Die gemeind­li­che Kur­ta­xe­sat­zung

Der Gemein­de­rat als in Baden-Würt­tem­berg zustän­di­ger Orts­ge­setz­ge­ber kann den für die Erhe­bung einer Kur­ta­xe gel­ten­den Kur­ta­xe­satz feh­ler­frei nur auf der Grund­la­ge einer ord­nungs­ge­mä­ßen Kal­ku­la­ti­on fest­set­zen 1. Eine die kur­ta­xe­fä­hi­gen Auf­wen­dun­gen voll­stän­dig erfas­sen­de Kal­ku­la­ti­on ist dabei nicht erfor­der­lich, wenn von der Gemein­de eine vol­le Deckung die­ser Auf­wen­dun­gen nicht ange­strebt wird. Eine nur über­schlä­gi­ge Ermitt­lung der kur­ta­xe­fä­hi­gen Auf­wen­dun­gen reicht viel­mehr aus, wenn sich auch auf ihrer Grund­la­ge mit Sicher­heit fest­stel­len lässt, dass der Kos­ten­de­ckungs­grund­satz sowie das Ver­bot der Dop­pel­fi­nan­zie­rung beach­tet sind 2.

Die gemeind­li­che Kur­ta­xe­sat­zung

Nach § 43 Abs. 1 KAG kön­nen in Baden-Würt­tem­berg Kur­or­te, Erho­lungs­or­te und sons­ti­ge Frem­den­ver­kehrs­ge­mein­den eine Kur­ta­xe erhe­ben, um ihre Kos­ten für die Her­stel­lung und Unter­hal­tung der zu Kur- und Erho­lungs­zwe­cken bereit­ge­stell­ten Ein­rich­tun­gen und für die zu die­sem Zweck durch­ge­führ­ten Ver­an­stal­tun­gen sowie für die – gege­be­nen­falls auch im Rah­men eines über­re­gio­na­len Ver­bunds – den Kur- und Erho­lungs­gäs­ten ein­ge­räum­te Mög­lich­keit der kos­ten­lo­sen Benut­zung des öffent­li­chen Per­so­nen­nah­ver­kehrs zu decken.

Die Kur­ta­xe ist danach eine Kom­mu­nal­ab­ga­be eige­ner Art, die in ers­ter Linie beitrags‑, dane­ben aber auch gebüh­ren­recht­li­che Merk­ma­le auf­weist. Sie wird als Gegen­leis­tung dafür erho­ben, dass dem kur­ta­xe­pflich­ti­gen Per­so­nen­kreis die Mög­lich­keit gebo­ten wird, die zu Kur- und Erho­lungs­zwe­cken bereit­ge­stell­ten Ein­rich­tun­gen der Gemein­de zu benut­zen sowie die für den glei­chen Zweck durch­ge­führ­ten Ver­an­stal­tun­gen zu besu­chen, und dient der Deckung des Auf­wands, der der Gemein­de für die Her­stel­lung und Unter­hal­tung bzw. die Durch­füh­rung der genann­ten Ein­rich­tun­gen und Ver­an­stal­tun­gen ent­steht. Die Höhe der Kur­ta­xe ist somit durch den der Gemein­de inso­weit ent­ste­hen­den Auf­wand begrenzt. Der Gemein­de­rat als zustän­di­ger Orts­ge­setz­ge­ber kann den Kur­ta­xe­satz feh­ler­frei nur auf der Grund­la­ge einer ord­nungs­ge­mä­ßen Kal­ku­la­ti­on fest­set­zen. Denn nur auf der Basis einer sol­chen Kal­ku­la­ti­on, in der u.a. in nach­voll­zieh­ba­rer Wei­se dar­zu­stel­len ist, wel­cher kur­ta­xe­fä­hi­ge Auf­wand für die Her­stel­lung und Unter­hal­tung bestimm­ter Ein­rich­tun­gen oder die Durch­füh­rung bestimm­ter Ver­an­stal­tun­gen wäh­rend des Kal­ku­la­ti­ons­zeit­raums vor­aus­sicht­lich ent­ste­hen wird, kann der Orts­ge­setz­ge­ber ermes­sens­feh­ler­frei ent­schei­den, in wel­cher Höhe die­ser Auf­wand durch eine Kur­ta­xe abge­deckt wer­den soll 3.

In die Kal­ku­la­ti­on sind zum einen die kur­ta­xe­fä­hi­gen Kos­ten ein­zu­stel­len, die der Gemein­de wäh­rend des Kal­ku­la­ti­ons­zeit­raums vor­aus­sicht­lich ent­ste­hen und die sie auf den Kreis der Abga­ben­schuld­ner umle­gen will. Die kur­ta­xe­fä­hi­gen Maß­nah­men wer­den in § 43 Abs. 1 S. 1 KAG nur all­ge­mein beschrie­ben. Bereits des­halb ist es uner­läss­lich, dass in der Kal­ku­la­ti­on dar­ge­stellt wird, wel­che kur­ta­xe­fä­hi­gen Kos­ten der Gemein­de im Kal­ku­la­ti­ons­zeit­raum im Ein­zel­nen vor­aus­sicht­lich ent­ste­hen wer­den. Hin­zu kommt, dass kur­ta­xe­fä­hi­ge Maß­nah­men, etwa die Bereit­stel­lung von Infra­struk­tur­ein­rich­tun­gen für den Frem­den­ver­kehr oder die Durch­füh­rung von Ver­an­stal­tun­gen für orts­frem­de Gäs­te, sowohl aus dem Kur­ta­xe­auf­kom­men als auch über sons­ti­ge Abga­ben (Frem­den­ver­kehrs­bei­trä­ge, Benut­zungs­ge­büh­ren, pri­vat­recht­li­che Ent­gel­te) finan­ziert wer­den kön­nen. Um eine Dop­pel­fi­nan­zie­rung aus­zu­schlie­ßen, muss des­halb in der Kal­ku­la­ti­on dar­ge­stellt wer­den, auf wel­che Wei­se die kur­ta­xe­fä­hi­gen Kos­ten im Ein­zel­nen finan­ziert wer­den sol­len. Eine die kur­ta­xe­fä­hi­gen Auf­wen­dun­gen voll­stän­dig erfas­sen­de Kal­ku­la­ti­on ist dabei nicht erfor­der­lich, wenn von der Gemein­de – wie im vor­lie­gen­den Fall – eine vol­le Deckung die­ser Auf­wen­dun­gen nicht ange­strebt wird. Eine nur über­schlä­gi­ge Ermitt­lung der kur­ta­xe­fä­hi­gen Auf­wen­dun­gen reicht viel­mehr aus, wenn sich auch auf ihrer Grund­la­ge mit Sicher­heit fest­stel­len lässt, dass der Kos­ten­de­ckungs­grund­satz sowie das Ver­bot der Dop­pel­fi­nan­zie­rung beach­tet sind 4.

Den kur­ta­xe­fä­hi­gen Kos­ten ist in der Kal­ku­la­ti­on das Auf­kom­men gegen­über­zu­stel­len, das die Gemein­de unter Anwen­dung der sat­zungs­recht­li­chen Rege­lung vor­aus­sicht­lich erzie­len wird. Dies setzt die voll­stän­di­ge Erfas­sung der­je­ni­gen Per­so­nen vor­aus, die nach der sat­zungs­recht­li­chen Rege­lung als Abga­ben­schuld­ner in Betracht kom­men 5.

Beim Erlass einer Kur­ta­xe­sat­zung bedarf es einer – im Nor­mal­fall auf pro­gnos­ti­schen Annah­men beru­hen­den – Vor­aus­kal­ku­la­ti­on, bei der die vor­aus­sicht­li­chen kur­ta­xe­fä­hi­gen Gesamt­kos­ten dem für den­sel­ben Zeit­raum zu erwar­ten­den, durch die Zahl der vor­aus­sicht­li­chen (kur­ta­xere­le­van­ten) Über­nach­tun­gen bestimm­ten Kur­ta­xe­auf­kom­men ein­an­der gegen­über gestellt wer­den müs­sen. Das gilt im Grund­satz auch für eine – wie im vor­lie­gen­den Fall – rück­wir­kend erlas­se­ne Kur­ta­xe­sat­zung. Soweit im Zeit­punkt des Erlas­ses einer sol­chen Sat­zung die kur­ta­xe­fä­hi­gen Gesamt­kos­ten oder die Zahl der (kur­ta­xere­le­van­ten) Über­nach­tun­gen fest­ste­hen, ist jedoch für eine nach­träg­li­che Pro­gno­se kein Raum mehr. Die auch in einem sol­chen Fall erfor­der­li­che Kal­ku­la­ti­on hat daher an Stel­le von Pro­gno­sen auf die tat­säch­li­chen Wer­te zurück­zu­grei­fen 6.

Dem steht nicht ent­ge­gen, dass auch die – auf den Erhe­bun­gen nach dem Beher­ber­gungs­sta­tis­tik­ge­setz beru­hen­de – Beher­ber­gungs­sta­tis­tik nach der dazu erbe­te­nen Aus­kunft des Sta­tis­ti­schen Lan­des­amts kei­ne abso­lu­te Genau­ig­keit für sich in Anspruch neh­men kann, da sie sich zum einen in dem hier rele­van­ten Zeit­raum nur auf Über­nach­tun­gen in Betrie­ben mit min­des­tens neun fest­ste­hen­den Bet­ten bzw. auf Cam­ping­plät­zen mit min­des­tens drei Stell­plät­zen für den Durch­gangs­rei­se­ver­kehr bezieht und zum ande­ren kei­ne voll­stän­di­ge Sicher­heit besteht, dass sämt­li­che der genann­ten Betrie­be und Cam­ping­plät­ze erfasst wer­den. Unge­nau­ig­kei­ten kön­nen ins­be­son­de­re durch das Hin­zu­kom­men neu­er Betrie­be ent­ste­hen. Die der Beher­ber­gungs­sta­tis­tik inso­weit anhaf­ten­den Unsi­cher­hei­ten ändern aber nichts dar­an, dass die dort auf­ge­führ­ten Zah­len ein wesent­lich höhe­res Maß an Genau­ig­keit bie­ten als eine blo­ße Schät­zung auf unbe­kann­ter Grund­la­ge.

Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 21. März 2012 – 2 S 1418/​11

  1. im Anschluss an VGH Bad.-Württ., Urteil vom 19.03.1998 – 2 S 669/​94[]
  2. im Anschluss an VGH Bad.-Württ., Urtei­le vom 11.12.1997 – 2 S 3247/​96, NVwZ-RR 1999, 266; und vom 04.12.2003 – 2 S 2669/​02, NVwZ-RR 2004, 293 zur Kal­ku­la­ti­on eines Frem­den­ver­kehrs­bei­trags[]
  3. VGH Bad.-Württ., Urteil vom 19.03.1998 – 2 S 669/​94[]
  4. vgl. VGH Bad.-Württ., Urtei­le vom 11.12.1997 – 2 S 3247/​96, NVwZ-RR 1999, 266; und vom 04.12.2003 – 2 S 2669/​02, NVwZ-RR 2004, 293 zur Kal­ku­la­ti­on eines Frem­den­ver­kehrs­bei­trags[]
  5. vgl. VGH Bad.-Württ., Urteil vom 11.12.1997, aaO, zur Kal­ku­la­ti­on des Frem­den­ver­kehrs­bei­trags; Urteil vom 19.3.1998 – 2 S 669/​94[]
  6. vgl. VGH Bad.-Württ., Urteil vom 10.02.2011 – 2 S 2251/​10; BayVGH, Urteil vom 02.04.2004 – 4 N 00.1645, NVwZ-RR 2005, 281; Nds. OVG, Urteil vom 08.08.1990 – 9 L 182/​99, NVwZ-RR 1991, 383[]

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