Post­hu­me Ver­wer­tung von Ton­auf­nah­men des "King"

Für die post­hu­me Ver­wer­tung der Elvis-Auf­nah­men in Deutsch­land erhält eine Gesell­schaft, in die nach Elvis Pres­ley’s Tod die Rech­te an sei­nen Ton­auf­nah­men ein­ge­bracht wur­den, kein Geld.

Post­hu­me Ver­wer­tung von Ton­auf­nah­men des "King"

So die Ent­schei­dung des Land­ge­richts Mün­chen I. Die Klä­ge­rin hat­te Presley's frü­he­re Plat­ten­fir­ma ver­klagt. Die­se ver­dient zwar mit den vor 1973 ent­stan­de­nen Auf­nah­men, die immer noch ger­ne auf CD gepresst und im Rund­funk gespielt wer­den, nach wie vor gutes Geld. Die Klä­ge­rin erhält davon aber kei­nen Cent, denn die Plat­ten­fir­ma hat­te mit Elvis Pres­ley im Jah­re 1973 – also noch zu des­sen Leb­zei­ten – einen Ver­trag geschlos­sen, mit dem der Künst­ler mit meh­re­ren Mil­lio­nen Dol­lar „ein für alle­mal“ abge­fun­den wur­de. Daher gehen alle Ein­nah­men aus der Ver­wer­tung sei­ner Rech­te auf das Kon­to der Plat­ten­fir­ma. Hier­ge­gen hat die Klä­ge­rin geklagt.

Neben der Fra­ge der Wirk­sam­keit die­ses Ver­tra­ges sah die Klä­ge­rin vor allem zwei Ansatz­punk­te, um doch noch eine Betei­li­gung an den in Deutsch­land erziel­ten Ver­wer­tungs­er­lö­sen zu erhal­ten:

  • In Deutsch­land waren im Jahr 1990 die Schutz­fris­ten für Ton­auf­nah­men – also auch für sol­che von Elvis Pres­ley – von 25 auf 50 Jah­re ver­län­gert wor­den. Die Fol­ge war, dass mit den Rech­ten an den Ton­auf­nah­men sich dop­pelt so lan­ge Geld ver­die­nen lässt. Das, so die Klä­ge­rin, habe man 1973 nicht geahnt und des­halb den Abfin­dungs­be­trag – aus heu­ti­ger Sicht – viel zu nied­rig ange­setzt. Das Gesetz selbst sehe auf­grund der Schutz­frist­ver­län­ge­rung sogar expli­zit einen Anspruch auf Nach­ver­gü­tung vor.
  • Außer­dem gibt es ja, so die Klä­ge­rin, seit dem Jahr 2002 hier­zu­lan­de die gesetz­li­che Ver­pflich­tung des Rech­te­ver­werters, also zum Bei­spiel einer Plat­ten­fir­ma, dem Künst­ler einen Nach­schlag zu bezah­len, wenn ein auf­fäl­li­ges Miß­ver­hält­nis zwi­schen den Ver­wer­tungs­er­lö­sen und der Betei­li­gung des Künst­lers hier­an besteht.

Die Klä­ge­rin for­der­te von der Beklag­ten unter ande­rem eine Zah­lung von über 1,3 Mio. €.

Das Land­ge­richt wies die­se Kla­ge ab. Nach der Auf­fas­sung des Gerichts habe sich Elvis Pres­ley 1973 durch einen wirk­sa­men Ver­trag für die Nut­zung sei­ner Ver­wer­tungs­rech­te abfin­den las­sen. Mit der ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Pau­schal­zah­lung sei­en nach dem Ver­trags­wort­laut auch spä­ter ent­stan­de­ne gesetz­li­che Nach­zah­lungs­an­sprü­che wegen etwai­ger Schutz­frist­ver­län­ge­run­gen abge­gol­ten wor­den. Dar­an ände­re auch der gesetz­li­che Nach­ver­gü­tungs­an­spruch nichts, der im Zuge der Schutz­frist­ver­län­ge­rung ein­ge­führt wor­den sei. Bei die­sem Nach­ver­gü­tungs­an­spruch han­de­le es sich näm­lich um eine Rege­lung, die nicht zwin­gend und unver­zicht­bar sei, so dass auch – wie hier – anders­lau­ten­de ver­trag­li­che Ver­ein­ba­run­gen hät­ten getrof­fen wer­den kön­nen.

Auch mit der seit 2002 bestehen­den – ganz gene­rel­len – Ver­pflich­tung des Ver­werters, den Künst­ler ange­mes­sen zu betei­li­gen, konn­te die Klä­ge­rin nicht punk­ten. Da es für den Fall der Schutz­frist­ver­län­ge­rung eine spe­zi­el­le Nach­ver­gü­tungs­re­ge­lung gebe, kom­me die all­ge­mei­ne Ver­pflich­tung zur ange­mes­se­nen Betei­li­gung hier gar nicht zur Anwen­dung.

Land­ge­richt Mün­chen I, Urteil vom 23. Novem­ber 2011 – 21 O 25511/​10