Schul­geld für Pri­vat­schu­le ist kein Ein­kom­men

Das von einem Vater für sei­ne Kin­der gezahl­te Schul­geld zum Besuch einer Pri­vat­schu­le ist beim Bezug von Hartz-IV-Leis­tun­gen nicht als Ein­kom­men zu berück­sich­ti­gen. So lau­tet ein zwi­schen­zeit­lich rechts­kräf­ti­ges Urteil des Sozi­al­ge­richts Spey­er.

Schul­geld für Pri­vat­schu­le ist kein Ein­kom­men

Für den Zeit­raum von 1. Juli bis 31. Dezem­ber 2007 bewil­lig­te die Beklag­te der Klä­ge­rin, einer allein­er­zie­hen­den Mut­ter, und ihren zwei Söh­nen zunächst monat­li­che Leis­tun­gen in Höhe von 329,08 EUR. Die bei­den Söh­ne besu­chen seit August bzw. Sep­tem­ber 2007 Pri­vat­schu­len. Nach­dem die Beklag­te Kennt­nis davon erlangt hat­te, dass das zu zah­len­de Schul­geld der frü­he­re Ehe­mann der Klä­ge­rin und Vater der gemein­sa­men Söh­ne unmit­tel­bar an die Schul­ver­wal­tung über­weist, hob sie ihre ursprüng­li­che Leis­tungs­be­wil­li­gung ab dem 1. Okto­ber 2007 auf. Spä­ter kor­ri­gier­te sie die­se Ent­schei­dung und gewähr­te der Klä­ge­rin und den zwei Söh­ne für den Zeit­raum von August bis Dezem­ber 2007 monat­lich noch einen Betrag von 3,79 EUR. Gegen die­se Leis­tungs­kür­zung erhob die Klä­ge­rin Wider­spruch, zu des­sen Begrün­dung sie aus­führ­te, dass bei­de Kin­der Pro­blem­kin­der sei­en, wes­halb der Besuch von Pri­vat­schu­len zwin­gend erfor­der­lich sei. Die Schul­geld­zah­lun­gen sei­en zweck­ge­bun­den, wür­den frei­wil­lig erbracht und stün­den zum Bestrei­ten des Lebens­un­ter­halts nicht zur Ver­fü­gung. Die Beklag­te wies den Wider­spruch aller­dings zurück, weil der Bedarf der Söh­ne unter ande­rem durch die Schul­geld­zah­lun­gen des Vaters gedeckt sei. Das Schul­geld sei als Ein­kom­men anzu­se­hen.

Die­se Auf­fas­sung teil­ten die Speye­rer Sozi­al­rich­ter nicht. Wenn schon vom Schü­ler-BAföG zu zah­len­des Schul­geld bei den Hartz-IV-Leis­tun­gen nicht als Ein­kom­men ange­rech­net wer­den darf, so muss dies erst Recht in den Fäl­len gel­ten, in denen die finan­zi­el­le Unter­stüt­zung durch einen Drit­ten den Leis­tungs­emp­fän­gern über­haupt nicht zufließt und die frei­wil­lig gezahl­ten Auf­wen­dun­gen ganz offen­sicht­lich zweck­ge­bun­den mit dem Besuch der Schu­le ver­knüpft sind. Die Klä­ge­rin hat durch die Vor­la­ge von Kon­to­aus­zü­gen nach­ge­wie­sen, dass das Schul­geld direkt vom Kon­to ihres geschie­de­nen Ehe­man­nes an die Pri­vat­schu­len über­wie­sen wird. Wie sie und ihre Söh­ne die­ses Geld dann für Lebens­un­ter­halt hät­ten ver­wen­den sol­len, hat die Beklag­te hin­ge­gen nicht dar­le­gen kön­nen, was im Übri­gen auch weder theo­re­tisch noch prak­tisch vor­stell­bar ist. Außer­dem ist, so die Rich­ter wei­ter, gesetz­lich gere­gelt, dass Zuwen­dun­gen Drit­ter, die einem ande­ren Zweck als die Hartz-IV-Leis­tun­gen dien­ten, dann nicht als Ein­kom­men zu berück­sich­ti­gen sind, soweit sie die Lage des Emp­fän­gers nicht so güns­tig beein­flus­sen, dass dane­ben Leis­tun­gen nicht gerecht­fer­tigt sind. Hier­von war vor­lie­gend aber aus­zu­ge­hen, weil die Klä­ge­rin über die Zuwen­dun­gen ihres geschie­de­nen Ehe­man­nes weder ver­fü­gen konn­te noch dar­auf Zugriff hat­te.

Sozi­al­ge­richt Spey­er, Urteil vom 15. August 2008 – S 14 AS 179/​08