Der Hof­la­den als Gewer­be­be­trieb

Wie der Bun­des­fi­nanz­hof in einem aktu­el­len Urteil – in teil­wei­ser Abwei­chung von sei­ner bis­he­ri­gen Recht­spre­chung – ent­schie­den hat, kann ein Hof­la­den als selb­stän­di­ger Gewer­be­be­trieb zu beur­tei­len sein, wenn über den Laden neben eigen­erzeug­ten Pro­duk­ten auch Fremd­pro­duk­te abge­setzt wer­den.

Der Hof­la­den als Gewer­be­be­trieb

Land­wir­te gehen öfter dazu über, die von ihnen erzeug­ten Pro­duk­te direkt an den End­ver­brau­cher zu ver­mark­ten. Dies geschieht übli­cher­wei­se über Markt­stand, Ver­kaufs­wa­gen oder Hof­la­den. Um die Attrak­ti­vi­tät der Absatz­stel­len für den End­ver­brau­cher zu erhö­hen, ver­brei­tern die Land­wir­te ihr Waren­sor­ti­ment um zuge­kauf­te Waren unter­schied­lichs­ter Art. Damit ver­hal­ten sie sich aber händ­ler­ty­pisch und damit gewerb­lich. Es stell­te sich damit die Fra­ge, ob über­haupt und wenn ja, ab wann die Han­dels­tä­tig­keit die land­wirt­schaft­li­che Tätig­keit infi­ziert und dort zu einer Umqua­li­fi­zie­rung der land­wirt­schaft­li­chen Ein­künf­te führt.

In dem jetzt vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Streit­fall führ­te der Klä­ger einen Hof­la­den, in dem er auch zuge­kauf­te Waren absetz­te. Der BFH nahm den Fall zum Anlass, sei­ne bis­he­ri­ge Recht­spre­chung teil­wei­se zu kor­ri­gie­ren und neue Gren­zen für die Annah­me eines Gewer­be­be­triebs fest­zu­le­gen. Danach ist ein Hof­la­den dann als gewerb­lich anzu­se­hen, wenn der dar­in getä­tig­te Net­to­um­satz mit Fremd­pro­duk­ten aller Art nach­hal­tig ein Drit­tel des Net­to­ge­samt­um­sat­zes oder den Höchst­be­trag von 51.500,- € über­steigt. Wird eine die­ser Gren­zen drei Jah­re in Fol­ge über­schrit­ten, führt die gesam­te Ver­kaufs­tä­tig­keit im Hof­la­den ein­schließ­lich des Ver­kaufs von Eigen­pro­duk­ten ab dem vier­ten Jahr zu gewerb­li­chen Ein­künf­ten. Dane­ben ver­bleibt es aber bei land­wirt­schaft­li­chen Ein­künf­ten, soweit der Land­wirt eigen­erzeug­te Pro­duk­te ab Hof in nicht eigens her­ge­rich­te­ten Räu­men an Drit­te ver­kauft. Der bis­he­ri­ge land­wirt­schaft­li­che Betrieb spal­tet sich durch die Han­dels­tä­tig­keit damit in zwei Betrie­be auf, einen land­wirt­schaft­li­chen und einen gewerb­li­chen.

Im Streit­fall wur­den die schäd­li­chen Gren­zen nicht über­schrit­ten, so dass die gesam­te Ver­kaufs­tä­tig­keit im Hof­la­den noch zu land­wirt­schaft­li­chen Ein­künf­ten führ­te.

Damit gilt für Hof­lä­den zukünf­tig Fol­gen­des:

Eine auf dem Hof befind­li­che Ver­kaufs­stel­le oder ein auf dem Hof befind­li­ches Han­dels­ge­schäft (Hof­la­den) und eben­so das räum­lich getrenn­te Han­dels­ge­schäft sind Bestand­tei­le des land­wirt­schaft­li­chen Betriebs, wenn dar­in aus­schließ­lich Eigen­pro­duk­te ver­trie­ben wer­den.

Wer­den in dem Hof­la­den oder dem Han­dels­ge­schäft zuge­kauf­te Pro­duk­te abge­setzt, ent­steht neben dem land­wirt­schaft­li­chen Betrieb ein selb­stän­di­ger Gewer­be­be­trieb, wenn der Net­to­um­satz­an­teil aus den zuge­kauf­ten Pro­duk­ten ein Drit­tel des Net­to­ge­samt­um­sat­zes des Hof­la­dens bzw. des Han­dels­ge­schäfts oder 51 500 € nach­hal­tig über­steigt.

Fremd­pro­duk­te, die im Rah­men des Erzeu­gungs­pro­zes­ses ver­wen­det wer­den, sind nicht in die Ermitt­lung der schäd­li­chen Zukaufs­gren­ze ein­zu­be­zie­hen.

Die nach­hal­ti­ge Über­schrei­tung der Zukaufs­gren­zen führt nur zur Umqua­li­fi­zie­rung sämt­li­cher im Hof­la­den oder Han­dels­ge­schäft getä­tig­ter Umsät­ze.

Das Vor­lie­gen einer nach­hal­ti­gen Über­schrei­tung der Zukaufs­gren­zen beur­teilt sich nach den von der Recht­spre­chung ent­wi­ckel­ten Kri­te­ri­en zum Struk­tur­wan­del im Bereich der Land­wirt­schaft [1].

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 25.03.09 – IV R 21/​06

  1. BFH, Urteil vom 14. Dezem­ber 2006 – IV R 10/​05, BFHE 216, 241, BStBl II 2007, 516[]