Wer­be­fo­to­gra­fie ist bil­den­de Kunst

Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt stuft im Rah­men der Künst­ler­so­zi­al­ver­si­che­rung auch die Wer­be­fo­to­gra­fen als bil­den­de Künst­ler im Sin­ne des § 2 KSVG ein [1]. Dies gilt unab­hän­gig davon, ob dem Wer­be­fo­to­gra­fen im kon­kre­ten Ein­zel­fall ein kunst­ty­pi­scher eigen­schöp­fe­ri­scher Gestal­tungs­spiel­raum zur Ver­fü­gung steht, ob die Foto­gra­fien tat­säch­lich eine künst­le­ri­sche Qua­li­tät besit­zen oder ob zumin­dest der Foto­graf für sich einen künst­le­ri­schen Anspruch erhebt.

Wer­be­fo­to­gra­fie ist bil­den­de Kunst

Hät­ten nur sol­che For­men und Pro­duk­te der Wer­be­fo­to­gra­fie in den Kunst­be­griff des § 2 KSVG ein­bezoh­gen wer­den sol­len, die im her­kömm­li­chen Sin­ne künst­le­ri­sche Qua­li­tät auf­wei­sen oder eine künst­le­ri­sche Werk­hö­he reprä­sen­tie­ren, hät­te es nahe gele­gen, auf die geson­der­te Auf­füh­rung des Berufs des Wer­be­fo­to­gra­fen gänz­lich zu ver­zich­ten, weil die künst­le­ri­schen Tei­le der Wer­be­fo­to­gra­fie bereits durch die Berufs­fel­der der künst­le­ri­schen Foto­gra­fie und des Foto­de­signs abge­deckt wären. Für die Ein­be­zie­hung der Wer­be­fo­to­gra­fie in ihrer gesam­ten Band­brei­te spricht fer­ner der Umstand, dass auch die ande­ren Berufs­fel­der, die am krea­ti­ven Pro­zess der bild­li­chen und text­li­chen Gestal­tung von Wer­bung und Wer­be­mit­teln betei­ligt sind, ins­ge­samt und ohne Dif­fe­ren­zie­rung nach künst­le­ri­scher oder publi­zis­ti­scher Qua­li­tät bzw Werk­hö­he und ohne Berück­sich­ti­gung der Brei­te des gestal­te­ri­schen Spiel­raums im Ein­zel­fall dem Anwen­dungs­be­reich des § 2 KSVG zuge­ord­net wor­den sind (z.B. Wer­be­film­re­gis­seu­re, Wer­be­spre­cher, Wer­be­gra­fi­ker und – als Publi­zis­ten – Wer­be­tex­ter).

Also steht die Aus­bil­dung eines Wer­be­fo­to­gra­fen als Foto­gra­fen­hand­wer­ker der Ein­stu­fung als „bil­den­der Künst­ler“ im Sin­ne des § 2 KSVG nicht ent­ge­gen, wenn er als Wer­be­fo­to­graf das hand­werk­li­che Berufs­feld ver­lässt. Wer­be­fo­to­gra­fen sind damit Pres­se­fo­to­gra­fen ver­gleich­bar, die eben­falls unab­hän­gig von ihrer Aus­bil­dung und der künst­le­ri­schen Qua­li­tät ihrer Bil­der allein des­halb – als Publi­zis­ten – von § 2 KSVG erfasst wer­den, weil ihre Tätig­keit einem bestimm­ten Zweck dient (Pres­se­fo­to­gra­fie, Bild­jour­na­lis­mus, Bild­be­richt­erstat­tung), der vom Berufs­feld des Foto­gra­fen­hand­werks nicht umfasst wird.

Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 25.November 2010 – B 3 KS 1/​10 R

  1. BSG SozR 4–5425 § 24 Nr 2, 3 und 6; BSG SozR 4–5425 § 2 Nr 4[]