Ver­fall von Bonus­punk­ten

Der Bun­des­ge­richts­hof hat heu­te über die Wirk­sam­keit einer Ver­falls­klau­sel in den Teil­nah­me­be­din­gun­gen des Flug­prä­mi­en­pro­gramms eines Luft­ver­kehrs­un­ter­neh­mens ent­schie­den.

Ver­fall von Bonus­punk­ten

Der Klä­ger des jetzt vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Rechts­streits war Teil­neh­mer des Flug­prä­mi­en­pro­gramms der Beklag­ten. Im Rah­men die­ses Pro­gramms konn­ten Rei­sen­de eine flug­stre­cken­ab­hän­gi­ge Anzahl von Bonus­punk­ten sam­meln, die inner­halb von fünf Jah­ren nach dem jewei­li­gen Flug gegen Prä­mi­en­ti­ckets der Beklag­ten ein­ge­löst wer­den konn­ten. In den Teil­nah­me­be­din­gun­gen behielt sich die Beklag­te das Recht vor, das Pro­gramm jeder­zeit ein­zu­stel­len. Im Sep­tem­ber 2007 kün­dig­te sie den Teil­neh­mern die Ein­stel­lung des Flug­prä­mi­en­pro­gramms zum 31. Okto­ber 2007 an und räum­te ihnen die Mög­lich­keit ein, die gesam­mel­ten Punk­te auf das Bonus­pro­gramm einer ande­ren Flug­ge­sell­schaft zu über­tra­gen. Zugleich kün­dig­te sie den Teil­neh­mer­ver­trag und wies den Klä­ger dar­auf hin, dass er nach den Teil­nah­me­be­din­gun­gen (nur) noch bis zum 30. April 2008 Flü­ge buchen kön­ne, die bis zum 31. Okto­ber 2008 statt­fin­den müss­ten.

Der Klä­ger hält die Teil­nah­me­be­din­gun­gen der Beklag­ten inso­weit für unwirk­sam und hat die Fest­stel­lung begehrt, dass er sei­ne Bonus­punk­te noch inner­halb von fünf Jah­ren nach dem jewei­li­gen Flug­da­tum ein­lö­sen kön­ne. Fer­ner hat er die Gut­schrift wei­te­rer Punk­te für einen Flug im Dezem­ber 2007 ver­langt.

Das erst­in­stanz­lich mit der Kla­ge befass­te Amts­ge­richt Düs­sel­dorf hat die Kla­ge abge­wie­sen [1]. Die hier­ge­gen ein­ge­leg­te Beru­fung des Klä­gers wur­de vom Land­ge­richt Düs­sel­dorf zurück gewie­sen [2]. Sowohl das Amts­ge­richt wie auch das Land­ge­richt Düs­sel­dorf haben die­se Bestim­mun­gen in den All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen der Beklag­ten für wirk­sam gehal­ten.

Dem ist auf die Revi­si­on des Klä­gers hin der Bun­des­ge­richts­hof nun jedoch nicht gefolgt. Er hält die Beklag­te zwar für berech­tigt, ihr Flug­prä­mi­en­pro­gramm jeder­zeit ein­zu­stel­len, sieht jedoch in der für die­sen Fall in den Teil­nah­me­be­din­gun­gen vor­ge­se­he­nen Ver­kür­zung der Gül­tig­keits­dau­er der Bonus­punk­te auf bis zu ein Zehn­tel der ursprüng­li­chen Gül­tig­keit eine nicht durch ein schutz­wür­di­ges Inter­es­se des Luft­ver­kehrs­un­ter­neh­mens gerecht­fer­tig­te unbil­li­ge Benach­tei­li­gung des Rei­sen­den. Die­ser kann unter Umstän­den Schwie­rig­kei­ten haben, inner­halb von nur sechs Mona­ten pas­sen­de Prä­mi­en­flü­ge zu buchen. Dies gilt zumal ange­sichts des Umstands, dass sich die Beklag­te die Ent­schei­dung vor­be­hal­ten hat, für wel­che Flü­ge sie Prä­mi­en­ti­ckets zur Ver­fü­gung stellt.

Das Argu­ment, die Bonus­punk­te sei­en eine frei­wil­li­ge Leis­tung der Beklag­ten, hat der Bun­des­ge­richts­hof nicht für stich­hal­tig gehal­ten, da es sich bei der Gut­schrift der Bonus­punk­te der Sache nach um einen bei Flug­bu­chung ver­ein­bar­ten – mit dem Preis für künf­ti­ge Flü­ge zu ver­rech­nen­den – Rabatt han­delt.

Die Beklag­te ist nach dem Urteil fer­ner ver­pflich­tet, auch Bonus­punk­te für Flü­ge gut­zu­schrei­ben, die erst nach Been­di­gung des Pro­gramms statt­ge­fun­den haben, sofern sie vor der Been­di­gung auf der Grund­la­ge des Bonus­pro­gramms gebucht wor­den sind.

Der ange­bo­te­ne Wech­sel in ein ande­res Flug­prä­mi­en­pro­gramm steht den Kla­ge­an­sprü­chen jeden­falls des­halb nicht ent­ge­gen, weil die­ses Flug­prä­mi­en­pro­gramm nicht in jeder Hin­sicht gleich­wer­tig ist.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 28. Janu­ar 2010 – Xa ZR 37/​09

  1. Amts­ge­richt Düs­sel­dorf, Urteil vom 14.10.2008 – 50 C 7894/​08[]
  2. Land­ge­richt Düs­sel­dorf, Urteil vom 20.03.2009 – 22 S 377/​08[]