Pro­zess­kos­ten­hil­fe und Abfin­dungs­zah­lun­gen

Der Zufluss einer Sozi­al­ab­fin­dung nach Stel­lung eines Antrags auf Pro­zess­kos­ten­hil­fe stellt Ein­kom­men im Sin­ne von § 115 Abs. 1 ZPO dar und nicht Ver­mö­gen 1. Die Abfin­dungs­zah­lung ist in ent­spre­chen­der Anwen­dung von § 3 Abs. 3 Satz 2 der VO zu § 82 SGB XII in Ver­bin­dung mit Nr. 82.43 und Nr. 42.44 SHR zu § 82 SGB XII auf einen ange­mes­se­nen Zeit­raum auf­zu­tei­len. Die­ser beträgt in der Regel 12 Mona­te.

Pro­zess­kos­ten­hil­fe und Abfin­dungs­zah­lun­gen

Leis­tun­gen zur Siche­rung des Lebens­un­ter­halts nach dem SGB II sind zumin­dest dann Ein­kom­men im Sin­ne von § 115 Abs. 1 ZPO, wenn neben die (rei­nen) Arbeits­lo­sen­geld II-Leis­tun­gen wei­te­re Ent­gelt­zu­flüs­se tre­ten, die im Rah­men der Bedürf­tig­keits­prü­fung für den Arbeits­lo­sen­geld II-Leis­tungs­be­zug nicht zu berück­sich­ti­gen waren.

Eine Til­gung von Schuld­ver­pflich­tun­gen hat bei der Ein­kom­mens­be­rech­nung grund­sätz­lich außer Betracht zu blei­ben. Schuld­ver­pflich­tun­gen stel­len näm­lich einen Bedarf aus der Ver­gan­gen­heit dar und wer­den auf­grund des Gegen­wär­tig­keits­grund­sat­zes ("kei­ne Sozi­al­hil­fe für die Ver­gan­gen­heit") sozi­al­hil­fe­recht­lich im Rah­men der Bedürf­tig­keit nicht berück­sich­tigt. Im Pro­zess­kos­ten­hil­fe­recht kön­nen Schuld­ver­pflich­tun­gen allen­falls als beson­de­re Belas­tun­gen im Sin­ne von § 115 Abs 1 Satz 3 Nr. 4 ZPO Berück­sich­ti­gung fin­den, in der Regel jedoch nur wenn die Ver­bind­lich­kei­ten nicht erst wäh­rend des Pro­zes­ses oder in Anse­hung des Pro­zes­ses begrün­det wur­den.

Lan­des­ar­beits­ge­richt Baden-Würt­tem­berg, Beschluss vom 4. Janu­ar 2011 – 18 Ta 8/​10

  1. ent­ge­gen BAG 22.12.2003 – 2 AZB 23/​03[]