Die Teil­nah­me an Stu­di­en von Phar­ma­un­ter­neh­men – und die Umsatz­steu­er

Die Teil­nah­me an Stu­di­en von Phar­ma­un­ter­neh­men stellt kei­ne umsatz­steu­er­freie Heil­be­hand­lun­gen des Arz­tes im Bereich der Human­me­di­zin dar.

Die Teil­nah­me an Stu­di­en von Phar­ma­un­ter­neh­men – und die Umsatz­steu­er

Der Begriff der "Heil­be­hand­lun­gen im Bereich der Human­me­di­zin" umfasst Leis­tun­gen, die der Dia­gno­se, Behand­lung und, soweit mög­lich, Hei­lung von Krank­hei­ten oder Gesund­heits­stö­run­gen die­nen, das heißt zu dem Zweck erbracht wer­den, die mensch­li­che Gesund­heit zu schüt­zen, auf­recht­zu­er­hal­ten oder wie­der­her­zu­stel­len, wäh­rend "ärzt­li­che Leis­tun­gen", "Maß­nah­men" oder "medi­zi­ni­sche Ein­grif­fe", die zu ande­ren Zwe­cken erfol­gen, kei­ne Heil­be­hand­lung im Bereich der Human­me­di­zin sind [1].

Die Beant­wor­tung der Fra­ge, ob die Leis­tung the­ra­peu­ti­schen oder ande­ren Zwe­cken dient, hängt von den Umstän­den des Ein­zel­falls ab [2]; der Steu­er­pflich­ti­ge, der sich auf die Steu­er­be­frei­ung beruft, trägt inso­weit die Fest­stel­lungs­last [3].

Über­dies war im vor­lie­gen­den Fall der the­ra­peu­ti­sche Zweck der Leis­tun­gen des Arz­tes im Rah­men der Teil­nah­me an den Stu­di­en nicht dar­ge­legt. Dass ‑wie der Arzt vor­bringt- Gegen­stand der Stu­di­en u.a. die bei The­ra­pie­be­ginn übli­chen Ein­gangs­un­ter­su­chun­gen, nach­fol­gen­den Ver­laufs­kon­trol­len sowie die Über­sen­dung von Pati­en­ten­be­fun­den an die Phar­ma­fir­men gewe­sen sein sol­len, ist so nicht tat­säch­lich fest­ge­stellt. Viel­mehr hat der Arzt Stu­di­en­arzt­ver­ein­ba­run­gen nicht vor­le­gen kön­nen und aus der ein­zi­gen vor­ge­leg­ten Stu­di­en­arzt­ver­ein­ba­rung waren the­ra­peu­ti­sche Zwe­cke nicht ein­mal ansatz­wei­se zu erken­nen. Auf­grund des­sen greift auch der Vor­trag des Arz­tes, die Stu­di­en hät­ten "zur Vali­die­rung der the­ra­peu­ti­schen Wir­kung neu ent­wi­ckel­ter The­ra­pien" gedient, nicht durch. Fra­gen, die sich nur stel­len kön­nen, wenn man von einem ande­ren als dem vom Finanz­ge­richt fest­ge­stell­ten Sach­ver­halt aus­geht, kön­nen in einem gedach­ten Revi­si­ons­ver­fah­ren nicht geklärt wer­den [4]. Neu­er Sach­vor­trag kann im Ver­fah­ren der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de kei­ne Berück­sich­ti­gung fin­den [5].

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 11. Dezem­ber 2014 – XI B 49/​14

  1. vgl. zuletzt BFH, Urteil vom 26.08.2014 – XI R 19/​12, www.bundesfinanzhof.de, m.w.N.; sie­he auch zur Erstel­lung von Gut­ach­ten BFH, Urteil vom 08.10.2008 – V R 32/​07, BFHE 222, 184, BStBl II 2009, 429, m.w.N.; EuGH, Urtei­le vom 14.09.2000 – C‑384/​98 ‑D.-, Slg. 2000, I‑6795, BFH/​NV Bei­la­ge 2001, 31, Rz 19; vom 20.11.2003 – C‑12/​01 ‑Unterpertinger‑, Slg. 2003, I‑13859, BFH/​NV Bei­la­ge 2004, 111, Rz 39 ff.; vom 20.11.2003 – C‑307/​01 ‑D´Ambrumenil‑, Slg. 2003, I‑13989, BFH/​NV Bei­la­ge 2004, 115, Rz 57 ff.[]
  2. vgl. BFH, Beschluss vom 29.10.2013 – V B 58/​13, BFH/​NV 2014, 192, Rz 10[]
  3. vgl. zuletzt BFH, Beschlüs­se vom 24.10.2011 – XI B 54/​11, BFH/​NV 2012, 279, Rz 9; vom 08.04.2014 – V B 38/​13, BFH/​NV 2014, 1106, Rz 10[]
  4. vgl. z.B. BFH, Beschluss vom 09.04.2014 – XI B 89/​13, BFH/​NV 2014, 1228, m.w.N.[]
  5. vgl. BFH, Beschluss vom 15.12 2011 – VIII B 14/​11, BFH/​NV 2012, 594, m.w.N.[]