Der Ein­spruch der bereits voll­be­en­de­ten GbR

Wird namens einer voll­be­en­de­ten Per­so­nen­ge­sell­schaft Ein­spruch gegen einen Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheid ein­ge­legt, ist zu prü­fen, ob die­ser nicht im Wege der Aus­le­gung als Rechts­mit­tel der ein­zel­nen Gesell­schaf­ter anzu­se­hen ist1.

Der Ein­spruch der bereits voll­be­en­de­ten GbR

Eine ent­spre­chen­de Kla­ge kann aus­nahms­wei­se dann im Wege rechts­schutz­ge­wäh­ren­der Aus­le­gung als eine sol­che der ehe­ma­li­gen Gesell­schaf­ter ange­se­hen wer­den, wenn das Rubrum der Kla­ge spie­gel­bild­lich dem inso­weit unzu­tref­fen­den Rubrum der Ein­spruchs­ent­schei­dung ent­spricht und dem Finanz­amt die Voll­be­en­di­gung der Per­so­nen­ge­sell­schaft bei Erlass der Ein­spruchs­ent­schei­dung bereits bekannt war2

Glei­ches gilt für einen namens der voll­be­en­de­ten Per­so­nen­ge­sell­schaft ein­ge­leg­ten Ein­spruch, wenn das Finanz­amt den Fest­stel­lungs­be­scheid trotz Kennt­nis von der Voll­be­en­di­gung an die Gesell­schaft bekannt­ge­ge­ben hat3.

In dem hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Fall konn­te der Bun­des­fi­nanz­hof die danach gebo­te­ne rechts­schutz­ge­wäh­ren­de Aus­le­gung des Ein­spruchs­schrei­bens, die das Finanz­ge­richt unter­las­sen hat, nach­ho­len, weil der Sach­ver­halt inso­weit voll­stän­dig fest­ge­stellt ist4. Sie führt zu dem Ergeb­nis, dass die Gesell­schaf­ter Ein­spruch gegen den Ände­rungs­be­scheid vom 17.05.2013 ein­ge­legt haben. Das Finanz­amt A hat ‑wie sich aus den Aus­füh­run­gen des Betriebs­prü­fungs­be­richts ergibt- den Fest­stel­lungs­be­scheid vom 17.05.2013 an die GbR gerich­tet5, obwohl ihm deren Voll­be­en­di­gung bekannt war. Hier­durch hat es die Ein­spruchs­ein­le­gung im Namen der GbR verursacht.

Das Ein­spruchs­ver­fah­ren der Gesell­schaf­ter ist auch ‑wie von § 44 Abs. 1 FGO vor­aus­ge­setzt- ohne Erfolg geblie­ben, denn das Finanz­amt hat den Ein­spruch in sei­ner Ein­spruchs­ent­schei­dung als unbe­grün­det zurück­ge­wie­sen. Dass die Gesell­schaf­ter in der Ein­spruchs­ent­schei­dung nicht aus­drück­lich als Ein­spruchs­füh­rer bezeich­net wor­den sind, steht dem nicht ent­ge­gen. Ist das Ein­spruchs­schrei­ben dahin aus­zu­le­gen, dass die Gesell­schaf­ter Ein­spruch ein­ge­legt haben, ist es fol­ge­rich­tig, die Betei­lig­ten­be­zeich­nung des Finanz­amt in dem­sel­ben Sin­ne zu ver­ste­hen. Die Aus­le­gung des Ein­spruchs­schrei­bens schlägt auf die Bestim­mung des Adres­sa­ten der Ein­spruchs­ent­schei­dung durch6.

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Ungeklärte ausländische Einzahlungen auf betriebliche Konten

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 25. März 2021 – VIII R 47/​18

  1. z.B. BFH, Urteil vom 01.07.2004 – IV R 4/​03, BFH/​NV 2005, 162; BFH, Beschluss vom 17.07.2012 – IV B 55/​11, BFH/​NV 2012, 1871, m.w.N.[]
  2. z.B. BFH, Urtei­le vom 10.09.2015 – IV R 8/​13, BFHE 251, 25, BStBl II 2015, 1046; in BFH/​NV 2005, 162; vom 23.04.2009 – IV R 87/​05, BFH/​NV 2009, 1650; in BFHE 270, 87, BStBl II 2021, 197[]
  3. vgl. Sie­gers in Hübschmann/​Hepp/​Spitaler, § 352 AO Rz 284 ff.[]
  4. z.B. Gräber/​Ratschow, Finanz­ge­richts­ord­nung, 9. Aufl., § 118 Rz 24, m.w.N.[]
  5. vgl. zur gleich­wohl wirk­sa­men Benen­nung des Inhalts­adres­sa­ten z.B. BFH, Beschluss vom 01.09.2008 – IV B 12/​08, BFH/​NV 2008, 2039[]
  6. vgl. BFH, Beschluss vom 07.03.2007 – I R 98/​05, BFHE 217, 430, BStBl II 2008, 186[]

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