Der Sub­un­ter­neh­mer als Besitz­die­ner – und die Ener­gie­steu­er

Die im natio­na­len Recht ver­an­ker­te Figur der Besitz­die­n­er­schaft kann nicht zur Bestim­mung des Ver­brauch­steu­er­schuld­ners her­an­ge­zo­gen wer­den, weil die VSt­Sys­tRL den­je­ni­gen zur Ver­brauch­steu­er her­an­zie­hen will, der die Sach­herr­schaft über die betref­fen­den Gegen­stän­de aus­übt 1

Der Sub­un­ter­neh­mer als Besitz­die­ner – und die Ener­gie­steu­er

Damit hat der Bun­des­fi­nanz­hof zugleich zu erken­nen gege­ben, dass die uni­ons­recht­li­chen Bestim­mun­gen auto­nom und grund­sätz­lich los­ge­löst von natio­na­len sachen­recht­li­chen Bestim­mun­gen aus­zu­le­gen sind.

Damit erlang­te im hier ent­schie­de­nen Streit­fall der mit dem Trans­port beauf­trag­te Sub­un­ter­neh­mer und damit ein Wirt­schafts­be­tei­lig­ter, der weder eine Erlaub­nis zum Betrieb eines Steuer­la­gers noch eine Ver­tei­ler­er­laub­nis hat­te, die unmit­tel­ba­re Sach­herr­schaft durch kör­per­li­che Auf­nah­me des Schweröls in einen Lager­tank. Bei die­sem Befund ist nicht ersicht­lich, dass auf­grund eines im Licht des Uni­ons­rechts zu deu­ten­den Begriffs der Abga­be davon aus­zu­ge­hen ist, der Lager­in­ha­ber kön­ne tat­säch­lich kei­nen Besitz an der Ware erlangt haben.

Des­halb kommt in den Fäl­len, in denen Ener­gie­er­zeug­nis­se kör­per­lich von einem Nicht­be­rech­tig­ten in eige­ne Lager­stät­ten auf­ge­nom­men wor­den sind, der Fra­ge kei­ne Bedeu­tung mehr zu, ob zur Annah­me der Ver­schaf­fung mit­tel­ba­ren Besit­zes auf natio­na­le sachen­recht­li­che Bestim­mun­gen zurück­ge­grif­fen wer­den kann.

Im Übri­gen ver­wen­den die Richt­li­nie 92/​12/​EWG und die VSt­Sys­tRL den Begriff der Abga­be zur Umschrei­bung der in Art. 6 Abs. 1 Satz 2 Buchst. a RL 92/​12/​EWG und in Art. 7 Abs. 2 Buchst. a VSt­Sys­tRL fest­ge­leg­ten Steu­er­ent­ste­hungs­tat­be­stän­de nicht.

Viel­mehr knüpft die Steu­er­ent­ste­hung an den Realakt der Ent­nah­me aus dem Steu­er­aus­set­zungs­ver­fah­ren und damit aus dem Steuer­la­ger und nicht an Besitz­ver­hält­nis­se an. Bedeu­tung erlangt die Fra­ge nach der Begrün­dung mit­tel­ba­ren Besit­zes erst durch die Rege­lung in § 8 Abs. 1 Satz 2 Ener­gieStG, die zunächst eine Ent­nah­me in den steu­er­recht­lich frei­en Ver­kehr im Sin­ne der vor­ge­nann­ten Richt­li­ni­en­be­stim­mung annimmt, jedoch trotz Ent­nah­me die Rechts­fol­ge der Steu­er­ent­ste­hung in den Fäl­len nicht ein­tre­ten lässt, in denen sich an die Ent­nah­me ein Ver­fah­ren der Steu­er­be­frei­ung nach § 24 Abs. 1 Ener­gieStG anschließt, das in der Abga­be an einen Ver­wen­der oder Ver­tei­ler mit ent­spre­chen­der Erlaub­nis bestehen kann. Bei den Ver­wen­der- und Ver­tei­ler­ver­keh­ren han­delt es sich jedoch um natio­na­le Ver­fah­ren, die im Uni­ons­recht nicht gere­gelt sind, und die die in der VSt­Sys­tRL fest­ge­leg­ten ver­wen­dungs­ori­en­tier­ten Steu­er­ver­güns­ti­gun­gen umset­zen. Bei der ver­fah­rens­tech­ni­schen Aus­ge­stal­tung der Ver­fah­ren sind die Mit­glied­staa­ten frei 2.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 21. Okto­ber 2015 – VII B 39/​15

  1. BFH, Urteil in BFHE 218, 469, ZfZ 2008, 85[]
  2. Schrö­er-Schal­len­berg in Bon­gart­z/Jatz­ke/­Schrö­er-Schal­len­berg, Ener­gieStG, Strom­StG, § 24 Rz 2[]