Lang­sa­me Regu­lie­rung durch die Haft­pflicht­ver­si­che­rung

Solan­ge und soweit ein Haft­pflicht­ver­si­che­rer trotz ord­nungs­ge­mä­ßer Behand­lung das Regu­lie­rungs­be­geh­ren des Anspruchs­stel­lers nicht abschlie­ßend beur­tei­len kann, beruht das Nicht­zah­len der Regu­lie­rungs­leis­tung nach Ansicht des Ober­lan­des­ge­richts Stutt­gart auf einem vom Schuld­ner nicht zu ver­tre­ten­den Umstand mit der Wir­kung, dass kein Ver­zug ein­tritt und auch kei­ne Ver­an­las­sung zur Kla­ge­er­he­bung besteht. Dem Haft­pflicht­ver­si­che­rer des Ersatz­pflich­ti­gen ist regel­mä­ßig – d.h. selbst bei ein­fa­chen Sach­ver­hal­ten – eine Bear­bei­tungs­zeit von eini­gen Wochen ein­zu­räu­men.

Lang­sa­me Regu­lie­rung durch die Haft­pflicht­ver­si­che­rung

Zwar war der Scha­dens­er­satz­an­spruch des Unfall­op­fers sofort nach Scha­dens­ent­ste­hung fäl­lig, § 271 BGB. Solan­ge und soweit ein Haft­pflicht­ver­si­che­rer jedoch trotz ord­nungs­ge­mä­ßer Behand­lung das Regu­lie­rungs­be­geh­ren eines Anspruch­stel­lers nicht abschlie­ßend beur­tei­len kann, beruht das Nicht­zah­len der Regu­lie­rungs­leis­tung auf einem vom Schuld­ner nicht zu ver­tre­ten­den Umstand mit der Wir­kung, dass kein Ver­zug ein­tritt und auch kei­ne Ver­an­las­sung zur Kla­ger­he­bung besteht. Inso­weit ist es in der Recht­spre­chung aner­kannt, dass bei durch­schnitt­li­chen Ver­kehrs­un­fall­sa­chen ein Prü­fungs­zeit­raum des Haft­pflicht­ver­si­che­rers von vier bis sechs Wochen abge­war­tet wer­den muss 1. Zuzu­ge­ben ist dem Klä­ger, dass die Pra­xis der Scha­dens­re­gu­lie­rung im All­ge­mei­nen nicht von star­ren Bear­bei­tungs­fris­ten aus­geht. Es hängt viel­mehr von der indi­vi­du­el­len Gestal­tung des Ein­zel­falls ab, wel­che Regu­lie­rungs­frist ange­mes­sen ist. Dem Haft­pflicht­ver­si­che­rer des Ersatz­pflich­ti­gen ist jedoch regel­mä­ßig – d.h. selbst bei ein­fa­chen Sach­ver­hal­ten – eine Bear­bei­tungs­zeit von eini­gen Wochen ein­zu­räu­men 2.

Auch hin­sicht­lich der Höhe des gel­tend gemach­ten Scha­dens­er­sat­zes ist der Kfz-Haft­pflicht­ver­si­che­rung eine Prü­fungs­frist von min­des­tens vier Wochen ab kon­kre­ter Scha­dens­be­zif­fe­rung ein­zu­räu­men. Bei der Bear­bei­tung von Scha­dens­er­satz­for­de­run­gen im Zusam­men­hang mit Ver­kehrs­un­fäl­len han­delt es sich um ein Mas­sen­ge­schäft der Haft­pflicht­ver­si­che­rer. In ihrer betriebs­in­ter­nen Orga­ni­sa­ti­on müs­sen sie per­so­nel­le Schwan­kun­gen sowie die Schwan­kun­gen der Anzahl der an sie her­an­ge­tra­ge­nen Scha­dens­re­gu­lie­run­gen berück­sich­ti­gen. Es ist einem Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men daher nicht zuzu­mu­ten, jeweils sicher­zu­stel­len, inner­halb einer kür­ze­ren Frist die Scha­dens­re­gu­lie­rung abzu­wi­ckeln. Umge­kehrt ist es dem Anspruch­stel­ler schon des­halb zuzu­mu­ten, mit sei­ner Kla­ger­he­bung eine Min­dest­frist von vier Wochen ab kon­kre­ter Scha­dens­be­zif­fe­rung abzu­war­ten, da in der Regel die Repa­ra­tur­werk­stät­ten nicht auf sofor­ti­ger Bezah­lung bestehen, wenn die Repa­ra­tur über eine Ver­si­che­rung abge­rech­net wird.

Die der Ver­si­che­rung zuzu­ge­ste­hen­de Prü­fungs- und Bear­bei­tungs­frist kann auch nicht dadurch abge­kürzt wer­den, dass die ver­schie­de­nen Scha­dens­po­si­tio­nen suk­zes­si­ve gel­tend gemacht wer­den oder mög­lichst früh­zei­tig Vor­schuss­zah­lun­gen ein­ge­for­dert wer­den. Letzt­lich wird durch ein sol­ches Vor­ge­hen der Anspruch­stel­ler nur unnö­ti­ger Auf­wand ver­ur­sacht, der letzt­lich nur zu einer wei­te­ren Ver­zö­ge­rung der eigent­li­chen Scha­dens­be­ar­bei­tung führt.

Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart, Beschluss vom 26. April 2010 – 3 W 15/​10

  1. KG, VersR 2009, 1262; LG Karls­ru­he, VersR 1969, 865; OLG Hamm, VersR 1971, 187; LG Mün­chen, VersR 1973, 87; LG Mün­chen, VersR 1974, 69; OLG Köln, VersR 1974, 268; OLG Schles­wig VersR 1974, 271; OLG Nürn­berg, VersR 1976, 1052; OLG Mün­chen, VersR 1979, 479; OLG Karls­ru­he, LG Han­no­ver ZfS 1986, 176, Scha­den-Pra­xis 2003, 391; OLG Düs­sel­dorf DAR 2007, 611; vgl. auch Mül­ler in Himmelreich/​Halm, Hand­buch des Fach­an­walts Ver­kehrs­recht, Kap. 6 Rn. 60 f m.w.N. und Him­mel­reich/Halm-Kuhn, Hand­buch der Kfz-Scha­dens­re­gu­lie­rung, 2009, A 173[]
  2. Him­mel­reich/Halm-Kuhn a.a.O., A 179 m.w.N.[]