Sor­ge­rechts­ent­zie­hung – und die rich­ter­li­che Sach­auf­klä­rung

An die tatrich­ter­li­che Sach­auf­klä­rung sind ins­be­son­de­re in Ver­fah­ren betref­fend die Ent­zie­hung der elter­li­chen Sor­ge gemäß § 1666 BGB beson­de­re Anfor­de­run­gen zu stel­len 1. Denn die ver­fas­sungs­recht­li­che Dimen­si­on von Art. 6 Abs. 2 und 3 GG beein­flusst auch das Ver­fah­rens­recht und sei­ne Hand­ha­bung im Kind­schafts­ver­fah­ren.

Sor­ge­rechts­ent­zie­hung – und die rich­ter­li­che Sach­auf­klä­rung

Das gericht­li­che Ver­fah­ren muss in sei­ner Aus­ge­stal­tung dem Gebot effek­ti­ven Grund­rechts­schut­zes ent­spre­chen, wes­halb ins­be­son­de­re die zur Ver­fü­gung ste­hen­den Auf­klä­rungs- und Prü­fungs­mög­lich­kei­ten aus­ge­schöpft wer­den müs­sen 2.

Das bedeu­tet nicht nur, dass die Ver­fah­rens­ge­stal­tung den Eltern­rech­ten Rech­nung tra­gen muss. Viel­mehr steht das Ver­fah­rens­recht auch unter dem Pri­mat des Kin­des­wohls, zu des­sen Schutz der Staat im Rah­men sei­nes Wäch­ter­am­tes gemäß Art. 6 Abs. 2 Satz 2 GG ver­pflich­tet ist.

Die Gerich­te müs­sen ihr Ver­fah­ren so gestal­ten, dass sie mög­lichst zuver­läs­sig die Grund­la­ge einer am Kin­des­wohl ori­en­tier­ten Ent­schei­dung erken­nen kön­nen 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 6. Juli 2016 – XII ZB 47/​15

  1. BGH, Beschlüs­se BGHZ 184, 269 = Fam­RZ 2010, 720 Rn. 29; und vom 26.10.2011 XII ZB 247/​11 Fam­RZ 2012, 99 Rn. 30 mwN[]
  2. BVerfG Fam­RZ 2009, 399, 400; Fam­RZ 2002, 1021, 1023[]
  3. BVerfG Fam­RZ 2009, 399, 400[]