Münd­li­che Ver­hand­lung per Video­kon­fe­renz – und die gesi­cher­te Verbindung

Die Durch­füh­rung einer münd­li­chen Ver­hand­lung im Rah­men einer Video­kon­fe­renz nach § 91a Abs. 1 FGO setzt vor­aus, dass zu von außer­halb zuge­schal­te­ten Teil­neh­mern eine gesi­cher­te Ton- und Bild­ver­bin­dung auf­ge­baut wer­den kann, die die Teil­nah­me von Drit­ten außer­halb des Sit­zungs­raums verhindert.

Münd­li­che Ver­hand­lung per Video­kon­fe­renz – und die gesi­cher­te Verbindung

Mit die­ser Begrün­dung hat der Bun­des­fi­nanz­hof den Antrag eines beklag­ten Finanz­am­tes abge­lehnt, sei­nem Ver­tre­ter zu gestat­ten, sich wäh­rend der münd­li­chen Ver­hand­lung am 20.05.2021 in Räu­men des Finanz­amts A auf­hal­ten zu dür­fen und an der münd­li­chen Ver­hand­lung per Video­kon­fe­renz teil­neh­men zu kön­nen. Auf Durch­füh­rung einer münd­li­chen Ver­hand­lung ver­zich­te das Finanz­amt nicht, son­dern ver­wies auf die Mög­lich­keit der Ent­schei­dung durch den Bun­des­fi­nanz­hof im Rah­men einer Video­kon­fe­renz1.

Nach § 121 Satz 1, § 91a Abs. 1 der Finanz­ge­richts­ord­nung kann der Bun­des­fi­nanz­hof den Betei­lig­ten, ihren Bevoll­mäch­tig­ten und Bei­stän­den auf Antrag oder von Amts wegen gestat­ten, sich wäh­rend einer münd­li­chen Ver­hand­lung an einem ande­ren Ort auf­zu­hal­ten und dort Ver­fah­rens­hand­lun­gen vor­zu­neh­men. Die Ver­hand­lung ist dann zeit­gleich in Bild und Ton an die­sen Ort und in das Sit­zungs­zim­mer zu übertragen.

Die Ent­schei­dung, ob eine münd­li­che Ver­hand­lung mit­tels Video­kon­fe­renz durch­ge­führt wird, liegt im Ermes­sen des Gerichts2. Hier­bei ist ins­be­son­de­re die Zumut­bar­keit des Erschei­nens vor Gericht für die Betei­lig­ten zu berück­sich­ti­gen, eben­so das Vor­lie­gen der tech­ni­schen Vor­aus­set­zun­gen für die Durch­füh­rung einer Video­kon­fe­renz, und es ist zu wür­di­gen, ob wesent­li­che Belan­ge gegen die Durch­füh­rung der Video­kon­fe­renz spre­chen3.

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Für die Gestat­tung der Teil­nah­me an der münd­li­chen Ver­hand­lung im Wege einer Video­kon­fe­renz spricht unter den der­zeit herr­schen­den Umstän­den der Coro­na-Pan­de­mie zwar das Risi­ko einer Infek­ti­on der Pro­zess­be­tei­lig­ten und ihrer Bevoll­mäch­tig­ten und Ver­tre­ter wäh­rend der Rei­se an den Gerichts­ort. Auch kann das Risi­ko einer Infek­ti­on wäh­rend der Teil­nah­me an der münd­li­chen Ver­hand­lung nicht voll­stän­dig aus­ge­schlos­sen wer­den, obwohl der Bun­des­fi­nanz­hof zahl­rei­che Vor­keh­run­gen zur Ver­mei­dung einer Infek­ti­on getrof­fen hat.

Gleich­wohl muss der Antrag abge­lehnt wer­den, da der­zeit die von § 91a Abs. 1 FGO gefor­der­ten tech­ni­schen Vor­aus­set­zun­gen im Bun­des­fi­nanz­hof nicht gege­ben sind, um die Ver­hand­lung zeit­gleich in Bild und Ton an einen ande­ren Ort und in das Sit­zungs­zim­mer zu über­tra­gen und einem Betei­lig­ten im Rah­men der Über­tra­gung die Vor­nah­me von Ver­fah­rens­hand­lun­gen zu ermög­li­chen. Ein Anspruch auf Schaf­fung der tech­ni­schen Vor­aus­set­zun­gen ergibt sich aus § 91a FGO nicht4.

Zu Unrecht beruft sich das Finanz­amt auf das Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs vom 10.02.20215. Dort wur­de die Zuläs­sig­keit einer Bera­tung und Abstim­mung durch die Mit­glie­der des Bun­des­fi­nanz­hofs unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen bejaht. Vor­aus­set­zung für die­ses gerichts­in­ter­ne Abstim­mungs- und Ent­schei­dungs­ver­fah­ren auf Grund­la­ge von § 121 Satz 1, § 52 Abs. 1 FGO, §§ 193 bis 197 des Gerichts­ver­fas­sungs­ge­set­zes ist, dass es tech­nisch auf Grund­la­ge einer gesi­cher­ten Daten­ver­bin­dung erfolgt. Die tech­ni­schen Vor­aus­set­zun­gen dafür sind im inter­nen Daten­netz des BFH durch Über­tra­gun­gen mit Ende-zu-Ende-Ver­schlüs­se­lung gege­ben, so dass dem erfor­der­li­chen Geheim­nis­schutz genügt wer­den kann.

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Im Ver­hält­nis zu exter­nen Teil­neh­mern einer Über­tra­gung las­sen sich der­art gesi­cher­te Ton- und Bild­ver­bin­dun­gen mit den zur­zeit vor­han­de­nen tech­ni­schen Mit­teln hin­ge­gen nicht her­stel­len. Dies wäre aber für eine münd­li­che Ver­hand­lung erfor­der­lich, um ins­be­son­de­re die unzu­läs­si­ge Teil­nah­me von Drit­ten außer­halb des die Öffent­lich­keit her­stel­len­den Sit­zungs­raums zu ver­hin­dern6.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 12. Mai 2021 – IV R 31/​18

  1. BFH, Urteil vom 10.02.2021 – IV R 35/​19[]
  2. BFH, Beschluss vom 27.03.2003 – VI B 77/​02, BFH/​NV 2003, 818[]
  3. vgl. BFH, Beschluss vom 12.02.2019 – VIII B 53/​18, Rz 16, m.w.N.[]
  4. BT-Drs. 14/​4061, S. 9[]
  5. BFH, Urteil vom 10.02.2021 – IV R 35/​19, Rz 33 f.[]
  6. vgl. zur Sicher­heit der Über­tra­gung: FG Nürn­berg, Urteil vom 29.01.2014 – 3 K 861/​13, unter I. 2.[]

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