­ge­setz nicht abge­än­dert wer­den soll­te, lie­ge es nahe, eine Haf­tung des Berg­bau­be­rech­tig­ten auch für die Ver­gan­gen­heit zu beja­hen [4].

Jedoch kann nicht davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass der Gesetz­ge­ber an der ursprüng­li­chen Haf­tungs­re­ge­lung nichts ändern woll­te. Dage­gen spre­chen schon die völ­li­ge Umge­stal­tung der Norm und die Geset­zes­be­grün­dung. Ins­be­son­de­re § 115 BBergG i.V.m. § 116 Abs. 2 BBergG, die die pri­mä­re Haf­tung des Unter­neh­mers begrün­den, las­sen erken­nen, dass der Gesetz­ge­ber nicht ledig­lich die alte Rechts­la­ge fort­schrei­ben woll­te. Aus § 148 ABG kann des­we­gen auch nichts her­ge­lei­tet wer­den, das der Aus­le­gung des § 116 BBergG im oben dar­ge­stell­ten Sin­ne ent­ge­gen­steht. Ins­be­son­de­re kann mit dem Hin­weis auf eine mög­li­che Ver­schlech­te­rung der Beweis­la­ge oder eine im Ein­zel­fall ein­tre­ten­de scha­dens­recht­li­che Schlech­ter­stel­lung der durch den Berg­bau Geschä­dig­ten die Inten­ti­on des Gesetz­ge­bers, die hier in den Geset­zes­ma­te­ria­li­en deut­lich her­vor­tritt, nicht bei­sei­te gescho­ben wer­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 20. Janu­ar 2011 – III ZR 271/​09

  1. so Dapprich/​Römermann, BBergG, § 116 Rn. 3; wohl auch Boldt/​Wel­ler BBergG, § 116 Rn. 7[]
  2. BT-Drs. 8/​1315 S. 143[]
  3. vom 24. Juni 1865, GS S. 705[]
  4. vgl. Piens/​Schulte/​Graf/​Vitzthum, BBergG, § 116 Rn. 3[]