Kei­ne Inves­ti­ti­ons­zu­la­ge wegen Auf­lö­sung einer Ans­parab­schrei­bung?

Der Inves­ti­ti­ons­ab­zugs­be­trag gemäß § 7g Abs. 1 EStG i.d.F. des UntS­tRefG 2008 kann nach § 7g Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 Buchst. c EStG i.d.F. des UntS­tRefG 2008 nicht in Anspruch genom­men wer­den, wenn der Betrieb, der sei­nen Gewinn nach § 4 Abs. 3 EStG ermit­telt, am Schluss des Wirt­schafts­jah­res, in dem der Abzug vor­ge­nom­men wird, ohne Berück­sich­ti­gung des Inves­ti­ti­ons­ab­zugs­be­trags einen Gewinn von 100.000 EUR durch die gewinn­wirk­sa­me Auf­lö­sung frü­he­rer Ans­parab­schrei­bun­gen über­schrei­tet.

Kei­ne Inves­ti­ti­ons­zu­la­ge wegen Auf­lö­sung einer Ans­parab­schrei­bung?

Der Inves­ti­ti­ons­ab­zugs­be­trag gemäß § 7g Abs. 1 EStG kann nach § 7g Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 Buchst. c EStG nur in Anspruch genom­men wer­den, wenn der Betrieb, der sei­nen Gewinn nach § 4 Abs. 3 EStG ermit­telt, am Schluss des Wirt­schafts­jah­res, in dem der Abzug vor­ge­nom­men wird, ohne Berück­sich­ti­gung des Inves­ti­ti­ons­ab­zugs­be­trags einen Gewinn von 100.000 EUR nicht über­schrei­tet.

Die Gewinn­gren­ze des § 7g Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 Buchst. c EStG von 100.000 EUR gilt gemäß § 52 Abs. 23 Satz 5 EStG i.d.F. des Geset­zes zur Umset­zung steu­er­recht­li­cher Rege­lun­gen des Maß­nah­men­pa­kets "Beschäf­ti­gungs­si­che­rung durch Wachs­tums­stär­kung" vom 21.12 2008 [1] auch im Streit­jahr 2008. Ledig­lich in Wirt­schafts­jah­ren, die nach dem 31.12 2008 und vor dem 1.01.2011 enden, ist § 7g Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 Buchst. c EStG mit der Maß­ga­be anzu­wen­den, dass bei Betrie­ben, die ihren Gewinn nach § 4 Abs. 3 EStG ermit­teln, ohne Berück­sich­ti­gung von Inves­ti­ti­ons­ab­zugs­be­trä­gen ein Gewinn von 200.000 EUR nicht über­schrit­ten wird.

Für die Fra­ge, ob der Unter­neh­mer im Streit­jahr die Gewinn­gren­ze des § 7g Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 Buchst. c EStG von 100.000 EUR über­schrit­ten hat, sind die Auf­lö­sung der Ans­parab­schrei­bung, die der Unter­neh­mer in einem Vor­jahr nach § 7g Abs. 3 EStG a.F. gebil­det hat, und der Gewinn­zu­schlag nach § 7g Abs. 5 EStG a.F. ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Finanz­ge­richts Köln [2] gewinn­er­hö­hend zu berück­sich­ti­gen [3].

Die davon abwei­chen­de Auf­fas­sung des Finanz­ge­richt kann § 7g Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 Buchst. c EStG weder nach sei­nem Wort­laut noch nach sei­ner Sys­te­ma­tik oder sei­nem Zweck ent­nom­men wer­den.

Schon der Wort­laut der Rege­lung lässt die erwei­ter­te Aus­le­gung der Vor­in­stanz nicht zu.

Man­gels einer eige­nen Gewinn­de­fi­ni­ti­on in § 7g Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 Buchst. c EStG ist nach § 4 Abs. 3 Satz 1 EStG als Gewinn der Über­schuss der Betriebs­ein­nah­men über die Betriebs­aus­ga­ben anzu­set­zen [4]. Zu den Betriebs­ein­nah­men und zu den Betriebs­aus­ga­ben gehö­ren bei Steu­er­pflich­ti­gen, die ihren Gewinn nach § 4 Abs. 3 EStG ermit­teln, gemäß § 7g Abs. 6 EStG a.F. auch die Bil­dung und Auf­lö­sung einer Rück­la­ge nach § 7g Abs. 3 bis 5 EStG a.F. mit der Fol­ge, dass die hier streit­be­fan­ge­ne Auf­lö­sung der Anspar­rück­la­ge nebst Gewinn­zu­schlag als Betriebs­ein­nah­me (Zuschlag) zu behan­deln ist.

Eben­so wie dem Wort­laut der Vor­schrift kann auch den Geset­zes­ma­te­ria­li­en ein Wil­le des Gesetz­ge­bers, dem neu­ge­fass­ten § 7g EStG einen nur auf die­se Vor­schrift bezo­ge­nen eige­nen Gewinn­be­griff zugrun­de zu legen, nicht ent­nom­men wer­den.

Ins­be­son­de­re erge­ben sich für die Ansicht, der Gesetz­ge­ber habe ‑ohne ent­spre­chen­de Abbil­dung im Wort­laut der Vor­schrift- im Rah­men des § 7g Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 Buchst. c EStG die all­ge­mei­ne Leis­tungs­kraft eines Unter­neh­mens und nicht den sich nach den han­dels- und steu­er­recht­li­chen Vor­schrif­ten erge­ben­den Gewinn berück­sich­ti­gen wol­len, aus den Geset­zes­ma­te­ria­li­en zum UntS­tRefG 2008 kei­ne Anhalts­punk­te [5].

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 15. April 2015 – VIII R 29/​13

  1. BGBl I 2008, 2896[]
  2. FG Köln, Urteil vom 10.04.2013 – 4 K 2910/​10[]
  3. eben­so Säch­si­sches FG, Urteil vom 10.11.2011 – 2 K 1272/​11, rechts­kräf­tig nach Zurück­wei­sung der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de durch BFH, Beschluss vom 29.05.2012 – IV B 153/​11; Nie­der­säch­si­sches FG, Urteil vom 03.12 2013 – 12 K 290/​11. Revi­si­on anhän­gig unter – X R 2/​14; sowie die Auf­fas­sung im Schrift­tum vgl. Blümich/​Brandis, § 7g EStG Rz 56; Bug­ge, in: Kirchhof/​Söhn/​Mellinghoff, EStG, § 7g Rz B 18; Mey­er in Herrmann/​Heuer/​Raupach, § 7g EStG Rz 50 "Auf­lö­sung von Anspar­rück­la­gen"; so auch Rz 13 des Schrei­bens des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums der Finan­zen vom 20.11.2013 – IV C 6‑S 2139‑b/​07/​10002, 2013/​1044077, BStBl I 2013, 1493; zur Fort­gel­tung des alten Rechts für die Abwick­lung von Ans­parab­schrei­bun­gen s. Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf, Urteil vom 02.05.2012 15 K 453/​10 E, EFG 2012, 1335[]
  4. eben­so Säch­si­sches FG, Urteil vom 10.11.2011 – 2 K 1272/​11[]
  5. so zu Recht Nie­der­säch­si­sches FG, Urteil vom 03.12 2013 – 12 K 290/​11, unter Bezug­nah­me auf BT-Drs. 16/​5377, S. 11 ff.; BT-Drs. 16/​4841, S. 51 ff.; BT-Drs. 16/​5491, S. 17 f.[]