Ste­ri­li­sa­ti­on auf Kos­ten der Kran­ken­kas­se

Auch wenn Ver­än­de­run­gen des Erb­gu­tes in den Sper­mi­en eines Man­nes zu einer Behin­de­rung eines ent­ste­hen­den Kin­des füh­ren könn­ten, besteht kein Anspruch auf Kos­ten­tra­gung einer Ste­ri­li­sa­ti­on durch die gesetz­li­che Kran­ken­kas­se.

Ste­ri­li­sa­ti­on auf Kos­ten der Kran­ken­kas­se

So das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nie­der­sach­sen-Bre­men in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines Man­nes, des­sen Antrag auf Kos­ten­tra­gung einer Ste­ri­li­sa­ti­on von sei­ner Kran­ken­kas­se abge­lehnt wor­den ist. Der 1969 gebo­re­ne Mann muss­te sich zwei­mal einer Leber- und ein­mal einer Nie­ren­trans­plan­ta­ti­on unter­zie­hen. Damit es nicht zu Absto­ßungs­re­ak­tio­nen des Kör­pers kommt, muss der Klä­ger zahl­rei­che Imun­su­pres­si­va ein­neh­men. Die­se Medi­ka­men­te kön­nen dazu füh­ren, dass sich die Erb­infor­ma­tio­nen in den Sper­mi­en ver­än­dern und es zu Fehl­bil­dun­gen bei einem mög­li­chen Kind des Klä­gers kom­men könn­te.

Die beklag­te Kran­ken­kas­se lehn­te den Antrag des Klä­gers auf die Durch­füh­rung einer Ste­ri­li­sa­ti­on ab und wur­de vom Sozi­al­ge­richt Sta­de bestä­tigt. Die­ses führ­te aus, dass der Gesetz­ge­ber Leis­tun­gen der Ste­ri­li­sa­ti­on in ers­ter Linie der per­sön­li­chen Lebens­pla­nung der Ver­si­cher­ten zuge­ord­net habe. Ledig­lich bei einer durch Krank­heit erfor­der­li­chen Ste­ri­li­sa­ti­on sol­le ein Leis­tungs­an­spruch gegen die gesetz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung bestehen. Der Klä­ger sei aber in der Lage, phy­sisch ande­re Ver­hü­tungs­me­tho­den anzu­wen­den. Gegen die­ses Urteil ist Beru­fung ein­ge­legt wor­den.

In sei­ner Ent­schei­dung hat das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nie­der­sach­sen-Bre­men auf die Recht­spre­chung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts ver­wie­sen, wonach eine Ste­ri­li­sa­ti­on auf Kos­ten der Kran­ken­kas­se nur dann in Betracht kom­me, wenn unmit­tel­bar durch die Schwan­ger­schaft eine schwer­wie­gen­de Erkran­kung der Mut­ter aus­ge­löst wer­den kön­ne. Dafür sei­en im Fall des Klä­gers kei­ne Anhalts­punk­te ersicht­lich. Vor­lie­gend füh­re die Ste­ri­li­sa­ti­on beim Klä­ger nicht zur Besei­ti­gung oder Lin­de­rung einer Krank­heit. Auch die aktu­el­le Dis­kus­si­on zum Bei­spiel über die Prä­im­plan­ta­ti­ons­dia­gnos­tik ände­re nichts dar­an, dass das Merk­mal des § 24b SGB V "durch Krank­heit erfor­der­lich" eine eng aus­zu­le­gen­de, medi­zi­ni­sche Fra­ge­stel­lung sei.

Wei­ter­hin hat das Lan­des­so­zi­al­ge­richt dar­ge­legt, dass auch das Bun­des­so­zi­al­ge­richt in der Ent­schei­dung vom 28. Sep­tem­ber 2010 1 nicht von einem – vom Klä­ger behaup­te­ten – Wer­te­wan­del aus­ge­he. In der dor­ti­gen Ent­schei­dung war zwar die Kon­ser­vie­rung von Eier­stock­ge­we­be zur spä­te­ren Reim­plan­ta­ti­on als Behand­lung einer Krank­heit bejaht wor­den, wenn sie die natür­li­che Emp­fäng­nis­fä­hig­keit wie­der her­stel­len sol­le. Es wur­de aber aus­ge­führt, dass die Kon­ser­vie­rung von Samen und Eizel­len nicht die Behand­lung einer Krank­heit dar­stel­len, son­dern nur eine spä­te­re künst­li­che Befruch­tung ermög­li­chen.

Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nie­der­sach­sen-Bre­men, Beschluss vom 13. Febru­ar 2014 – L 4 KR 184/​11

  1. BSG, vom 28.09.2010 – B 1 KR 26/​09 R, SozR 4 – 2500, § 27 a Nr.12[]