Vor­aus­set­zun­gen zur Fest­stel­lung des Merk­zei­chens "B"

Für die Zuer­ken­nung des Merk­zei­chens „B“ ist regel­mä­ßig kein Min­dest­grad der Behin­de­rung von 80 erfor­der­lich.

Vor­aus­set­zun­gen zur Fest­stel­lung des Merk­zei­chens "B"

Mit die­ser Begrün­dung hat das Sozi­al­ge­richt Düs­sel­dorf in dem hier vor­lie­gen­den Fall der Kla­ge eines Kre­fel­ders statt­ge­ge­ben. Als Schwer­be­hin­der­ter lei­det der Klä­ger, der min­der­jäh­rig ist, unter einem Asper­ger-Syn­drom und ADHS. Die Stadt Kre­feld stell­te einen Grad der Behin­de­rung von 50 fest sowie die Vor­aus­set­zun­gen für das Merk­zei­chen "H" (Hilf­lo­sig­keit).

Dage­gen sind die Vor­aus­set­zun­gen für das Merk­zei­chen "B" nach Mei­nung der Stadt nicht gege­ben. Eine Begleit­per­son im Stra­ßen­ver­kehr sei nicht not­wen­dig, da nicht das Voll­bild eines Autis­mus vor­lie­ge. Bei einem Grad der Behin­de­rung von unter 80 kom­me zudem nur aus­nahms­wei­se das Merk­zei­chen "B" in Betracht. Gegen die­se Ansicht hat sich der Klä­ger mit sei­ner Kla­ge gewehrt. Er kön­ne ohne Beglei­tung den Schul­weg nicht bewäl­ti­gen.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat sich das Sozi­al­ge­richt Düs­sel­dorf auf das ein­ge­hol­te Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten gestützt: Der Klä­ger lei­de an einer Autis­mus-Spek­trum-Stö­rung, die es ihm unmög­lich mache, ohne frem­de Hil­fe ein stär­ker fre­quen­tier­tes öffent­li­ches Ver­kehrs­mit­tel zu nut­zen. Er kön­ne ledig­lich in lee­re oder gering fre­quen­tier­te Ver­kehrs­mit­tel ein­stei­gen und mit­fah­ren. Bei stär­ke­rer Fre­quen­tie­rung müs­se er wegen sei­ner erkran­kungs­be­ding­ten Ver­hal­tens­stö­run­gen und Ängs­te so lan­ge war­ten, bis ein nahe­zu lee­res Ver­kehrs­mit­tel kom­me. Der Klä­ger sei daher auf die regel­mä­ßi­ge Anwe­sen­heit einer Begleit­per­son ange­wie­sen. Damit erfül­le der Klä­ger neben sei­ner Schwer­be­hin­de­rung und dem Merk­zei­chen "H" alle Vor­aus­set­zun­gen für das Merk­zei­chen „B“.

Nach Mei­nung des Sozi­al­ge­richts gebe es kei­ne gesetz­li­che Grund­la­ge dafür, einen Min­dest­grad der Behin­de­rung von regel­mä­ßig 80 zu for­dern.

Sozi­al­ge­richt Düs­sel­dorf, Urteil vom 23. Mai 2019 – S 4 SB 1110/​14