Fest­be­trags­hör­ge­rä­te

Eine gesetz­li­che Kran­ken­kas­se darf Hör­ge­schä­dig­te nicht auf Ver­sor­gung mit unzu­rei­chen­den Fest­be­trags­hör­ge­rä­ten ver­wei­sen. Dies ent­schied jetzt das Bun­des­so­zi­al­ge­richt in Kas­sel. Vie­le hör­be­hin­der­te Men­schen wün­schen digi­ta­le Hör­ge­rä­te, die ana­lo­gen Hör­ge­rä­ten über­le­gen, aber meis­tens auch teu­rer sind. Unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen und in wel­cher Höhe die Kran­ken­kas­se die Kos­ten für ein digi­ta­les Hör­ge­rät zu tra­gen hat und ob sie ihre Leis­tungs­pflicht auf einen die Kos­ten der Ver­sor­gung unter Umstän­den nicht voll­stän­dig abde­cken­den Fest­be­trag begren­zen kann, ist damit nun­mehr höchst­rich­ter­lich abschlie­ßend geklärt.

Fest­be­trags­hör­ge­rä­te

Nach dem Urteil des Bun­des­so­zi­al­ge­richts hat die beklag­te Kran­ken­kas­se, die Secur­vi­ta BKK, für die medi­zi­nisch not­wen­di­ge Ver­sor­gung eines nahe­zu ertaub­ten Ver­si­cher­ten mit einem digi­ta­len Hör­ge­rät über den bereits über­nom­me­nen Teil­be­trag von 987,31 € hin­aus auch die rest­li­chen Kos­ten in Höhe von 3.073 € zu tra­gen hat. Zum Aus­gleich von Hör­be­hin­de­run­gen haben die Kran­ken­kas­sen für die Ver­sor­gung mit sol­chen Hör­ge­rä­ten auf­zu­kom­men, die nach dem Stand der Medi­zin­tech­nik die best­mög­li­che Anglei­chung an das Hör­ver­mö­gen Gesun­der erlau­ben und gegen­über ande­ren Hör­hil­fen erheb­li­che Ge­brauchsvorteile im All­tags­le­ben bie­ten. Dar­an müs­sen auch die Fest­be­trä­ge der Kran­ken­kas­sen aus­ge­rich­tet wer­den.

Dem­zu­fol­ge begrenzt der für ein Hilfs­mit­tel fest­ge­setz­te Fest­be­trag die Leis­tungs­pflicht der Kran­ken­kas­se dann nicht, wenn er für den Aus­gleich der kon­kret vor­lie­gen­den Behin­de­rung objek­tiv nicht aus­reicht. Das beur­teilt sich nach den Ver­sor­gungs­an­for­de­run­gen der jeweils betrof­fe­nen Grup­pe von Ver­si­cher­ten, hier der etwa 125.000 Per­so­nen mit einem Hör­ver­lust von nahe­zu 100%. Sie konn­ten zur Über­zeu­gung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts mit den für Baden-Würt­tem­berg im Jahr 2004 gel­ten­den Fest­be­trä­gen nicht aus­rei­chend ver­sorgt wer­den.

Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 17. Dezem­ber 2009 – B 3 KR 20/​08 R