Wider­ruf einer Lohn­steu­er­an­ru­fungs­aus­kunft – und die Aus­set­zung der Voll­zie­hung

Der Wider­ruf einer dem Arbeit­ge­ber erteil­ten Lohn­steu­er­an­ru­fungs­aus­kunft (§ 42e EStG) ist ein fest­stel­len­der, aber nicht voll­zieh­ba­rer Ver­wal­tungs­akt [1]. Ein Antrag auf AdV nach § 69 Abs. 3 Satz 1, Abs. 2 Satz 2 FGO ist des­halb nicht statt­haft.

Wider­ruf einer Lohn­steu­er­an­ru­fungs­aus­kunft – und die Aus­set­zung der Voll­zie­hung

Das Gericht der Haupt­sa­che kann nach § 69 Abs. 3 Satz 1 1. Halb­satz FGO auf Antrag die Voll­zie­hung eines ange­foch­te­nen Ver­wal­tungs­ak­tes ganz oder teil­wei­se aus­set­zen. Nach § 69 Abs. 3 Satz 1 2. Halb­satz, Abs. 2 Satz 2 FGO soll dies erfol­gen, wenn ernst­li­che Zwei­fel an der Recht­mä­ßig­keit des ange­foch­te­nen Ver­wal­tungs­ak­tes bestehen. Die Statt­haf­tig­keit eines Antrags auf AdV setzt dabei vor­aus, dass der im Haupt­sa­che­ver­fah­ren ange­foch­te­ne Ver­wal­tungs­akt voll­zieh­bar ist [2].

Der Wider­ruf der Anru­fungs­aus­kunft nach § 42e EStG ist nicht voll­zieh­bar.

Die Lohn­steu­er­an­ru­fungs­aus­kunft nach § 42e EStG trifft ledig­lich eine Rege­lung dahin, wie die Finanz­be­hör­de den vom Antrag­stel­ler dar­ge­stell­ten typi­scher­wei­se hypo­the­ti­schen Sach­ver­halt im Hin­blick auf die Ver­pflich­tung zum Lohn­steu­er­ab­zug gegen­wär­tig beur­teilt [3]. Dem­ge­mäß erschöpft sich der Inhalt des Wider­rufs einer Lohn­steu­er­an­ru­fungs­aus­kunft dar­in, dass das Finanz­amt mit­teilt, von nun an eine ande­re Auf­fas­sung als bis­her zu ver­tre­ten. Die Wir­kung eines Wider­rufs einer Lohn­steu­er­an­ru­fungs­aus­kunft geht damit nicht über die Nega­ti­on des zuvor Erklär­ten hin­aus. Voll­zieh­bar sind jedoch nur sol­che Ver­wal­tungs­ak­te, deren Wir­kung sich nicht auf eine rei­ne Nega­ti­on beschränkt [4]. Ein Antrag auf AdV ist daher nicht statt­haft.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 15. Janu­ar 2015 – VI B 103/​14

  1. Anschluss an BFH, Urteil vom 30.04.2009 – VI R 54/​07, BFHE 225, 50, BStBl II 2010, 996[]
  2. Bir­ken­feld in Hübschmann/​Hepp/​Spitaler, § 69 FGO Rz 220[]
  3. BFH, Urtei­le vom 27.02.2014 – VI R 23/​13, BFHE 244, 572, BStBl II 2014, 894; und vom 07.05.2014 – VI R 28/​13, BFH/​NV 2014, 1734[]
  4. vgl. BFH, Beschluss vom 20.07.2009 – VII S 22/​09, BFH/​NV 2009, 1599[]