Ster­be­geld­an­spruch einer pfle­gen­den Per­son

Sind beim Tod eines nach dem Bun­des­ver­sor­gungs­ge­setz Berech­tig­ten kei­ne Ange­hö­ri­gen vor­han­den, so kann das Ster­be­geld auch an ande­re Per­so­nen, wie etwa die Pfle­ge­per­son, gezahlt wer­den, § 37 Abs. 3 BVG. Dabei steht der Behör­de ledig­lich ein Ermes­sen zu, ob sie das Ster­be­geld zahlt. Die Höhe die­ser Leis­tung steht dage­gen nicht im Ermes­sen der Ver­wal­tung, son­dern rich­tet sich auch für den von § 37 Abs 3 BVG erfass­ten Per­so­nen­kreis nach Abs 1 die­ser Vor­schrift.

Ster­be­geld­an­spruch einer pfle­gen­den Per­son

Der Anspruch auf Ster­be­geld nach dem Bun­des­ver­sor­gungs­ge­setz rich­tet sich nach § 37 BVG [1]. Die­ser lau­tet:

(1) Beim Tode eines Beschä­dig­ten ist ein Ster­be­geld in Höhe des drei­fa­chen der Ver­sor­gungs­be­zü­ge zu zah­len, die ihm für den Ster­be­mo­nat nach den §§ 30 bis 33, 34 und 35 zustan­den, Pfle­ge­zu­la­ge jedoch höchs­tens nach Stu­fe II. Min­de­run­gen der nach Satz 1 maß­ge­ben­den Bezü­ge, die durch Son­der­leis­tun­gen iS des § 60a Abs 4 bedingt sind, sowie Erhö­hun­gen die­ser Bezü­ge, die auf Ein­kom­mens­min­de­run­gen infol­ge des Todes beru­hen, blei­ben unbe­rück­sich­tigt.

(2) Anspruchs­be­rech­tigt sind in nach­ste­hen­der Rang­fol­ge der Ehe­gat­te, der Lebens­part­ner, die Kin­der, die Eltern, die Stief­eltern, die Pfle­ge­el­tern, die Enkel, die Groß­el­tern, die Geschwis­ter und die Geschwis­ter­kin­der, wenn sie mit dem Ver­stor­be­nen zur Zeit des Todes in häus­li­cher Gemein­schaft gelebt haben. Hat der Ver­stor­be­ne mit kei­ner die­ser Per­so­nen in häus­li­cher Gemein­schaft gelebt, so ist das Ster­be­geld in vor­ste­hen­der Rang­fol­ge dem zu zah­len, den der Ver­stor­be­ne unter­hal­ten hat.

(3) Sind Anspruchs­be­rech­tig­te im Sin­ne des Abs 2 nicht vor­han­den, kann das Ster­be­geld dem gezahlt wer­den, der die Kos­ten der letz­ten Krank­heit oder der Bestat­tung getra­gen oder den Ver­stor­be­nen bis zu sei­nem Tode gepflegt hat.

Dem Wort­laut des § 37 Abs 3 BVG („kann“) ist zu ent­neh­men, dass die­se Rege­lung eine Ermes­sens­ent­schei­dung der zustän­di­gen Ver­wal­tungs­be­hör­de vor­sieht (vgl dazu Vogl in Knick­rehm, Gesam­tes Sozia­les Ent­schä­di­gungs­recht, 1. Aufl 2012, § 37 BVG RdNr 12). Eine sol­che Ent­schei­dung kommt nur dann in Betracht, wenn Anspruchs­be­rech­tig­te iS des § 37 Abs 2 BVG nicht vor­han­den sind. In die­sem Fall kann das Ster­be­geld auch an eine ande­re Per­son (oder meh­re­re) gezahlt wer­den, die (alter­na­tiv) eine der auf­ge­führ­ten Vor­aus­set­zun­gen erfüllt: Tra­gung der Kos­ten der letz­ten Krank­heit, Tra­gung der Kos­ten der Bestat­tung oder Pfle­ge des Ver­stor­be­nen bis zu sei­nem Tode.

Dabei hat der Gesetz­ge­ber der Ver­wal­tung im Rah­men des § 37 Abs 3 BVG kein Ermes­sen zur Bestim­mung der Höhe des Ster­be­gel­des ein­ge­räumt. Viel­mehr ergibt sich die­se Höhe – abge­se­hen von der Auf­tei­lung an meh­re­re gleich­ran­gig Berech­tig­te [2] – zwin­gend aus § 37 Abs 1 BVG. Für die­se Aus­le­gung sind fol­gen­de Erwä­gun­gen maß­ge­bend:

Bereits die Ver­wen­dung des bestimm­ten Arti­kels („das“) vor dem Wort „Ster­be­geld“ in § 37 Abs 3 BVG (ähn­lich auch in § 37 Abs 2 S 2 BVG) deu­tet dar­auf­hin, dass es der Höhe nach nur ein ein­heit­li­ches Ster­be­geld gibt, das unter­schied­li­chen Per­so­nen zukom­men soll. Eben­so spricht die For­mu­lie­rung „dem gezahlt …, der“ dafür, dass § 37 Abs 3 BVG – eben­so wie § 37 Abs 2 BVG – ledig­lich die Bestim­mung des begüns­tig­ten Per­so­nen­krei­ses betrifft. Anders ver­hiel­te es sich, wenn der Gesetz­ge­ber etwa Wör­ter wie „soweit“ oder „inso­weit … als“ ver­wen­det hät­te.

Ein Blick auf die Geset­zes­ent­wick­lung bestä­tigt die­se Inter­pre­ta­ti­on. § 37 BVG in der ursprüng­li­chen Fas­sung vom 20.12.1950 (BGBl I 791) bestimm­te unter der Über­schrift „Bezü­ge im Ster­be­vier­tel­jahr“:

(1) Stirbt ein Ren­ten­emp­fän­ger, so wer­den für die auf den Ster­be­mo­nat fol­gen­den drei Mona­te noch die Beträ­ge gezahlt, die dem Ver­stor­be­nen nach den §§ 31 bis 35 zu zah­len gewe­sen wären, Pfle­ge­zu­la­ge jedoch nur bis zur Höhe von 75 Deut­schen Mark monat­lich.

(2) Bezugs­be­rech­tigt sind nach­ein­an­der der Ehe­gat­te, die Kin­der (§ 32 Abs 4), der Vater, die Mut­ter, die Stief­eltern, die Pfle­ge­el­tern, der Groß­va­ter, die Groß­mutter, die Geschwis­ter und Geschwis­ter­kin­der, wenn sie mit dem Ver­stor­be­nen zur Zeit des Todes in häus­li­cher Gemein­schaft gelebt haben.

(3) Hat der Ver­stor­be­ne mit kei­ner der in Abs 2 bezeich­ne­ten Per­so­nen in häus­li­cher Gemein­schaft gelebt, so bestimmt die zustän­di­ge Ver­wal­tungs­be­hör­de, ob und an wen die Bezü­ge für das Ster­be­vier­tel­jahr zu zah­len sind.

Die­se Rege­lung knüpf­te an den weit­ge­hend gleich­lau­ten­den § 35 RVG vom 12.5.1920 [3] an. In der Begrün­dung zum Gesetz­ent­wurf eines BVG heißt es dazu, es han­de­le sich um Zah­lun­gen, die im Ver­sor­gungs­recht all­ge­mein üblich sei­en, im Beam­ten­recht unter der Bezeich­nung Ster­be­geld [4]. Nach dem Wort­laut des § 37 Abs 3 BVG dama­li­ger Fas­sung beschränk­te sich die Befug­nis der Ver­wal­tungs­be­hör­de aus­schließ­lich dar­auf zu bestim­men, ob und an wen die Bezü­ge für das Ster­be­vier­tel­jahr zu zah­len waren. Die Höhe die­ser Bezü­ge war in § 37 Abs 1 BVG fest­ge­legt [5].

Nach klei­ne­ren, hier nicht bedeut­sa­men Ände­run­gen [6] erhielt § 37 BVG durch das Ers­te Neu­ord­nungs­ge­setz (1. NOG) vom 27.6.1960 [7] fol­gen­de Fas­sung:

(1) Stirbt ein Ren­ten­emp­fän­ger, so wer­den für die auf den Ster­be­mo­nat fol­gen­den drei Mona­te noch die Bezü­ge gezahlt, die dem Ver­stor­be­nen nach §§ 30 bis 35 zu zah­len gewe­sen wären, Pfle­ge­zu­la­ge jedoch höchs­tens nach Stu­fe II.

(2) Bezugs­be­rech­tigt sind nach­ein­an­der der Ehe­gat­te, die Kin­der, die Eltern, die Stief­eltern, die Pfle­ge­el­tern und die Groß­el­tern, die Geschwis­ter und die Geschwis­ter­kin­der, wenn sie mit dem Ver­stor­be­nen zur Zeit des Todes in häus­li­cher Gemein­schaft gelebt haben. Kin­der­zu­schlä­ge sind jedoch den Kin­dern zu zah­len, für die sie bestimmt waren oder gewe­sen wären.

(3) Hat der Ver­stor­be­ne mit kei­ner der in Abs 2 bezeich­ne­ten Per­so­nen in häus­li­cher Gemein­schaft gelebt, so kön­nen die­sen die Bezü­ge für das Ster­be­vier­tel­jahr gezahlt wer­den, wenn er sie unter­hal­ten hat. Ande­re Per­so­nen kön­nen die Bezü­ge für das Ster­be­vier­tel­jahr nur erhal­ten, wenn sie die Kos­ten der letz­ten Krank­heit oder der Bestat­tung getra­gen oder den Ver­stor­be­nen bis zu sei­nem Tode gepflegt haben.

Anstel­le der hin­sicht­lich der begüns­tig­ten Per­so­nen bis­her offe­nen Ent­schei­dungs­be­fug­nis der Behör­de nach § 37 Abs 3 BVG tra­ten nun­mehr kon­kre­te Vor­aus­set­zun­gen für die Ermes­sens­aus­übung. Es hat­te sich als zweck­mä­ßig erwie­sen, genau zu umschrei­ben, an wen die Bezü­ge für das Ster­be­vier­tel­jahr gezahlt wer­den kön­nen [8]. Mit der Neu­fas­sung soll­te hin­sicht­lich der Bezugs­be­rech­ti­gung für die Ster­be­vier­tel­jah­res­be­zü­ge eine kla­re recht­li­che Rege­lung getrof­fen wer­den [9]. Die­se Mate­ria­li­en machen deut­lich, dass der Gesetz­ge­ber nicht beab­sich­tig­te, auch die Höhe der Bezü­ge in das Ermes­sen der Ver­wal­tung zu stel­len. Viel­mehr ging es allein um eine dif­fe­ren­zier­te Bestim­mung des für eine Leis­tungs­ge­wäh­rung in Betracht kom­men­den Per­so­nen­krei­ses.

Eine wei­te­re bedeut­sa­me Neu­re­ge­lung erfuhr § 37 BVG durch Art I Nr 33 Zwei­tes Neu­ord­nungs­ge­setz (2. NOG) vom 21.2.1964 (BGBl I 85). Unter der neu­en Über­schrift „Ster­be­geld“ wur­de er wie folgt gefasst:

(1) Beim Tode eines Beschä­dig­ten ist ein Ster­be­geld in Höhe des drei­fa­chen der Ver­sor­gungs­be­zü­ge zu zah­len, die ihm für den Ster­be­mo­nat nach den §§ 30 bis 33, 34 und 35 zustan­den, Pfle­ge­zu­la­ge jedoch höchs­tens nach Stu­fe II.

(2) Anspruchs­be­rech­tigt sind in nach­ste­hen­der Rang­fol­ge der Ehe­gat­te, die Kin­der, die Eltern, die Stief­eltern, die Pfle­ge­el­tern, die Groß­el­tern, die Geschwis­ter und die Geschwis­ter­kin­der, wenn sie mit dem Ver­stor­be­nen zur Zeit des Todes in häus­li­cher Gemein­schaft gelebt haben. Hat der Ver­stor­be­ne mit kei­ner die­ser Per­so­nen in häus­li­cher Gemein­schaft gelebt, so ist das Ster­be­geld in vor­ste­hen­der Rang­fol­ge dem zu zah­len, den der Ver­stor­be­ne unter­hal­ten hat.

(3) Sind Anspruchs­be­rech­tig­te iS des Abs 2 nicht vor­han­den, kann das Ster­be­geld dem gezahlt wer­den, der die Kos­ten der letz­ten Krank­heit oder der Bestat­tung getra­gen oder den Ver­stor­be­nen bis zu sei­nem Tode gepflegt hat.

Der Wech­sel von der Bezeich­nung „Bezü­ge für das Ster­be­vier­tel­jahr“ zu dem Begriff „Ster­be­geld“, beruht auf der Ände­rung der Berech­nung der Leis­tungs­hö­he. Wäh­rend bis­her die Bezü­ge maß­geb­lich waren, die dem Ver­stor­be­nen wäh­rend des Ster­be­vier­tel­jah­res zu zah­len gewe­sen wären, rich­te­te sich die Höhe der Leis­tung nun­mehr nach den Bezü­gen, die dem Beschä­dig­ten für den Ster­be­mo­nat zuge­stan­den hat­ten [10]. Abge­se­hen davon, dass die Rege­lung betref­fend Per­so­nen, die der Ver­stor­be­ne unter­hal­ten hat, in den Abs 2 des § 37 BVG ver­scho­ben wur­de und die­se damit (nach­ran­gig) anspruchs­be­rech­tigt wur­den, erhielt § 37 Abs 3 BVG im Wesent­li­chen nur eine redak­tio­nel­le Über­ar­bei­tung [11] und damit zugleich sei­ne jetzt noch gel­ten­de Fas­sung [12]. Da ande­re Rechts­fol­gen mit die­sen Ände­run­gen nicht ver­bun­den sein soll­ten (vgl BT-Drucks IV/​1305 S 19), kann nicht ange­nom­men wer­den, dass in die­sem Zusam­men­hang eine Erstre­ckung des Ermes­sens der Behör­de auf die Leis­tungs­hö­he erfolgt ist.

Sys­te­ma­ti­sche Erwä­gun­gen recht­fer­ti­gen kei­ne ande­re Beur­tei­lung:

Als selbst­stän­di­ge Leis­tung eige­ner Art [13] steht das Ster­be­geld zwi­schen den Ansprü­chen des Beschä­dig­ten und denen der Hin­ter­blie­be­nen [14]. Es ist für Per­so­nen vor­ge­se­hen, die mit dem Kreis der Hin­ter­blie­be­nen­ren­ten­be­rech­tig­ten nicht iden­tisch sind. Zur Ver­mei­dung von recht­li­chen Schwie­rig­kei­ten und Ver­wal­tungs­auf­wand ist über­dies die Anrech­nung des Ster­be­gel­des auf Hin­ter­blie­be­nen­ren­ten mit dem 2. NOG fort­ge­fal­len [15].

Inner­halb des § 37 BVG ist sys­te­ma­tisch von Bedeu­tung, dass sein Abs 3 inso­weit auf Abs 2 ver­weist, als er nur ein­greift, wenn Anspruchs­be­rech­tig­te nach Abs 2 nicht vor­han­den sind. Die enge Bezie­hung zwi­schen Abs 2 und Abs 3 des § 37 BVG wird auch dadurch deut­lich, dass sich die jet­zi­ge Rege­lung des § 37 Abs 2 S 2 BVG aus § 37 Abs 3 S 1 BVG idF des 1. NOG vom 27.6.1960 ent­wi­ckelt hat. Wenn nun das Ster­be­geld an die von § 37 Abs 2 BVG erfass­ten Per­so­nen in der durch § 37 Abs 1 BVG vor­ge­se­he­nen Höhe zu zah­len ist, liegt es – man­gels abwei­chen­der Bestim­mung – nahe, dass auch der in Abs 3 die­ser Vor­schrift umschrie­be­ne Per­so­nen­kreis das der­art berech­ne­te Ster­be­geld erhal­ten soll. Der Umstand allein, dass Abs 2 Anspruchs­be­rech­tig­te auf­führt, wäh­rend Abs 3 nur eine Ermes­sens­leis­tung betrifft, reicht für eine Dif­fe­ren­zie­rung der Höhe nicht aus, wenn es an einer ent­spre­chen­den Rege­lung fehlt.

Die typi­schen Ver­hält­nis­se der Anspruchs­be­rech­tig­ten nach § 37 Abs 2 BVG unter­schei­den sich von denen der durch Abs 3 erfass­ten Per­so­nen nicht der­art, dass eine Dif­fe­ren­zie­rung hin­sicht­lich der Höhe der Leis­tung zwin­gend gebo­ten wäre. Viel­mehr glei­chen sich bei­de Per­so­nen­krei­se inso­weit, als sie jeweils recht ver­schie­de­ne Fall­ge­stal­tun­gen umfas­sen.

Zunächst kön­nen die Lebens­ver­hält­nis­se der durch § 37 Abs 2 BVG begüns­tig­ten Per­so­nen erheb­lich von­ein­an­der abwei­chen. So bedeu­tet ein Leben in häus­li­cher Gemein­schaft mit dem Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten nicht, dass die­ser dar­in – ins­be­son­de­re finan­zi­ell – eine ent­schei­den­de Stel­lung gehabt hat [16]. Es kann auch umge­kehrt sein. Eben­so braucht der vom Beschä­dig­ten einer ande­ren Per­son gezahl­te Unter­halt (vgl § 37 Abs 2 S 2 BVG) nicht beson­ders hoch gewe­sen zu sein. Viel­mehr wird inso­weit ein monat­li­cher Betrag in Höhe von 25% des maß­geb­li­chen Regel­sat­zes der Sozi­al­hil­fe aus­rei­chen [17], im Jah­re 2005 also 25% von 345 € = 86,25 € im Monat. Auch eine bestimm­te Min­dest­dau­er der Unter­halts­ge­wäh­rung vor dem Tode des Beschä­dig­ten wird vom Gesetz nicht gefor­dert. Gleich­wohl erhal­ten alle Anspruchs­be­rech­tig­ten nach Maß­ga­be des § 37 Abs 1 BVG das vol­le Ster­be­geld in Höhe des drei­fa­chen der Ver­sor­gungs­be­zü­ge, die dem Beschä­dig­ten im Ster­be­mo­nat zustan­den.

Auch den Tat­be­stän­den des § 37 Abs 3 BVG kön­nen sehr unter­schied­li­che Ver­hält­nis­se zugrun­de lie­gen. Dies gilt nicht nur für die Höhe der Kran­ken­be­hand­lungs- oder Bestat­tungs­kos­ten, die die betref­fen­de Per­son in Bezug auf den Ver­stor­be­nen getra­gen hat, son­dern auch für Art, Umfang und sons­ti­ge Aus­ge­stal­tung der Pfle­ge des Beschä­dig­ten.

Dass der Gesetz­ge­ber im Rah­men des § 37 BVG eine pau­scha­le Leis­tungs­hö­he vor­se­hen woll­te, die für alle Ster­be­geld­zah­lun­gen maß­ge­bend ist, lässt sich auch mit Blick auf ver­gleich­ba­re Vor­schrif­ten fol­gern. So zeigt die Rege­lung des Bestat­tungs­gel­des, dass sich die Leis­tungs­be­mes­sung nach den kon­kre­ten Kos­ten der Bestat­tung rich­ten kann (vgl § 36 Abs 2 S 1 BVG). In ähn­li­cher Wei­se ist das beam­ten­recht­li­che Ster­be­geld für nach­ran­gig berech­tig­te Per­so­nen seit alters her aus­drück­lich auf die Höhe der Auf­wen­dun­gen beschränkt wor­den (vgl § 18 Abs 2 Nr 2 BeamtVG, ent­spre­chend bereits § 122 Abs 2 Nr 2 BBG [18]).

Schließ­lich lässt sich auch aus dem Sinn und Zweck des Ster­be­gel­des kein ande­res Aus­le­gungs­er­geb­nis her­lei­ten.

Es berei­tet bereits Schwie­rig­kei­ten, dem Ster­be­geld nach § 37 BVG über­haupt einem ein­heit­li­chen Sinn und Zweck zuzu­ord­nen. Wäh­rend es bis zum 2. NOG – wegen der Anrech­nung auf Hin­ter­blie­be­nen­ren­ten – weit­ge­hend eine Unter­halts­er­satz­funk­ti­on gehabt haben dürf­te [19], hat es seit­dem eher den Cha­rak­ter einer Über­brü­ckungs­hil­fe zum Aus­gleich von finan­zi­el­len Belas­tun­gen, die im Zusam­men­hang mit dem Tod des Beschä­dig­ten ein­ge­tre­ten sind [20]. Dabei kann durch den Tod des Beschä­dig­ten eine dau­er­haf­te Bezie­hung (häus­li­che Gemein­schaft, Unter­halt, Pfle­ge) weg­ge­fal­len sein. Es kön­nen aber auch die Kos­ten der letz­ten Krank­heit (teil­wei­se) über­nom­men oder nach dem Tode des Beschä­dig­ten die Bestat­tungs­kos­ten getra­gen wor­den sein. Der umfas­sen­de Zweck einer finan­zi­el­len Über­gangs­hil­fe kon­kre­ti­siert sich mit­hin im Ein­zel­fall auf unter­schied­li­che Wei­se.

Aus­ge­hend von die­ser Funk­ti­on des Ster­be­gel­des ist im Rah­men des durch § 37 Abs 3 BVG ein­ge­räum­ten Ermes­sens sicher zu prü­fen, ob ein wirt­schaft­li­cher Aus­gleich ange­bracht ist. Es reicht also nicht die Tra­gung von Krank­heits- oder Bestat­tungs­kos­ten in gerin­ger Höhe oder eine nur gering­fü­gi­ge Pfle­ge­tä­tig­keit aus. Ande­rer­seits bedarf es inso­weit kei­ner detail­lier­ten Fest­stel­lun­gen, weil sich die Höhe des Ster­be­gel­des nicht nach den getra­ge­nen Auf­wen­dun­gen oder dem wirt­schaft­li­chen Wert der Pfle­ge­tä­tig­keit rich­tet. Zwar wäre eine der­ar­ti­ge Beschrän­kung der Leis­tungs­hö­he mög­li­cher­wei­se sinn­voll, sie folgt jedoch nicht zwin­gend aus dem Sinn und Zweck des Ster­be­gel­des. Viel­mehr erscheint auch die gesetz­lich vor­ge­se­he­ne pau­scha­le Leis­tungs­be­mes­sung nach Maß­ga­be des § 37 Abs 1 BVG durch­aus sach­ge­recht, zumal sie mit einem gerin­ge­ren Ver­wal­tungs­auf­wand ver­bun­den ist.

Auf die All­ge­mei­nen Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten (VV) Nr 3 zu § 37 BVG vom 26.6.1969 [21] kann sich die Behör­de in die­sem Zusam­men­hang nicht beru­fen. Dort heißt es:

3. Per­so­nen iS des § 37 Abs 3 sind nur natür­li­che Per­so­nen; ihnen ist Ster­be­geld nur inso­weit zu zah­len, als ein wirt­schaft­li­cher Aus­gleich ange­bracht erscheint.

Ver­steht man das Wort „inso­weit“ dahin, dass es sich nur auf die Bestim­mung der begüns­tig­ten Per­so­nen bezieht, ist die­se Vor­schrift mit dem Inhalt des § 37 Abs 3 BVG ver­ein­bar. Wird die Ver­wal­tung hin­ge­gen als berech­tigt ange­se­hen, auch die Höhe des Ster­be­gel­des nach die­sem Kri­te­ri­um fest­zu­set­zen, fin­det VV Nr 3 zu § 37 BVG im Gesetz kei­ne hin­rei­chen­de Stüt­ze und ist damit unbe­acht­lich [22]. Dar­an ändert auch der Umstand nichts, dass es sich dabei offen­bar um eine jahr­zehn­te­lan­ge Ver­wal­tungs­pra­xis han­delt [23].

Auf die­ser recht­li­chen Grund­la­ge hat im vor­lie­gend vom Bun­des­so­zi­al­ge­richt ent­schie­de­nen Fall der Beklag­te, das Land Nord­rhein-West­fa­len, zunächst die Tat­be­stands­vor­aus­set­zung des § 37 Abs 3 BVG im vor­lie­gend Fall zutref­fend bejaht. Allein die Tra­gung von Bestat­tungs­kos­ten in Höhe von 3149 € (3900 € Gesamt­kos­ten abzüg­lich des gezahl­ten Bestat­tungs­gel­des in Höhe von 751 €) reicht inso­weit aus. Eben­so hat die Klä­ge­rin den Kriegs­be­schä­dig­ten vor des­sen Tod in erheb­li­chem Umfang gepflegt. Ob die Klä­ge­rin dar­über hin­aus die im Jah­re 2004 ange­fal­le­nen Kos­ten für eine Ersatz­pfle­ge­kraft selbst getra­gen hat, ist nicht fest­ge­stellt wor­den.

Des Wei­te­ren hat der Beklag­te sein Ermes­sen dahin aus­ge­übt, an die Klä­ge­rin Ster­be­geld zu zah­len (Bescheid vom 6.11.2008). Abge­se­hen davon, dass er an die­se Ent­schei­dung gebun­den ist, lässt sie auch kei­ne Ermes­sens­feh­ler erken­nen. Allein im Hin­blick auf die erheb­li­che Höhe der Bestat­tungs­kos­ten konn­te der Beklag­te einen wirt­schaft­li­chen Aus­gleich als ange­bracht anse­hen. Da er nicht über die Höhe des Ster­be­gel­des zu befin­den hat­te, kommt es nicht dar­auf an, ob auch im Hin­blick auf eine Tra­gung von Krank­heits­kos­ten oder die Pfle­ge­tä­tig­keit eine Ster­be­geld­zah­lung in Betracht gekom­men wäre.

Dem­entspre­chend steht der Klä­ge­rin Ster­be­geld in einer nach § 37 Abs 1 BVG zu berech­nen­den Höhe zu. Dabei ist das Drei­fa­che der Ver­sor­gungs­be­zü­ge zu ermit­teln, die dem Kriegs­be­schä­dig­ten für den Ster­be­mo­nat (Sep­tem­ber 2005) nach den §§ 30 bis 33, 34 und 35 BVG zuge­stan­den haben, wobei vor­lie­gend Pfle­ge­zu­la­ge höchs­tens nach Stu­fe II zu berück­sich­ti­gen ist.

Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 17. April 2013 – B 9 V 2/​12 R

  1. idF vom 16.02.2001, BGBl I 266[]
  2. vgl dazu Vogl, aaO, RdNr 8[]
  3. RGBl 989[]
  4. vgl BT-Drucks I/​1333 S 58[]
  5. vgl dazu Kolb, KOV 1958, 169[]
  6. Gesetz vom 19.1.1955, BGBl I 25; Gesetz vom 23.12.1955, BGBl I 841; Gesetz vom 6.6.1956, BGBl I 463[]
  7. BGBl I 453[]
  8. vgl Begrün­dung zum Gesetz­ent­wurf, BT-Drucks III/​1239 S 27, § 37 Abs 3[]
  9. Bericht des Aus­schus­ses für Kriegs­op­fer- und Heim­keh­rer­fra­gen, BT-Drucks III/​1825 S 8, § 37[]
  10. vgl Begrün­dung zum Gesetz­ent­wurf, BT-Drucks IV/​1308 S 19[]
  11. vgl BT-Drucks aaO; Schrift­li­cher Bericht des Aus­schus­ses für Kriegs­op­fer- und Hin­ter­blie­be­nen­fra­gen, BT-Drucks IV/​1831 S 7[]
  12. die Ände­run­gen durch die Geset­ze vom 16.12.1971, BGBl I 1985, vom 24.7.1972, BGBl I 1284, vom 9.6.1975, BGBl I 1321, und vom 16.2.2001, BGBl I 266, betra­fen ande­re Absät­ze des § 37 BVG[]
  13. vgl Rohr/​Sträßer/​Dahm, BVG, Sozia­les Ent­schä­di­gungs­recht und Sozi­al­ge­setz­bü­cher, Stand Juni 2012, § 37 Anm 1; Vogl in Knick­rehm, Gesam­tes Sozia­les Ent­schä­di­gungs­recht, 1. Aufl 2012, § 37 BVG RdNr 2; all­ge­mein dazu auch BSGE 14, 99, 102 f = SozR Nr 8 zu § 141 SGG Bl Da 5 Rück­sei­te bis Da 6[]
  14. vgl Stef­fens, Ver­sorgB 1966, 82[]
  15. vgl BT-Drucks IV/​1305 S 19, 23[]
  16. vgl dazu all­ge­mein BVerwG Buch­holz 232 § 122 BBG Nr 4; all­ge­mein dazu auch BSG SozR 2200 § 205 Nr 4; Schieckel/​Gurgel/​Grüner/​Dalichau, BVG, Stand 1989, § 37 Anm 5[]
  17. vgl dazu BSG SozR 2200 § 1265 Nr 63, 65, 66; BSG SozR 3–2200 § 1265 Nr 4; Schieckel ua, aaO, Anm 6[]
  18. vom 14.7.1953, BGBl I 551[]
  19. vgl Fehl, Ver­sorgB 1971, 79[]
  20. vgl dazu BSGE 35, 173, 176 = SozR Nr 1 zu § 37 BVG Bl Ca 3 f; BVerwG Buch­holz 427.3 § 267 LAG Nr 93; all­ge­mein auch Becker, Ver­sorgB 1986, 3; Fehl aaO; Rohr/​Sträßer/​Dahm, BVG, Sozia­les Ent­schä­di­gungs­recht und Sozi­al­ge­setz­bü­cher, Stand 2012, § 37 Anm 1; Vogl in Knick­rehm, Gesam­tes Sozia­les Ent­schä­di­gungs­recht, 1. Aufl 2012, § 37 RdNr 2; Vorberg/​van Nuis, Das Recht der Kriegs­be­schä­dig­ten und Kriegs­hin­ter­blie­be­nen, IV. Teil, Beschä­dig­ten­ver­sor­gung, Stand 1982, § 37 Anm I[]
  21. BVer­sorgBl 1969, Bei­la­ge zu Heft 7,12; geän­dert durch die Zwei­te All­ge­mei­ne Ver­wal­tungs­vor­schrift vom 27.8.1986, BAnz Nr 161/​1986, 12297, 12300[]
  22. vgl BSGE 35, 173, 174 = SozR Nr 1 zu § 37 BVG Bl Ca 1 Rück­sei­te; BSG Urteil vom 5.5.1982 – 9a/​9 RV 46/​81 – Pra­xis 1983, 142; all­ge­mein dazu auch Behn, Ver­sorgB 1982, 64 ff[]
  23. vgl bereits VV zu § 37 BVG vom 1.3.1951, BVer­sorgBl 1951, Ergän­zungs­heft Nr 2, 16; All­ge­mei­ne Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten zur Ände­rung der VV zum BVG vom 23.1.1965, BVer­sorgBl 1965, 14, 17; BMA Rund­schrei­ben vom 19.4.1962, BVer­sorgBl 1962, 55; s dazu auch Fehl, Ver­sorgB 1971, 79, 80; Lam­la, KOV 1972, 121[]