Ter­mi­nie­rungs­ent­gel­te auf dem Tele­fon­markt

Die Fra­ge einer miss­bräuch­li­chen Über­hö­hung von Ent­gel­ten, die ein markt­be­herr­schen­des Unter­neh­men auf einem Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­markt erhebt, ist, wie das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt jetzt ent­schied, in ers­ter Linie nach dem Ver­gleichs­markt­prin­zip zu beant­wor­ten. Das bedeu­tet, dass die Miss­bräuch­lich­keit anhand eines Ver­glei­ches mit den Prei­sen sol­cher Unter­neh­men zu klä­ren ist, die ent­spre­chen­de Leis­tun­gen auf ver­gleich­ba­ren Märk­ten anbie­ten.

Ter­mi­nie­rungs­ent­gel­te auf dem Tele­fon­markt

Die Klä­ge­rin, die BT (Ger­ma­ny) GmbH & Co.OHG, eine alter­na­ti­ve Teil­neh­mer­netz­be­trei­be­rin, erhebt Ent­gel­te für die Ter­mi­nie­rung (Zustel­lung) von Anru­fen, die aus dem Netz der bei­gela­de­nen Deut­schen Tele­kom AG (DTAG) ein­ge­hen. Die­se Ent­gel­te unter­lie­gen gemäß einer Regu­lie­rungs­ver­fü­gung der beklag­ten Bun­des­netz­agen­tur deren nach­träg­li­cher Regu­lie­rung in Form einer Miss­brauchs­auf­sicht. Nach­dem sich die Klä­ge­rin über die ihr zuste­hen­den Ter­mi­nie­rungs­ent­gel­te mit der DTAG nicht eini­gen konn­te, bean­trag­te sie auf der Grund­la­ge einer von ihr erstell­ten euro­pa­wei­ten Unter­su­chung von Ver­gleichs­märk­ten eine Ent­gel­t­an­ord­nung der Bun­des­netz­agen­tur. Die Behör­de ord­ne­te Ter­mi­nie­rungs­ent­gel­te zu Guns­ten der Klä­ge­rin an, aller­dings auf der Basis einer abwei­chen­den eige­nen Ver­gleichs­markt­ana­ly­se in einer gerin­ge­ren als der bean­trag­ten Höhe.

Mit der Kla­ge vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Köln ver­folg­te die Klä­ge­rin ihren höhe­ren Ent­gel­t­an­trag wei­ter. Das Ver­wal­tungs­ge­richt Köln ver­pflich­te­te dar­auf­hin die Bun­des­netz­agen­tur zur Neu­be­schei­dung des Ent­gel­t­an­tra­ges, da, so die Begrün­dung des Ver­wal­tungs­ge­richts, das Ver­gleichs­markt­prin­zip hier unan­wend­bar sei. Denn auf den Ter­mi­nie­rungs­märk­ten fin­de ein Wett­be­werb über­haupt nicht statt. Sie wür­den sämt­lich von dem jewei­li­gen Netz­be­trei­ber als dem inso­weit ein­zi­gen Anbie­ter beherrscht. Daher müs­se die etwai­ge Miss­bräuch­lich­keit der strit­ti­gen Ent­gel­te nach Maß­ga­be von Kos­ten­un­ter­la­gen der Klä­ge­rin bewer­tet wer­den 1). Dage­gen rich­te­ten sich die Revi­sio­nen sowohl der Klä­ge­rin als auch der Bun­des­netz­agen­tur.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt gab die­sen Revi­sio­nen jetzt statt. Ob und inwie­weit Ent­gel­te gegen das Miss­brauchs­ver­bot ver­sto­ßen, ist nach § 38 Abs. 2 Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­ge­setz – TKG – grund­sätz­lich nach dem Ver­gleichs­markt­prin­zip und nur aus­nahms­wei­se, wenn dies nicht mög­lich ist, anhand kon­kre­ter Kos­ten­un­ter­la­gen des betrof­fe­nen Unter­neh­mens zu beur­tei­len. Als Ver­gleichs­märk­te kom­men gemäß § 35 Abs. 1 TKG "ver­gleich­ba­re, dem Wett­be­werb geöff­ne­te Märk­te" in Betracht. Dem Wett­be­werb geöff­net sind auch regu­lier­te Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­märk­te, und zwar grund­sätz­lich selbst dann, wenn sie eine mono­po­lis­ti­sche Struk­tur auf­wei­sen. Denn auf regu­lier­ten Märk­ten über­nimmt die Regu­lie­rung die sonst dem Wett­be­werb zukom­men­de öko­no­mi­sche Funk­ti­on, die Spiel­räu­me der jewei­li­gen Anbie­ter von Leis­tun­gen zu kon­trol­lie­ren und zu begren­zen. Die auf regu­lier­ten Märk­ten gebil­de­ten Prei­se sind daher prin­zi­pi­ell eben­so wie Wett­be­werbs­prei­se geeig­net, eine miss­bräuch­li­che Über­hö­hung von Ent­gel­ten auf­zu­de­cken. Da das Ver­wal­tungs­ge­richt auf­grund sei­nes abwei­chen­den Rechts­stand­punkts kei­ne Fest­stel­lun­gen zu Ver­gleichs­markt­da­ten getrof­fen hat­te, war das ange­foch­te­ne Urteil auf­zu­he­ben und die Sache an das Ver­wal­tungs­ge­richt zurück­zu­ver­wei­sen.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 23. Juni 2010 – 6 C 36.08

  1. VG Köln – 1 K 3194/​06[]