Hugo v. Hof­manns­thal ./​. Richard Strauss

Nach Fer­tig­stel­lung des "Rosen­ka­va­lier" wur­de der Dich­ter Hugo von Hof­manns­thal grund­sätz­lich:

Hugo v. Hof­manns­thal ./​. Richard Strauss

"Ein Werk ist ein Gan­zes und auch zwei­er Men­schen Werk kann ein Gan­zes wer­den. Vie­les ist den Gleich­zei­tig-Leben­den gemein­sam, auch vom Eigens­ten. Die Musik soll nicht vom Text geris­sen wer­den, das Wort nicht vom beleb­ten Bild."

Als ob er's gewusst hät­te: Seit die 70-jäh­ri­ge Schutz­frist für die Libret­ti des 1929 ver­stor­be­nen Hugo von Hof­manns­thal 1999 ablief und damit nur noch die Strauss'sche Musik von acht welt­be­rühm­ten Opern, die bei­de Künst­ler zusam­men geschaf­fen haben, geschützt war, strei­ten die Erben der bei­den Künst­ler über die Erlös­ver­tei­lung. Die Tex­te v. Hof­mannsthals – so die Strauss-Erben – sei­en seit 1999 gemein­frei und müss­ten des­halb auch nicht mehr ver­gü­tet wer­den.

Das Land­ge­richt Mün­chen I hat v. Hof­manns­thal mit einem heu­te ver­kün­de­ten Urteil sozu­sa­gen post­hum Recht gege­ben. Es ver­ur­teil­te die Erben von Richard Strauss, den Erben von Hugo von Hof­manns­thal trotz des Ablaufs der Schutz­frist für des­sen Libret­ti Aus­kunft über die Erlö­se aus der Ver­wer­tung der strei­ti­gen Opern zu ertei­len. Die Erben von Hof­mannsthals sei­en näm­lich auch für das letz­te Quar­tal des Jah­res 2001 und das Jahr 2002 – um die gestrit­ten wur­de – erlös­be­rech­tigt.

Die Künst­ler – bzw. deren Rechts­nach­fol­ger – hat­ten sich in den Jah­ren zwi­schen 1906 und 1949 in diver­sen Ver­trä­gen dar­auf geei­nigt, dass Strauss die Rech­te an den Opern wahr­nimmt und den Text­dich­ter v. Hof­manns­thal an den Erlö­sen betei­ligt und zwar so lan­ge, wie Strauss selbst oder sei­ne Rechts­nach­fol­ger für die Auf­füh­run­gen Tan­tie­men oder sons­ti­ge Beträ­ge als Autor (bzw. Urhe­ber) erhal­ten. Nach dem Urteil des Land­ge­richts Mün­chen I ergibt sich damit ein­deu­tig, dass die Zah­lungs­pflicht erst dann endet, wenn auch Richard Strauss oder sei­ne Rechts­nach­fol­ger für die Auf­füh­rungs­rech­te der Opern kei­ne Tan­tie­men mehr erhal­ten. Die Ver­trags­par­tei­en hät­ten die Schutz­fä­hig­keit des Tex­tes aus­drück­lich nicht zur Vor­aus­set­zung gemacht, wie sich etwa auch dar­aus erge­be, dass eine Betei­li­gung auch für den (für mög­lich erach­te­ten) Fall vor­ge­se­hen wur­de, dass der Text in einem Land nicht urhe­ber­recht­lich geschützt ist.

Hin­zu kom­me – so das Gericht -, dass dem Urhe­ber­rechts­ex­per­ten Strauss nicht zuletzt auf­grund des Todes von Hof­mannsthals das Pro­blem der unter­schied­lich lang lau­fen­den Schutz­fris­ten prä­sent gewe­sen sein muss; trotz­dem wur­den auch noch nach v. Hof­mannsthals Tod in die­sem Punkt gleich­lau­ten­de Ver­trä­ge geschlos­sen. Die­ses Aus­le­gungs­er­geb­nis ent­spre­che auch dem Inter­es­se der Künst­ler, die wirt­schaft­li­che Sei­te der Zusam­men­ar­beit mög­lichst prag­ma­tisch zu regeln. Dies fin­de nicht zuletzt auch im Brief­wech­sel der Künst­ler sei­nen Nie­der­schlag.

Das Land­ge­richt stell­te aller­dings fest, dass Betei­li­gungs­an­sprü­che für das Jahr 2001 bereits weit­ge­hend ver­jährt sind. Inso­weit hat das Land­ge­richt Mün­chen I bereits jetzt auch etwai­ge Zah­lungs­kla­gen abge­wie­sen, über deren Höhe im Übri­gen nach Ertei­lung der Aus­kunft zu befin­den sein wird.

Abge­wie­sen haben die Rich­ter die Kla­ge auch inso­weit, als die Erben von Hof­mannsthals eine Erlös­be­tei­li­gung auch für Ton­trä­ger­auf­nah­men sowie Film- und Rund­funk­ver­wer­tun­gen ohne Text gefor­dert hat­ten. Die­se For­de­rung – so die Rich­ter der 7. Zivil­kam­mer – wider­spre­che ein­deu­tig den ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen und gehe damit zu weit.

Als klei­ner Sieg darf das Urteil aber in gewis­ser Wei­se auch für Richard Strauss gel­ten: Die­ser hat­te sich zeit­le­bens dafür ein­ge­setzt, dass Urhe­ber auch nach Ablauf der Schutz­frist Ein­nah­men erzie­len kön­nen.

Land­ge­richt Mün­chen I, Urteil vom 14. Juni 2007 – 7 O 6699/​06