Tra­di­tio­nel­len Chi­ne­si­schen Medi­zin – nur für Heil­prak­ti­ker

Wer – ohne Arzt zu sein – Behand­lun­gen im Bereich der Tra­di­tio­nel­len Chi­ne­si­schen Medi­zin durch­führt, bedarf hier­zu einer Erlaub­nis nach dem Heil­prak­ti­ker­ge­setz.

Tra­di­tio­nel­len Chi­ne­si­schen Medi­zin – nur für Heil­prak­ti­ker

Dem Klä­ger eines jetzt vom Ver­wal­tungs­ge­richt Trier ent­schie­de­nen Ver­fah­rens, der in einer Arzt­pra­xis in den Berei­chen Aku­punk­tur, Aku­pres­sur, chi­ne­si­sche Puls- und Zun­gen­dia­gnos­tik, TUINA-Mas­sa­ge und chi­ne­si­sche Reflex­zo­nen-The­ra­pie tätig ist und der zuvor meh­re­re Jah­re in einer TCM-Fach­kli­nik gear­bei­tet, einen staat­lich zuge­las­se­nen Lehr­gang Aku­punk­tur absol­viert hat sowie über ein chi­ne­si­sches Zer­ti­fi­kat für TUINA Mas­sa­ge ver­fügt, war die Aus­übung die­ser Tätig­kei­ten mit der Begrün­dung unter­sagt wor­den, dass er über kei­ne Erlaub­nis nach dem Heil­prak­ti­ker­ge­setz ver­fü­ge. Hier­ge­gen wand­te der Klä­ger zunächst im Wider­spruchs- und dann im Kla­ge­ver­fah­ren ein, er benö­ti­ge kei­ne Heil­prak­ti­ker­er­laub­nis, weil er ledig­lich abhän­gi­ge, wei­sungs­ge­bun­de­ne Tätig­kei­ten aus­übe. Die Anord­nungs­ver­ant­wor­tung bezüg­lich Dia­gnos­tik und The­ra­pie lie­ge aus­schließ­lich beim Fach­arzt, der sich wäh­rend der Behand­lun­gen stets in Ruf­nä­he auf­hal­te. Dem hielt die Beklag­te ent­ge­gen, dass es sich bei den aus­ge­üb­ten Tätig­kei­ten um die Aus­übung von Heil­kun­de han­de­le, die nicht auf Hilfs­kräf­te über­tra­gen wer­den dür­fe, son­dern viel­mehr eine eige­ne medi­zi­ni­sche Qua­li­fi­ka­ti­on erfor­de­re.

Die­se Argu­men­ta­ti­on über­nahm auch das Ver­wal­tungs­ge­richt Trier: Der gesam­te Bereich der Tra­di­tio­nel­len Chi­ne­si­schen Medi­zin sei der Heil­kun­de im Sin­ne des Heil­prak­ti­ker­ge­set­zes zuzu­ord­nen. Da sich die Tra­di­tio­nel­le Chi­ne­si­schen Medi­zin als umfas­sen­de Gesamt­be­trach­tung gesund­heit­li­cher Pro­ble­me ver­ste­he, bestehe in ihrem gesam­ten Anwen­dungs­be­reich bei einer Aus­füh­rung durch nicht hin­rei­chend sach­kun­di­ge Per­so­nen eine poten­ti­el­le Gesund­heits­ge­fähr­dung allei­ne des­halb, weil mög­li­cher­wei­se eine erfor­der­li­che ärzt­li­che Behand­lung ver­zö­gert wer­de. Hin­zu kom­me, dass es bei der Tra­di­tio­nel­len Chi­ne­si­schen Medi­zin ent­schei­dend auf den Wis­sens­stand der unmit­tel­bar han­deln­den Per­son ankom­me, sodass die aus­ge­üb­ten Tätig­kei­ten von vor­ne­her­ein einer Aus­füh­rung durch Hilfs­per­so­nen ohne medi­zi­ni­sche Qua­li­fi­ka­ti­on nicht zugäng­lich sei­en.

Ver­wal­tungs­ge­richt Trier, Urteil vom 18. August 2010 – 5 K 221/​10.TR