Unter­las­sung künf­ti­ger geschäfts­schä­di­gen­der Äuße­run­gen – und der Streit­wert

Der auf die Unter­las­sung von geschäfts­schä­di­gen­den Äuße­run­gen gerich­te­te Anspruch bewer­tet sich nach den damit ver­folg­ten wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen der Ver­fü­gungs­klä­ge­rin, die in der Regel nach § 48 Abs. 1 GKG i. V. m. § 3 ZPO zu bewer­ten sind. Im Fal­le der Vor­weg­nah­me der Haupt­sa­che ist bei einem einst­wei­li­gen Ver­fü­gungs­ver­fah­ren kein pro­zen­tua­ler Abschlag vor­zu­neh­men.

Unter­las­sung künf­ti­ger geschäfts­schä­di­gen­der Äuße­run­gen – und der Streit­wert

In dem hier vom Lan­des­ar­beits­ge­richt Nürn­berg ent­schie­de­nen Fall ver­folg­te die Ver­fü­gungs­klä­ge­rin mit ihrem Antrag auf Unter­las­sung künf­ti­ger geschäfts­schä­di­gen­der Äuße­run­gen das wirt­schaft­li­che Inter­es­se, hier­durch nicht bis­he­ri­ge Kun­den mit län­ger lau­fen­den Ver­trä­gen zu ver­lie­ren bzw. den Abschluss von Geschäf­ten mit poten­ti­el­len Neu­kun­den nicht zu gefähr­den. Inso­weit trägt der Unter­las­sungs­an­trag ver­mö­gens­recht­li­chen Cha­rak­ter und hat sich die Bewer­tung des Ver­fah­rens an dem ver­folg­ten wirt­schaft­li­chen Inter­es­se der Ver­fü­gungs­klä­ge­rin zu ori­en­tie­ren 1. Da der Ver­fü­gungs­be­klag­te davon abge­hal­ten wer­den soll, die bean­stan­de­ten Äuße­run­gen, die er nach dem Inhalt der vor­ge­leg­ten eides­statt­li­chen Ver­si­che­run­gen bereits gegen­über meh­re­ren bis­he­ri­gen Kun­den abge­ge­ben hat, künf­tig zu unter­las­sen, ist auf die wirt­schaft­li­che Bewer­tung der von der Ver­fü­gungs­klä­ge­rin erfolg­ten Scha­dens­ab­wehr abzu­stel­len. Hier­für bil­den die befürch­te­ten Umsatz­aus­fäl­le einen geeig­ne­ten Ansatz­punkt aber nicht, wie vom Erst­ge­richt befür­wor­tet, das letz­te Brut­to­mo­nats­ein­kom­men des Ver­fü­gungs­be­klag­ten. Ange­sichts der von der Ver­fü­gungs­klä­ge­rin behaup­te­ten vor­sätz­li­chen Vor­ge­hens­wei­se des Ver­fü­gungs­be­klag­ten spre­chen auch nicht Gesichts­punk­te der Haf­tungs­ein­schrän­kung des Arbeit­neh­mers für die Begren­zung des Streit­werts auf ein Brut­to­mo­nats­ein­kom­men.

Aus­ge­hend von einem Umsatz­aus­fall bei nur einem Neu­kun­den­ge­schäft in Höhe von über EUR 10.700, – ist das wirt­schaft­li­che Inter­es­se der Ver­fü­gungs­klä­ge­rin an der Scha­dens­ab­wehr mit dem bean­trag­ten Wert von EUR 10.000, – ange­mes­sen berück­sich­tigt. Ange­sichts der unge­wis­sen Zahl der gefähr­de­ten Kun­den­be­zie­hun­gen, ist hier nur eine gro­be Schät­zung des poten­ti­el­len wirt­schaft­li­chen Scha­dens möglich.Auch das allei­ne mit der Ruf­schä­di­gung ver­bun­de­ne imma­te­ri­el­le Inter­es­se der Ver­fü­gungs­klä­ge­rin wäre i.R.d. § 48 Abs. 2 und 3 GKG mit dem dop­pel­ten Hilfs­wert des § 23 Abs. 3 Satz 2 RVG ange­mes­sen zu bewer­ten.

Da in dem einst­wei­li­gen Ver­fü­gungs­ver­fah­ren die Haupt­sa­che vor­weg­ge­nom­men wor­den ist, ist ein pro­zen­tua­ler Abschlag nicht vor­zu­neh­men 2.

Lan­des­ar­beits­ge­richt Nürn­berg, Beschluss vom 16. Dezem­ber 2015 – – 4 Ta 154/​15

  1. vgl. Tschöpe/​Ziemann/​Altenburg, Streit­wert und Kos­ten im Arbeits­recht, Teil 1, A, Rdz. 496[]
  2. vgl. Tschö­pe u. a., a. a. O., Teil 1, A, Rdz. 361, 367; LAG Nürn­berg vom 12.09.2003 – 9 Ta 127/​03 – Tz. B.fG[]