Das Bun­des­kar­tell­amt vor den Sozi­al­ge­rich­ten

Für Kla­gen gegen die Aus­kunfts­be­schlüs­se des Bun­des­kar­tell­amts sind nach Mei­nung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts nicht wie sonst in Kar­tell­sa­chen die Ober­lan­des­ge­rich­te zustän­dig, son­dern viel­mehr die Sozi­al­ge­rich­te.

Das Bun­des­kar­tell­amt vor den Sozi­al­ge­rich­ten

Anlass für die Ent­schei­dun­gen des Bun­des­so­zi­al­ge­richts war eine Unter­su­chung des Bun­des­kar­tell­am­tes wegen der von eini­gen Kran­ken­kas­sen ver­lang­ten Zusatz­bei­trä­gen: Acht Kran­ken­kas­sen ist vom Bun­des­kar­tell­amt ein Fra­gen­ka­ta­log zur Beant­wor­tung vor­ge­legt wor­den, da sie seit Febru­ar 2010 Zusatz­bei­trä­ge ver­lan­gen und dies bereits im Janu­ar 2010 in einer Pres­se­kon­fe­renz in Ber­lin über das The­ma "Finanz­ent­wick­lung in der GKV ? Ein­stieg in den Zusatz­bei­trag" ver­lau­ten lie­ßen. So äußer­ten sie, das Zusatz­bei­trä­ge nach Exper­ten­mei­nung nun die Regel wür­den. Das Bun­des­kar­tell­amt sah in dem Ver­hal­ten den Anfangs­ver­dacht einer unzuläs­sigen Preis­ab­spra­che im Sin­ne des Geset­zes gegen Wettbewerbsbeschrän­kungen. Hier­ge­gen haben die betrof­fe­nen Kran­ken­kas­sen bei den Lan­des­so­zi­al­ge­rich­ten geklagt.

Die beklag­te Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, ver­tre­ten durch das Bun­des­kar­tell­amt, hat jeweils den Rechts­weg zu den Gerich­ten der Sozi­al­ge­richts­bar­keit als unzu­läs­sig gerügt. Wäh­rend das Hes­si­sche Lan­des­so­zi­al­ge­richt und das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nord­rhein-West­fa­len die Sozial­gerichtsbarkeit für zustän­dig ange­se­hen haben, hat das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Ham­burg die­sen Rechts­weg für unzu­läs­sig erklärt und den Streit an das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf ver­wie­sen. All die­se Beschlüs­se sind mit der Rechts­weg­be­schwer­de ange­foch­ten.

Da die Streitig­keiten die Reich­wei­te des Selbst­ver­wal­tungs­rechts der Kas­sen betref­fen – denn es geht um ihren Anspruch auf Unter­las­sung kom­pe­ten­z­wid­ri­ger Auf­sichts­maß­nah­men, wenn sie Zusatz­bei­trä­ge erhe­ben und dabei ihrer Pflicht nach­kom­men, mit ande­ren Kran­ken­kas­sen zu koope­rie­ren, ist dies jeweils ein öffent­lich-recht­li­cher Streit in Ange­le­gen­hei­ten der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung, der zwin­gend und aus­schließ­lich der Sozi­al­ge­richts­bar­keit zuge­ord­net ist. Nur im Rah­men des Selbstver­waltungsrechts der Klä­ge­rin­nen inter­es­siert das Kar­tell­recht.

So haben jetzt die Lan­des­so­zi­al­ge­rich­te dar­über zu ent­schei­den, ob die Aus­kunfts­be­schlüs­se des Bun­des­kar­tell­amts in der Sache mit Gesetz und Recht ver­ein­bar sind.

Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Beschluss vom 28. Sep­tem­ber 2010 – B 1 SF 1/​10 R, B 1 SF 2/​10 R und B 1 SF 3/​10 R