Alters­dis­kri­mi­nie­rung in der Stel­len­an­zei­ge – und ein "jun­ges hoch­mo­ti­vier­tes Team"

Die For­mu­lie­rung in einer Stel­len­an­zei­ge, wonach ein Unter­neh­men ein "jun­ges hoch­mo­ti­vier­tes Team" vor­zu­wei­sen habe und die Auf­for­de­rung, sich zu bewer­ben, wenn der oder die Bewerber/​in "Teil eines jun­gen, hoch­mo­ti­vier­ten Teams" wer­den wol­le, ist nicht ein­deu­tig. "Jung" kann sich in die­sem Zusam­men­hang auf den Zeit­punkt der Zusam­men­set­zung des Teams genau­so wie auf das Lebens­al­ter der Team­mit­glie­der bezie­hen. Da kei­nes der mög­li­chen Ver­ständ­nis­se über­wie­gend wahr­schein­lich ist, fehlt auch eine über­wie­gen­de Wahr­schein­lich­keit für eine Benach­tei­li­gung wegen des Lebens­al­ters.

Alters­dis­kri­mi­nie­rung in der Stel­len­an­zei­ge – und ein "jun­ges hoch­mo­ti­vier­tes Team"

Ein Ent­schä­di­gungs­an­spruch nach § 15 Abs. 2 AGG setzt einen Ver­stoß gegen das Benach­tei­li­gungs­ver­bot nach § 7 Abs. 1 AGG vor­aus. Zwar ent­hält § 15 Abs. 2 Satz 1 AGG nur eine Rechts­fol­gen­re­ge­lung; aus dem sys­te­ma­ti­schen Zusam­men­hang ergibt sich aber, dass auf die Vor­aus­set­zun­gen des § 15 Abs. 1 Satz 1 AGG zurück­zu­grei­fen ist 1.

Nach § 7 Abs. 1 AGG dür­fen Beschäf­tig­te nicht wegen eines in § 1 AGG genann­ten Grun­des benach­tei­ligt wer­den. Eine Benach­tei­li­gung liegt nach § 3 Abs. 1 Satz 1 AGG vor, wenn eine Per­son wegen eines in § 1 AGG genann­ten Grun­des eine weni­ger güns­ti­ge Behand­lung als eine ande­re Per­son in einer ver­gleich­ba­ren Situa­ti­on erfährt, erfah­ren hat oder erfah­ren wür­de. Die nach­tei­li­ge Maß­nah­me muss unmit­tel­bar an das ver­bo­te­ne Merk­mal anknüp­fen 2.

Eine Benach­tei­li­gung der Stel­len­be­wer­be­rin lag vor, denn sie erfuhr eine wenig güns­ti­ge­re Behand­lung als die­je­ni­gen Bewer­ber und Bewer­be­rin­nen, die zu einem Vor­stel­lungs­ge­spräch ein­ge­la­den wor­den sind. Ein Nach­teil im Rah­men einer Aus­wahl­ent­schei­dung bei der Ein­stel­lung liegt bereits dann vor, wenn Bewer­ber oder Bewer­be­rin­nen nicht in die Aus­wahl mit ein­be­zo­gen wur­den son­dern vor­ab aus­ge­schie­den sind. Hier liegt die Benach­tei­li­gung in der Ver­sa­gung einer Chan­ce 3. Ob die Beklag­te auf die aus­ge­schrie­be­nen Stel­len letzt­lich jeman­den ein­ge­stellt hat oder nicht, kommt es daher nicht an 4.

as Vor­lie­gen einer ver­gleich­ba­ren Situa­ti­on setzt vor­aus, dass der Bewer­ber oder die Bewer­be­rin objek­tiv für die aus­ge­schrie­be­ne Stel­le geeig­net war, denn ver­gleich­bar ist die Aus­wahl­si­tua­ti­on nur für Arbeit­neh­mer und Arbeit­neh­me­rin­nen, die glei­cher­ma­ßen die objek­ti­ve Eig­nung für die zu beset­zen­de Stel­le auf­wei­sen 5.

Für die Beur­tei­lung der objek­ti­ven Eig­nung ist nicht nur auf das for­mel­le und bekannt gege­be­ne Anfor­de­rungs­pro­fil abzu­stel­len. Maß­geb­lich sind viel­mehr die Anfor­de­run­gen, die der Arbeit­ge­ber an einen Bewer­ber in red­li­cher Wei­se stel­len durf­te. Zwar darf der Arbeit­ge­ber über den einer Stel­le zuge­ord­ne­ten Auf­ga­ben­be­reich und die dafür gefor­der­ten Qua­li­fi­ka­tio­nen des Stel­len­in­ha­bers grund­sätz­lich frei ent­schei­den. Durch über­zo­ge­ne Anfor­de­run­gen, die nach der im Arbeits­le­ben herr­schen­den Ver­kehrs­an­schau­ung unter kei­nem nach­voll­zieh­ba­ren Gesichts­punkt durch die Erfor­der­nis­se der wahr­zu­neh­men­den Auf­ga­ben gedeckt sind, darf er aller­dings die Ver­gleich­bar­keit der Situa­ti­on nicht will­kür­lich gestal­ten und dadurch den Schutz des All­ge­mei­nen Dis­kri­mi­nie­rungs­schut­zes de fac­to besei­ti­gen 5. Grund­sätz­lich zuläs­sig ist es, in einem Stel­len­pro­fil eine bestimm­te Min­dest­no­te oder sons­ti­ge beson­de­re Qua­li­fi­ka­tio­nen zu for­dern 6.

Zwi­schen der benach­tei­li­gen­den Behand­lung und einem durch § 1 AGG ver­bo­te­nen Anknüp­fungs­merk­mal muss ein Kau­sal­zu­sam­men­hang bestehen. Nach § 22 Halb­satz 1 AGG genügt eine Per­son, die sich wegen eines der in § 1 AGG genann­ten Grün­de für benach­tei­ligt hält, ihrer Dar­le­gungs­last, wenn sie Indi­zi­en vor­trägt, die die­se Benach­tei­li­gung ver­mu­ten las­sen 7. Bei der Prü­fung eines sol­chen Kau­sal­zu­sam­men­hangs sind alle Umstän­de im Sin­ne einer Gesamt­be­trach­tung und ‑wür­di­gung des Sach­ver­halts zu berück­sich­ti­gen 8. Die vor­ge­tra­ge­nen Tat­sa­chen müs­sen dar­auf schlie­ßen las­sen, dass die Benach­tei­li­gung zumin­dest auch wegen jenes Merk­mals erfolgt ist. Hin­sicht­lich des Zusam­men­hangs zwi­schen einem der in § 1 AGG genann­ten Grün­de und einer ungüns­ti­ge­ren Behand­lung genügt es, Hilfs­tat­sa­chen vor­zu­tra­gen, die zwar nicht zwin­gend den Schluss auf die Kau­sa­li­tät zulas­sen, die aber gleich­wohl die Annah­me recht­fer­ti­gen, dass die Kau­sa­li­tät gege­ben ist 9. Dies ist nur dann der Fall, wenn die vor­ge­tra­ge­nen Tat­sa­chen aus objek­ti­ver Sicht mit über­wie­gen­der Wahr­schein­lich­keit dar­auf schlie­ßen las­sen, dass die Benach­tei­li­gung wegen die­ses Merk­mals erfolgt ist 10. Auf ein schuld­haf­tes Han­deln oder eine Benach­tei­li­gungs­ab­sicht kommt es dem­ge­gen­über nicht an 9. Ist eine sol­che Ver­mu­tung für eine Benach­tei­li­gung wegen eines in § 1 AGG genann­ten Grun­des zu beja­hen, trägt nach § 22 AGG die ande­re Par­tei die Dar­le­gungs- und Beweis­last dafür, dass kein Ver­stoß gegen die Bestim­mun­gen zum Schutz vor Benach­tei­li­gun­gen vor­ge­le­gen hat.

Für die Ver­mu­tungs­wir­kung des § 22 Halb­satz 1 AGG ist es aus­rei­chend, dass ein in § 1 AGG genann­ter Grund Bestand­teil eines Motiv­bün­dels ist, das die Ent­schei­dung beein­flusst hat. Es ist nicht erfor­der­lich, dass der als Anknüp­fungs­punkt ver­bo­te­ne Grund aus­schließ­li­ches oder auch nur ein wesent­li­ches Motiv für das Han­deln des Benach­tei­li­gen­den ist 11.

Bei der Beur­tei­lung von Tat­be­stän­den, die auf eine unmit­tel­ba­re oder mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung schlie­ßen las­sen, sind die inner­staat­li­chen Rechts­vor­schrif­ten oder ‑gepflo­gen­hei­ten maß­ge­bend 12. Die Gerich­te haben dabei dar­über zu wachen, dass im Rah­men des Nach­wei­ses von Tat­sa­chen, die das Vor­lie­gen einer Dis­kri­mi­nie­rung ver­mu­ten las­sen, die Ver­wirk­li­chung des mit der RL 2006/​54/​EG ver­folg­ten Ziels nicht beein­träch­tigt wird 13.

Ins­be­son­de­re der Ver­stoß gegen die Ver­pflich­tung, einen Arbeits­platz nicht unter Ver­stoß gegen § 7 Abs. 1 AGG aus­zu­schrei­ben, kann die Ver­mu­tung begrün­den, die Benach­tei­li­gung sei wegen ver­bo­te­ner Merk­ma­le erfolgt 14.

Aus­ge­hend hier­von fehlt es im hier ent­schie­de­nen Fall an dem erfor­der­li­chen Kau­sal­zu­sam­men­hang zwi­schen der benach­tei­li­gen­den Behand­lung und einem durch § 1 AGG ver­bo­te­nen Anknüp­fungs­merk­mal. Die von der Stel­len­be­wer­be­rin vor­ge­tra­ge­nen Umstän­de las­sen weder jeweils für sich betrach­tet noch in einer Gesamt­schau mit über­wie­gen­der Wahr­schein­lich­keit dar­auf schlie­ßen, dass ein in § 1 AGG genann­ter Grund mit­ur­säch­lich für die Nicht­ein­la­dung zu einem Vor­stel­lungs­ge­spräch gewe­sen ist. Weder ver­stößt die von der Beklag­ten ver­öf­fent­lich­te Stel­len­aus­schrei­bung gegen § 11 AGG i.V.m. § 7 Abs. 1 AGG, noch lie­gen sons­ti­ge Tat­sa­chen vor, die die Benach­tei­li­gung der Stel­len­be­wer­be­rin wegen eines ver­bo­te­nen Merk­mals indi­zie­ren.

Die Stel­len­aus­schrei­bung lässt schließ­lich kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung der Stel­len­be­wer­be­rin wegen des Alters ver­mu­ten. Der unter der Über­schrift "Was Sie erwar­tet" auf­ge­führ­te Punkt, "in einem jun­gen, hoch­mo­ti­vier­ten Team aus […]" und die abschlie­ßen­de Auf­for­de­rung "Wenn Sie Teil eines hoch­in­no­va­ti­ven, anspruchs­vol­len […] und eines jun­gen und hoch­mo­ti­vier­ten Teams wer­den wol­len" las­sen aus objek­ti­ver Sicht nicht mit über­wie­gen­der Wahr­schein­lich­keit dar­auf schlie­ßen, dass die Benach­tei­li­gung wegen des Alters der Stel­len­be­wer­be­rin erfolgt ist.

Ein Ver­stoß gegen § 11 AGG liegt aller­dings vor, wenn mit einer Stel­len­an­zei­ge jun­ge Bewer­ber oder Bewer­be­rin­nen gesucht wer­den und das Alter somit Ein­stel­lungs­vor­aus­set­zung ist 15.

Die Beklag­te rich­tet ihre Stel­len­aus­schrei­bung nicht aus­drück­lich an jun­ge Per­so­nen. Den von ihr ver­wen­de­ten For­mu­lie­run­gen kann dies auch nicht im Wege einer Aus­le­gung ent­nom­men wer­den; ins­be­son­de­re ent­fal­ten sie nicht mit hin­rei­chen­der Wahr­schein­lich­keit eine objek­tiv abschre­cken­de Wir­kung auf älte­re Per­so­nen, die sich für die Stel­le inter­es­sie­ren.

Zur Beur­tei­lung der For­mu­lie­run­gen der Beklag­ten im Zusam­men­hang mit einem "jun­gen, hoch­mo­ti­vier­ten Team", die so oder in ähn­li­cher Form bereits häu­fig Gegen­stand gericht­li­cher Aus­ein­an­der­set­zun­gen waren, ist der jewei­li­ge Ein­zel­fall und die kon­kre­te Fas­sung der Stel­len­an­zei­ge maß­geb­lich 16.

Nach Auf­fas­sung der Kam­mer und ent­ge­gen der­je­ni­gen des Arbeits­ge­richts kann nicht unter­stellt wer­den, dass sich die For­mu­lie­rung "jun­ges, hoch­mo­ti­vier­tes Team" in der Stel­len­an­zei­ge der Beklag­ten einem all­tags­sprach­li­chen Ver­ständ­nis zufol­ge auf das Lebens­al­ter der Team­mit­glie­der bezieht 17. Die Bezeich­nung "jun­ges, hoch­mo­ti­vier­tes Team" ist viel­mehr gera­de nicht ein­deu­tig. Kei­nes der mög­li­chen Ver­ständ­nis­se ist über­wie­gend wahr­schein­lich; inso­fern fehlt auch eine über­wie­gen­de Wahr­schein­lich­keit dafür, dass die Benach­tei­li­gung der Stel­len­be­wer­be­rin wegen ihres Lebens­al­ters erfolgt ist.

?)) Der Begriff "Team" beschreibt eine "Grup­pe von Per­so­nen, die gemein­sam an einer Auf­ga­be arbei­ten" und stellt damit eine Orga­ni­sa­ti­ons­ein­heit dar (Duden). Inso­fern kann sich der Zusatz des Adjek­tivs "jung" auf den Zeit­punkt der Zusam­men­set­zung die­ser Ein­heit genau­so wie auf das Lebens­al­ter der Team­mit­glie­der bezie­hen.

Sowohl im Duden als auch im Digi­ta­len Wör­ter­buch der deut­schen Spra­che ist für "jung" die Bedeu­tung "in jugend­li­chem Alter" wie auch "noch nicht lan­ge bestehend" ver­zeich­net. Letz­te­res nennt einer­seits "ein jun­ges Geschöpf, Tier" und ande­rer­seits "jun­ge Fir­ma, Frei­heit, Nati­on" und "die jüngs­ten Bege­ben­hei­ten, Beschlüs­se" als Bei­spie­le. Die lexi­ko­gra­fi­sche Beschrei­bung im Duden ver­weist für "jung" zum einen auf "(Men­schen, Tie­re, Pflan­zen) noch kein hohes Lebens­al­ter habend; sich noch in der Ent­wick­lung oder gera­de am Ende der Ent­wick­lung befin­dend" und zugleich auf "noch nicht lan­ge, son­dern erst seit Kur­zem vor­han­den, bestehend" (Duden). Die Text­be­le­ge, die mit­tels einer Kor­pus­su­che bezüg­lich des Begriffs "jun­ges Team" gewon­nen wer­den kön­nen, bestä­ti­gen dies: Die Ver­bin­dung von "jung" und "Team" wird sowohl im Zusam­men­hang mit dem Grün­dungs­zeit­punkt einer Ein­heit als auch mit dem Lebens­al­ter der Team­mit­glie­der ver­wen­det. Im ers­ten Sin­ne zeigt dies z.B. der Aus­zug aus dem Beleg "Sie haben sich für die rich­ti­ge Fach­hoch­schu­le ent­schie­den, erklär­te er, denn die neue Hoch­schu­le ver­fü­ge über ein jun­ges Team von 13 Pro­fes­so­ren, eine aktu­el­le tech­ni­sche Aus­rüs­tung, eine moder­ne, umfang­rei­che Biblio­thek, und sie sei in vie­ler­lei Hin­sicht ein­ma­lig." Für das ande­re Ver­ständ­nis fin­det sich etwa "S. ist stolz auf sein jun­ges Team, des­sen Durch­schnitts­al­ter bei 28 Jah­ren liegt."

Das Ver­ständ­nis, wonach "jung" im vor­lie­gen­den Fall den Zeit­punkt der Zusam­men­set­zung des Teams beschreibt, ist ins­be­son­de­re mit Blick dar­auf nahe­lie­gend, dass es sich bei der Beklag­ten um ein zum Zeit­punkt der Stel­len­an­zei­ge erst etwa sechs Jah­re exis­tie­ren­des Unter­neh­men han­delt, wel­ches zudem auf einem erst in der jün­ge­ren Ver­gan­gen­heit ent­stan­de­nen Geschäfts­feld agiert 18. Auf bei­des legt die Beklag­te beson­de­ren Wert, denn sie bewirbt sich schon in der dem eigent­li­chen Stel­len­pro­fil vor­an­ge­stell­ten Ein­lei­tung vor­nehm­lich damit, dass sie auf einem neu ent­stan­den Geschäfts­feld mit täg­lich inno­va­ti­ven Ide­en und mit der Fle­xi­bi­li­tät und Geschwin­dig­keit eines jun­gen und schnell wach­sen­den Start-Up-Unter­neh­mens über­aus erfolg­reich tätig sei. Gegen­stand die­ser For­mu­lie­rung ist ohne Zwei­fel das Alter des Unter­neh­mens und des Geschäfts­fel­des. Die­se Selbst­dar­stel­lung ist zuläs­sig, denn der Arbeit­ge­ber kann sich los­ge­löst vom kon­kre­ten Stel­len­pro­fil selbst dar­stel­len und sei­ne Visio­nen und Zie­le beschrei­ben 19. Die­ser Aus­gangs­punkt prägt auch das Ver­ständ­nis des wei­te­ren Tex­tes, denn es wird beob­ach­tet, dass Infor­ma­tio­nen, die zu Beginn eines Tex­tes auf­ge­nom­men wer­den, das wei­te­re Text­ver­ständ­nis maß­geb­lich bestim­men 20, Prag­ma­tics of word order fle­xi­bi­li­ty, Phil­adel­phia: John Ben­ja­mins, S. 83, 84)).

?)) Die kon­kre­te text­li­che Fas­sung der Stel­len­an­zei­ge ändert an die­ser Beur­tei­lung nichts. Soweit in der Rubrik "Was Sie erwar­tet" mit­ge­teilt wird, dass ein "jun­ges hoch­mo­ti­vier­tes Team" auf den Bewer­ber oder die Bewer­be­rin war­tet, erhöht dies nicht die Wahr­schein­lich­keit, dass mit "jung" das Lebens­al­ter der Team­mit­glie­der asso­zi­iert wird. Zwar stellt die Beklag­te einen Zusam­men­hang mit der kon­kret aus­ge­schrie­be­nen Stel­le her, da Gegen­stand das zukünf­ti­ge Team des Bewer­bers oder der Bewer­be­rin ist. Auch könn­te die Ver­bin­dung mit dem Adjek­tiv "hoch­mo­ti­viert", also eine mensch­li­che Eigen­schaft, ein Anhalts­punkt für die Asso­zia­ti­on mit dem Lebens­al­ter sein. Aller­dings ist es an die­ser Stel­le genau­so wahr­schein­lich, dass ein seit kur­zem bestehen­des Team mit hoch­mo­ti­vier­ten Men­schen gemeint sein könn­te.

Auch die zwei­te Ver­wen­dung der For­mu­lie­rung, mit der Per­so­nen zur Bewer­bung auf­ge­for­dert wer­den, die "Teil eines hoch­in­no­va­ti­ven, anspruchs­vol­len und extrem zukunfts­fä­hi­gen Soft­ware­mark­tes und des jun­gen und hoch­mo­ti­vier­ten Teams wer­den wol­len" lässt auf kei­nen hin­rei­chen­den Bezug zum Lebens­al­ter der poten­ti­el­len Bewer­ber und Bewer­be­rin­nen schlie­ßen. Ein dahin­ge­hen­des Ver­ständ­nis wird jeden­falls durch die wei­te­ren Anfor­de­run­gen der Stel­len­be­schrei­bung rela­ti­viert, denn unter der Über­schrift "Was Sie mit­brin­gen soll­ten" wer­den die tat­säch­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für die Stel­le auf­ge­führt. Wenn danach ein Stu­di­um oder eine ver­gleich­ba­re Aus­bil­dung mit prak­ti­scher Erfah­rung, mehr­jäh­ri­ge Erfah­rung in der Soft­ware­ent­wick­lung, lang­jäh­ri­ge Erfah­rung im Umgang mit idea­ler­wei­se zwei Pro­gram­mier­spra­chen, prak­ti­sche Erfah­rung mit agi­len Metho­den der Soft­ware­ent­wick­lung im Team und sehr gute Eng­lisch- und Deutsch­kennt­nis­se erfor­der­lich sind, ver­langt die Beklag­te ein gan­zes Bün­del von Kennt­nis­sen und Erfah­run­gen, die über die eines blo­ßen Stu­di­en­ab­schlus­ses weit hin­aus gehen. Die­se Vor­aus­set­zun­gen kön­nen von sehr jun­gen Per­so­nen kaum, von nicht mehr ganz jun­gen gege­be­nen­falls und dar­über hin­aus gera­de von älte­ren Per­so­nen erfüllt wer­den. Hier­nach wird deut­lich, dass das Lebens­al­ter poten­ti­el­ler Bewer­ber oder Bewer­be­rin­nen kein Anknüp­fungs­punkt ist.

?)) Abge­se­hen davon ist es der Beklag­ten aber auch nicht ver­wehrt, die tat­säch­li­chen Gege­ben­hei­ten des Arbeits­um­fel­des zu beschrei­ben. Selbst wenn sich das Team also aus über­wie­gend jun­gen Men­schen zusam­men­set­zen soll­te, beinhal­tet die­se Aus­sa­ge nicht, dass älte­re Per­so­nen nicht erwünscht wären. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Stel­len­be­wer­be­rin ist hier­bei uner­heb­lich, dass damit – aus Sicht der Beklag­ten – posi­ti­ve Eigen­schaf­ten her­vor­ge­ho­ben wer­den, denn die Beschrei­bung muss ledig­lich wahr­heits­ge­mäß sein. Die Reak­ti­on auf die Vor­stel­lung, dass die Mit­ar­beit in einem Team jun­ger, hoch­mo­ti­vier­ter Men­schen in Rede steht, ist eine rein sub­jek­ti­ve und kann nach Auf­fas­sung der Kam­mer nicht soweit objek­ti­viert wer­den, dass von einer über­wie­gen­den Wahr­schein­lich­keit für eine abschre­cken­de Wir­kung aus­ge­gan­gen wer­den kann. Es mag sein, dass älte­re Men­schen eine der­ar­ti­ge Kon­kur­renz­si­tua­ti­on als belas­tend und abschre­ckend emp­fin­den. Es ist aber nicht min­der vor­stell­bar, dass eine Tätig­keit in einem sol­chen Umfeld gera­de einen Anreiz für älte­re Men­schen dar­stellt.

?)) Soweit die Stel­len­be­wer­be­rin die Aus­füh­run­gen der Beklag­ten zum Stand­ort K. auf ihrem Inter­net­auf­tritt als zusätz­li­ches Argu­ment einer Benach­tei­li­gung wegen des Alters berück­sich­tigt wis­sen will, führt dies nicht wei­ter. Für die Beset­zung einer kon­kre­ten Stel­le in H. sind all­ge­mei­ne Aus­füh­run­gen zur Attrak­ti­vi­tät von K., die zu dem Zeit­punkt, in dem die Stel­len­an­zei­ge geschal­tet wur­de, noch gar nicht exis­tier­ten, nicht von Belang.

Man­gels Benach­tei­li­gung wegen eines nach § 1 AGG ver­bo­te­nen Merk­mals schei­den auch Scha­dens­er­satz­an­sprü­che gemäß § 15 Abs. 1 AGG aus.

Lan­des­ar­beits­ge­richt Baden ‑Würt­tem­berg, Urteil vom 15. Janu­ar 2016 – 19 Sa 27/​15

  1. BAG, Urteil vom 14.11.2013 – 8 AZR 997/​12, Rn. 23[]
  2. BAG, Urteil vom 14.11.2013 – 8 AZR 997/​12, Rn. 25[]
  3. BAG, Urteil vom 18.09.2014 – 8 AZR 759/​13, Rn. 23[]
  4. vgl. BAG, Urteil vom 23.08.2012 – 8 AZR 285/​11, Rn.20[]
  5. BAG, Urteil vom 14.11.2013 – 8 AZR 997/​12, Rn. 30[][]
  6. BAG 24.01.2013 – 8 AZR 429/​11, Rn. 36[]
  7. BAG, Urteil vom 18.09.2014 – 8 AZR 753/​13, Rn. 21, juris; EuGH, Urteil vom 19.04.2012 – C‑415/​10 – [M.] Rn. 34 ff., juris; vgl. auch Art.19 Abs. 1 der Richt­li­nie 2006/​54/​EG des euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 05.07.2006 zur Ver­wirk­li­chung des Grund­sat­zes der Chan­cen­gleich­heit und Gleich­be­hand­lung von Män­nern und Frau­en in Arbeits- und Beschäf­ti­gungs­fra­gen[]
  8. EuGH, Urteil vom 25.04.2013 – C‑81/​12 – [Aso­cia­tia ACCEPT], Rn. 50, juris; BAG, Urteil vom 18.09.2014 – 8 AZR 753/​13 21[]
  9. BAG, Urteil vom 18.09.2014 – 8 AZR 753/​13, Rn. 21[][]
  10. BAG, Urteil vom 25.04.2013 – 8 AZR 287/​18, Rn. 38[]
  11. BAG, Urteil vom 18.09.2014 – 8 AZR 753/​13, Rn. 22[]
  12. RL 2006/​54/​EG, 30. Erwä­gungs­grund[]
  13. EuGH, Urteil vom 19.04.2012 – C‑415/​10 – [M.], Rn. 42, juris; BAG, Urteil vom 18.09.2014 – 8 AZR 753/​13, Rn. 23[]
  14. BAG, Urteil vom 19.08.2010 – 8 AZR 530/​09, Rn. 59[]
  15. BAG, Urteil vom 19.08.2010 – 8 AZR 530/​09, Rn. 58[]
  16. LAG Nürn­berg, Urteil vom 16.05.2012 – 2 Sa 574/​11, Rn. 32 ff., juris; LAG Mün­chen, Urteil vom 13.11.2012 – 7 Sa 105/​12, Rn. 84 ff., juris.; LAG Ber­lin-Bran­den­burg, Urteil vom 08.08.2013 – 26 Sa 1083/​13, Rn. 48, juris; a.A. LAG Ham­burg, Urteil vom 23.06.2010 – 5 Sa 14/​10, Rn. 60 das bei der Ver­wen­dung der For­mu­lie­rung "jun­ges Team" gene­rell einen Ver­stoß gegen §§ 7, 11 AGG annimmt; LAG Schles­wig-Hol­stein, Urteil vom 29.10.2013 – 1 Sa 142/​13, Rn. 48 ff.[]
  17. vgl. auch LAG Rhein­land-Pfalz, Urteil vom 10.02.2014 – 3 Sa 27/​13, Rn. 106, juris; LAG Ber­lin-Bran­den­burg, Urteil vom 08.08.2013 – 26 Sa 1083/​13, Rn. 49[]
  18. vgl. LAG Rhein­land-Pfalz, Urteil vom 10.02.2014 – 3 Sa 27/​13, Rn. 106[]
  19. vgl. LAG Mün­chen, Urteil vom 13.11.2012 – 7 Sa 105/​12, Rn. 86[]
  20. vgl. Gerns­ba­cher & Har­grea­ves (1992), The pri­vi­le­ge of pri­ma­cy: Expe­ri­men­tal data and cogni­ti­ve explana­ti­ons. In Doris L. Pay­ne ((Ed.[]