Mobi­li­täts­hil­fen für einen Refe­ren­dar

Ein Refe­ren­dar im öffent­lich-recht­li­chen Dienst­ver­hält­nis hat kei­nen Anspruch auf eine Ermes­sens­ent­schei­dung über sei­nen Antrag auf Mobi­li­täts­hil­fen. Die Vor­aus­set­zun­gen des § 16 Abs 1 S 2 SGB II iVm § 53 SGB III aF hier­für lie­gen nicht vor, weil die auf­ge­nom­me­ne Refe­rend­ar­tä­tig­keit nicht der Ver­si­che­rungs­pflicht unter­liegt.

Mobi­li­täts­hil­fen für einen Refe­ren­dar

Der Tat­be­stand des § 53 SGB III aF ist bei sei­ner Anwen­dung im Gel­tungs­be­reich des SGB II inso­weit nicht ein­zu­schrän­ken. Für die dar­in lie­gen­de Ungleich­be­hand­lung lie­gen hin­rei­chen­de sach­li­che Grün­de vor. Schließ­lich eröff­net auch die im strei­ti­gen Zeit­raum anwend­ba­re Gene­ral­klau­sel des § 16 Abs 2 Satz 1 SGB II aF einen Anspruch auf För­de­rungs­leis­tun­gen nicht. Bei der Anwen­dung der Gene­ral­klau­sel galt auch ohne aus­drück­li­che Rege­lung ein Umge­hungs­ver­bot. Die nach der­zei­ti­ger Rechts­la­ge für die Freie För­de­rung nach § 16f SGB II vor­ge­se­he­nen Aus­nah­men vom Auf­sto­ckungs- und Umge­hungs­ver­bot fan­den im strei­ti­gen Zeit­raum noch kei­ne Anwen­dung.

Die Vor­aus­set­zun­gen des § 16 Abs 1 S 2 SGB II1 iVm §§ 53, 54 SGB III sind nicht erfüllt. Es kann dahin­ste­hen, ob der Refe­ren­dar zum Zeit­punkt der Auf­nah­me der Refe­rend­ar­tä­tig­keit als Berech­tig­ter sämt­li­che Vor­aus­set­zun­gen des § 7 SGB II erfüll­te. Hin­sicht­lich die­ser Vor­aus­set­zun­gen kommt es auf die mate­ri­el­le Berech­ti­gung wäh­rend des gesam­ten frag­li­chen Leis­tungs­zeit­raums an, wäh­rend der Bewil­li­gung von Alg II kei­ne Tat­be­stands­wir­kung zukommt2. Der Refe­ren­dar erfüll­te jeden­falls nicht die zusätz­lich zu prü­fen­den Vor­aus­set­zun­gen des § 53 Abs 1 SGB III aF.

Nach § 16 Abs 1 S 2 SGB II kann die Agen­tur für Arbeit ua die im 1. bis 3. und 6. Abschnitt des Vier­ten Kapi­tels des SGB III gere­gel­ten Leis­tun­gen erbrin­gen. Ergän­zend hier­zu bestimmt § 16 Abs 1a SGB II (eben­falls in der ab 1.08.2006 gel­ten­den Fas­sung), dass – soweit das SGB II nichts Abwei­chen­des regelt – für die Leis­tun­gen nach Abs 1 die Vor­aus­set­zun­gen und Rechts­fol­gen des Drit­ten Buches mit Aus­nah­me der Anord­nungs­er­mäch­ti­gun­gen für die Bun­des­agen­tur und mit der Maß­ga­be, dass an die Stel­le des Arbeits­lo­sen­gel­des das Arbeits­lo­sen­geld II tritt, gel­ten.

Bei der vom Refe­ren­dar zum 1.02.2007 auf­ge­nom­me­nen Refe­rend­ar­tä­tig­keit, die sich in einem Beam­ten­ver­hält­nis auf Wider­ruf voll­zog, han­delt es sich nicht um eine Beschäf­ti­gung, die zur Inan­spruch­nah­me von Mobi­li­täts­hil­fen berech­tigt. Nach § 53 Abs 1 SGB III3 kön­nen Arbeits­lo­se und von Arbeits­lo­sig­keit bedroh­te Arbeit­su­chen­de, die eine ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Beschäf­ti­gung auf­neh­men, durch Mobi­li­täts­hil­fen geför­dert wer­den, soweit dies zur Auf­nah­me der Beschäf­ti­gung not­wen­dig ist. Der Refe­ren­dar erfüll­te die genann­ten Vor­aus­set­zun­gen der Auf­nah­me einer ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Beschäf­ti­gung nicht, da die Tätig­keit als Beam­ter auf Wider­ruf nach § 27 Abs 1 Nr 1 SGB III ver­si­che­rungs­frei war. Zu den nach die­ser Vor­schrift ver­si­che­rungs­frei­en Per­so­nen gehö­ren auch Beam­te auf Pro­be oder Wider­ruf4.

Die hier frag­li­che Vor­aus­set­zung des § 53 Abs 1 SGB III aF gilt auch nicht dadurch als erfüllt, dass im Anschluss an die Refe­rend­ar­tä­tig­keit mit Rück­sicht auf das Lebens­al­ter des Refe­ren­dars eine ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Ange­stell­ten­tä­tig­keit als Leh­rer im Raum stand. Mit der genann­ten Rege­lung soll in ers­ter Linie erreicht wer­den, dass die unmit­tel­ba­re Arbeits­auf­nah­me nicht an feh­len­den Mit­teln schei­tert. Inso­fern dient § 53 Abs 1 SGB III aF dem Zweck, dem von der Rege­lung erfass­ten Per­so­nen­kreis einen Anreiz zur unmit­tel­ba­ren Beschäf­ti­gungs­auf­nah­me zu geben5. Die Anfor­de­rung bezieht sich nach dem Wort­laut der Rege­lung auf die auf­ge­nom­me­ne Beschäf­ti­gung. Eine mit der ver­si­che­rungs­frei­en Beschäf­ti­gung mög­li­cher­wei­se im Zusam­men­hang ste­hen­de spä­te­re Beschäf­ti­gungs­auf­nah­me muss des­halb schon auf­grund des zeit­li­chen Aus­ein­an­der­fal­lens zwi­schen geför­der­ter Tätig­keit und ver­si­che­rungs­pflich­ti­ger Beschäf­ti­gung unbe­rück­sich­tigt blei­ben.

Ein Abwei­chen von den Vor­aus­set­zun­gen des § 53 Abs 1 SGB III aF recht­fer­tigt sich auch nicht aus den Beson­der­hei­ten des Leis­tungs­sys­tems des SGB II. § 16 Abs 1 S 2 und Abs 1a SGB II stel­len grund­sätz­lich klar, dass der Grund­si­che­rungs­trä­ger die Leis­tun­gen, die im Kata­log des § 16 Abs 1 S 2 SGB II auf­ge­führt sind, nur dann erbrin­gen kann, wenn die im SGB III auf­ge­führ­ten Vor­aus­set­zun­gen der jewei­li­gen Leis­tun­gen erfüllt sind. Es han­delt sich inso­weit um eine Rechts­grund­ver­wei­sung auf die jeweils ein­schlä­gi­gen Rege­lun­gen des SGB III6. Die leis­tungs­recht­li­chen Vor­schrif­ten des SGB III sin­dim Sin­ne einer dyna­mi­schen Ver­wei­sung in ihrer jeweils gel­ten­den Fas­sung auch für Leis­tungs­be­rech­tig­te nach dem SGB II her­an­zu­zie­hen. Gleich­zei­tig wird aus dem Rege­lungs­zu­sam­men­hang auch deut­lich, dass die Beson­der­hei­ten des Leis­tungs­sys­tems des SGB II zu beach­ten sind. Als Bei­spiel hier­für hat das Bun­des­so­zi­al­ge­richt das Ent­fal­len von Ver­füg­bar­keit und/​oder Arbeits­lo­sig­keit als Anspruchs­vor­aus­set­zun­gen für in das SGB II trans­for­mier­te För­der­leis­tun­gen nach dem SGB III benannt7. Hier­bei ist das Bun­des­so­zi­al­ge­richt – in Über­ein­stim­mung mit der herr­schen­den Auf­fas­sung in der Lite­ra­tur8 – davon aus­ge­gan­gen, dass bestimm­te Anspruchs­vor­aus­set­zun­gen, die allein für das Leis­tungs­sys­tem des SGB III kenn­zeich­nend sind, bei der Prü­fung der Vor­aus­set­zun­gen für die Gewäh­rung von SGB II-Ein­glie­de­rungs­leis­tun­gen außer Betracht blei­ben.

Gleich­wohl greift der Ein­wand der Revi­si­on, die im SGB III ent­hal­te­nen bei­trags­be­zo­ge­nen Leis­tungs­vor­aus­set­zun­gen müss­ten bei der Leis­tungs­ge­wäh­rung nach dem SGB II unbe­rück­sich­tigt blei­ben, im Ergeb­nis nicht durch. Inso­weit ist klar­stel­lend dar­auf hin­zu­wei­sen, dass es sich bei der hier zu erör­tern­den Anfor­de­rung, es müs­se eine ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Beschäf­ti­gung auf­ge­nom­men wer­den, nicht um das Erfor­der­nis einer der För­de­rung vor­ge­la­ger­ten Vor­ver­si­che­rungs­zeit im Sin­ne der Zuge­hö­rig­keit zum för­de­rungs­fä­hi­gen Per­so­nen­kreis, son­dern um eine in die Zukunft gerich­te­te Anfor­de­rung han­delt. Die­se Vor­aus­set­zung recht­fer­tig­te sich in ers­ter Linie dar­aus, dass mit der Auf­nah­me der Beschäf­ti­gung eine mög­lichst nach­hal­ti­ge Ein­glie­de­rung erreicht wer­den soll­te. Hin­ge­gen stand der Ver­si­che­rungs­ge­dan­ke jeden­falls nicht im Mit­tel­punkt der der Rege­lung zugrun­de lie­gen­den Über­le­gun­gen des Gesetz­ge­bers.

Die nach § 53 SGB III aF gel­ten­de Anfor­de­rung der Auf­nah­me einer ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Beschäf­ti­gung kann nicht auf der Grund­la­ge einer Aus­le­gung des ein­fa­chen Rechts bereits nach Sinn und Zweck der Ein­glie­de­rungs­leis­tun­gen nach dem SGB II als sys­tem­wid­rig und des­halb unbe­acht­lich ange­se­hen wer­den. Die Leis­tungs­ge­wäh­rung erfor­dert auch unter Berück­sich­ti­gung der ggfs zu modi­fi­zie­ren­den Rechts­grund­ver­wei­sung des § 16 Abs 1 S 2 SGB II, dass ein ver­si­che­rungs­pflich­ti­ges Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis ange­strebt wird9. Auch im Leis­tungs­sys­tem des SGB II kann für die Beschrän­kung der För­de­rung auf die Auf­nah­me einer ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Beschäf­ti­gung ange­führt wer­den, dass hier­mit sicher­ge­stellt wird, dass durch die geför­der­te Beschäf­ti­gung ggfs Ansprü­che auf Ver­si­che­rungs­leis­tun­gen der Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung erwor­ben wer­den kön­nen, die bei einem spä­te­ren Ver­lust des Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­ses einer erneu­ten Inan­spruch­nah­me von steu­er­fi­nan­zier­ten Leis­tun­gen der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de ent­ge­gen­ste­hen. Ob die Begren­zung der För­der­fä­hig­keit auf ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Beschäf­ti­gun­gen ange­sichts der par­al­le­len Rege­lung in § 45 SGB III aF zur Unter­stüt­zung der Bera­tung und Ver­mitt­lung, die einen ver­gleich­ba­ren Bezug zur Ver­si­che­rungs­pflicht der ange­streb­ten Beschäf­ti­gung nicht ent­hielt10, auch sozi­al­po­li­tisch in vol­lem Umfang über­zeugt, kann dahin­ste­hen. Hier­aus allein kann die Not­wen­dig­keit einer restrik­ti­ven Aus­le­gung der in Fra­ge ste­hen­den Rege­lun­gen nicht her­ge­lei­tet wer­den. Denn selbst wenn dies der Fall wäre, könn­te allein dies nicht zur "Kor­rek­tur" des Gesetz­ge­bers durch die Gerich­te füh­ren.

Schließ­lich ist aus der unter­schied­li­chen Behand­lung von Per­so­nen, die eine ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Beschäf­ti­gung auf­neh­men, sowie von Per­so­nen, die ein ver­si­che­rungs­frei­es Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis ein­ge­hen, ein Ver­stoß gegen den Gleich­heits­satz des Art 3 Abs 1 GG nicht her­zu­lei­ten. Die auf die dar­ge­leg­ten Sach­grün­de gestütz­te Rege­lung über Mobi­li­täts­hil­fen ver­stößt nicht gegen den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz (Art 3 Abs 1 GG). Art 3 Abs 1 GG gebie­tet, alle Men­schen vor dem Gesetz gleich zu behan­deln. Damit ist dem Gesetz­ge­ber aller­dings nicht jede Dif­fe­ren­zie­rung ver­wehrt. Er ver­letzt aber das Grund­recht, wenn er eine Grup­pe von Normadres­sa­ten anders als eine ande­re behan­delt, obwohl zwi­schen bei­den Grup­pen kei­ne Unter­schie­de von sol­cher Art und von sol­chem Gewicht bestehen, dass sie die unglei­che Behand­lung recht­fer­ti­gen11. Ist ein gesetz­li­ches Rege­lungs­kon­zept – wie das, wel­ches § 53 Abs 1 SGB III aF zugrun­de liegt – ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den, so genü­gen hin­rei­chen­de sach­li­che Grün­de, um eine unter­schied­li­che Behand­lung Betrof­fe­ner zu recht­fer­ti­gen.

Hin­rei­chen­de Sach­grün­de lie­gen der Begren­zung auf ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­se schon des­halb zugrun­de, weil durch den Erwerb von Ver­si­che­rungs­an­sprü­chen bei einem spä­te­ren Ein­tritt von Arbeits­lo­sig­keit eine Inan­spruch­nah­me von Leis­tun­gen der Grund­si­che­rung ver­mie­den wer­den kann. Eine Gleich­be­hand­lung bei­der Per­so­nen­grup­pen im Rah­men des För­de­rungs­rechts des SGB II wür­de zudem Ver­wer­fun­gen im Ver­hält­nis zum Leis­tungs­recht des SGB III bewir­ken, da es für Leis­tungs­be­rech­tig­te im Rechts­kreis des SGB III bei der ein­schrän­ken­den Vor­aus­set­zung, es müs­se eine ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Beschäf­ti­gung auf­ge­nom­men wer­den, ver­blie­be. Die dadurch bewirk­te Ungleich­be­hand­lung von SGB III-Berech­tig­ten und SGB II-Berech­tig­ten im Sin­ne einer Begüns­ti­gung des zuletzt genann­ten Per­so­nen­krei­ses wäre ihrer­seits nicht zu recht­fer­ti­gen.

Es kann mit Rück­sicht auf die gesetz­ge­be­ri­sche Kon­zep­ti­on offen­blei­ben, ob – wovon das LSG aus­ge­gan­gen ist – auch die ggfs aus einem Beam­ten­ver­hält­nis erwach­sen­den Ansprü­che bei Begrün­dung eines Dienst­ver­hält­nis­ses als Begrün­dung für die Ungleich­be­hand­lung von pri­va­ten und öffent­lich-recht­li­chen Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­sen bereits auf der Ebe­ne der Anspruchs­vor­aus­set­zun­gen des § 16 Abs 1 S 2 SGB II iVm § 53 SGB III aF her­an­ge­zo­gen wer­den kann. Dies erscheint aller­dings mit Rück­sicht dar­auf zwei­fel­haft, dass die Argu­men­ta­ti­on des LSG ande­re ver­si­che­rungs­freie Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­se nicht erfasst.

Vor­lie­gend brauch­te auch nicht aus­drück­lich geprüft zu wer­den, ob dem Begeh­ren des Refe­ren­dars im Rah­men der Öff­nungs­klau­sel des § 16 Abs 2 S 1 SGB II12 Rech­nung getra­gen wer­den kann. Nach die­ser Vor­schrift konn­ten über die in Abs 1 der Vor­schrift genann­ten Leis­tun­gen hin­aus wei­te­re Leis­tun­gen erbracht wer­den, die für die Ein­glie­de­rung der erwerbs­fä­hi­gen Hil­fe­be­dürf­ti­gen in das Erwerbs­le­ben erfor­der­lich sind; hier­bei durf­ten die wei­te­ren Leis­tun­gen die Leis­tun­gen nach Abs 1 nicht auf­sto­cken.

Das BSG hat­te § 16 Abs 2 S 1 SGB II aF als Gene­ral­klau­sel für ergän­zen­de Ein­glie­de­rungs­leis­tun­gen aller Art inter­pre­tiert, für die die nicht abschlie­ßend in S 2 der Vor­schrift auf­ge­führ­ten Ein­zel­leis­tun­gen die Rol­le von Haupt­bei­spie­len über­nah­men13. Mit der Ergän­zung des S 1 durch das Fort­ent­wick­lungs­ge­setz wur­de klar­ge­stellt, dass für die ergän­zen­den Leis­tun­gen das Auf­sto­ckungs­ge­bot Anwen­dung fin­det. Nicht zwei­fel­haft konn­te dar­über hin­aus sein, dass auch ohne aus­drück­li­che Rege­lung das jetzt in der Nach­fol­ge­re­ge­lung (§ 16f – Freie För­de­rung) aus­drück­lich auf­ge­nom­me­ne Umge­hungs­ver­bot auf­grund der Struk­tur der Abs 1 und 2 Anwen­dung fin­den muss­te, weil ansons­ten der abge­schlos­se­ne Leis­tungs­ka­ta­log des § 16 Abs 1 SGB II weit­ge­hend sinn­ent­leert gewe­sen wäre14. Es konn­ten des­halb Leis­tun­gen in Berei­chen, die der Gesetz­ge­ber nach Vor­aus­set­zun­gen sowie Art und Umfang aus­ge­formt hat­te, nicht durch gleich­ge­rich­te­te För­de­rungs­leis­tun­gen mit ent­spre­chen­den Modi­fi­ka­tio­nen ergänzt wer­den15. Grund­ent­schei­dun­gen des Gesetz­ge­bers zu arbeits­markt­recht­li­chen Instru­men­ten dür­fen durch die Öff­nungs­klau­sel nicht unter­lau­fen wer­den. Eine Kor­rek­tur der in § 53 SGB III aF aus­drück­lich auf­ge­führ­ten Anspruchs­vor­aus­set­zun­gen kommt über die Gene­ral­klau­sel des­halb nicht in Betracht.

Kei­ne Anwen­dung fin­det schließ­lich für den strei­ti­gen Zeit­raum die nun­mehr für die Freie För­de­rung in § 16f Abs 2 S 4 SGB II getrof­fe­ne Rege­lung, wonach für bestimm­te Pro­blem­grup­pen des Arbeits­mark­tes vom Umge­hungs- und Auf­sto­ckungs­ver­bot abge­se­hen wer­den kann, weil die­se Rege­lung erst zum 1.01.2009 in Kraft getre­ten ist. Eine Rück­wir­kung die­ser Aus­nah­me vom Umge­hungs- und Auf­sto­ckungs­ver­bot hat der Gesetz­ge­ber nicht ange­ord­net, sodass der Refe­ren­dar auch hier­aus einen Anspruch nicht her­lei­ten kann.

Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 12. Dezem­ber 2013 – B 4 AS 7/​13 R

  1. in der hier maß­ge­ben­den Fas­sung des Geset­zes zur Fort­ent­wick­lung der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de vom 20.07.2006, BGBl I 1706 []
  2. Eicher/​Stölting in Eicher, SGB II, 3. Aufl 2013, § 16 RdNr 34; Voelz­ke in Hauck/​Noftz, SGB II, K § 16 RdNr 54, Stand XII/​12 []
  3. idF durch das Ers­te Gesetz für moder­ne Dienst­leis­tun­gen am Arbeits­markt vom 23.12.2002, BGBl I 4607 []
  4. Tim­me in Hauck/​Noftz, SGB III, K § 27 RdNr 8, Stand V/​12 []
  5. BSG SozR 4 – 4300 § 53 Nr 2 RdNr 14 und SozR 4 – 4300 § 53 Nr 3 RdNr 15 []
  6. BSGE 108, 80, SozR 4 – 4200 § 16 Nr 6, RdNr 18 mwN []
  7. BSG aaO []
  8. s etwa Eicher in Eicher/​Spellbrink, SGB II, 2. Aufl 2008, § 16 RdNr 56 f; Kothe in Gagel, SGB II/​SGB III, § 16 SGB II RdNr 15, Stand 7/​2009; Voelz­ke in Hauck/​Noftz, SGB II, K § 16 RdNr 67, 422, Stand VI/​2009 []
  9. vgl zum aktu­el­len Recht Voelz­ke in Hauck/​Noftz, SGB II, K § 16 RdNr 107, Stand XII/​12 []
  10. vgl zu den Grün­den BSG Urteil vom 12.05.2011 – B 11 AL 25/​10 R, SozR 4 – 4300 § 45 Nr 3 []
  11. stRspr, vgl zB: BVerfGE 112, 50, 67, SozR 4 – 3800 § 1 Nr 7 RdNr 55 mwN; BVerfGE 117, 316, 325, SozR 4 – 2500 § 27a Nr 11 RdNr 31; BSG SozR 4 – 2500 § 27a Nr 7 RdNr 12 []
  12. idF des Geset­zes zur Fort­ent­wick­lung der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de vom 20.07.2006, BGBl I 1706 []
  13. BSG SozR 4 – 4200 § 16 Nr 1 RdNr 18 []
  14. vgl nur Eicher in Eicher/​Spellbrink, 2. Aufl 2008, § 16 RdNr 177 []
  15. vgl zum Inhalt des Umge­hungs­ver­bo­tes nach der­zei­ti­gem Recht Stöl­ting in Eicher, SGB II, 3. Aufl 2013, § 16f RdNr 16 ff; Thie in LPK-SGB II, 5. Aufl 2013, § 16f RdNr 3 f; Voelz­ke in Hauck/​Noftz, SGB II, K § 16f RdNr 37 ff, Stand V/​12 []