Inves­ti­ti­ons­zu­la­ge – und die feh­ler­haf­te sta­tis­ti­sche Ein­ord­nung

Nach § 2 Abs. 1 i.V.m. Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 Satz 1 Alter­na­ti­ve 1 des Inves­ti­ti­ons­zu­la­gen­ge­set­zes (InvZulG) 1999 sind begüns­tig­te Inves­ti­tio­nen die Anschaf­fung und Her­stel­lung von neu­en abnutz­ba­ren beweg­li­chen Wirt­schafts­gü­tern des Anla­ge­ver­mö­gens, die min­des­tens fünf Jah­re in Betrie­ben des ver­ar­bei­ten­den Gewer­bes ver­blei­ben, sofern wei­te­re, hier nicht strei­ti­ge Vor­aus­set­zun­gen erfüllt sind.

Inves­ti­ti­ons­zu­la­ge – und die feh­ler­haf­te sta­tis­ti­sche Ein­ord­nung

Der Begriff des ver­ar­bei­ten­den Gewer­bes bestimmt sich nach der vom Sta­tis­ti­schen Bun­des­amt her­aus­ge­ge­be­nen Klas­si­fi­ka­ti­on der Wirt­schafts­zwei­ge (WZ). Der Gesetz­ge­ber hat die Maß­geb­lich­keit der WZ zwar erst­mals durch § 3 Abs. 1 Satz 2 InvZulG 2010 aus­drück­lich ange­ord­net. Der Begriff des ver­ar­bei­ten­den Gewer­bes rich­tet sich im Inves­ti­ti­ons­zu­la­gen­recht aber auch für frü­he­re Geset­zes­fas­sun­gen nach der für das jewei­li­ge Kalen­der­jahr gel­ten­den Klas­si­fi­ka­ti­on 1, im Streit­fall also nach der WZ 1993.

In einem Rechts­streit über die Fra­ge, ob ein Betrieb zum ver­ar­bei­ten­den Gewer­be gehört, hat das Finanz­ge­richt die für die Ent­schei­dung erheb­li­chen Tat­sa­chen fest­zu­stel­len und zu wür­di­gen. Bei der Ein­ord­nung wirt­schaft­li­cher Tätig­kei­ten kann es dabei auf das Exper­ten­wis­sen der Sta­tis­ti­käm­ter zurück­grei­fen. Die Ent­schei­dungs­be­fug­nis liegt aber in jedem Fall beim Gericht, das eine feh­ler­haf­te sta­tis­ti­sche Ein­ord­nung nicht über­neh­men darf 2. Die Geset­zes­bin­dung der Gerich­te (Art.20 Abs. 3, Art. 97 Abs. 1 GG) schließt die Bin­dung der Finanz­ge­richt an eine feh­ler­haf­te Ein­ord­nung durch die Sta­tis­ti­käm­ter aus 3.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 16. Juli 2015 – III R 34/​14

  1. BVerfG, Beschluss vom 31.05.2011 – 1 BvR 857/​07, BVerfGE 129, 1, unter B.I. 3.; BFH, Urtei­le vom 22.09.2011 – III R 64/​08, BFHE 236, 168, BSt­Bl II 2012, 358, Rz 12 ff.; vom 22.12 2011 – III R 1/​10, BFH/​NV 2012, 1654, Rz 10 ff.; vom 26.07.2012 – III R 43/​11, BFH/​NV 2013, 86, Rz 13[]
  2. BVerfG, Beschluss in BVerfGE 129, 1, unter B.I. 4.; BFH, Urtei­le in BFHE 236, 168, BSt­Bl II 2012, 358, Rz 16; in BFH/​NV 2012, 1654, Rz 14; in der Sache eben­so BFH, Urteil in BFH/​NV 2013, 86, Rz 14[]
  3. BVerfG, Beschluss in BVerfGE 129, 1, unter B.I. 2.c[]