EEG-Strom­kos­ten­ent­las­tung im Jahr der Pro­duk­ti­ons­auf­nah­me

Strom­in­ten­siv pro­du­zie­ren­de Unter­neh­men kön­nen nach dem Gesetz für den Vor­rang Erneu­er­ba­rer Ener­gi­en (EEG) in der von 2004 bis 2008 gel­ten­den Fas­sung für das Jahr der Pro­duk­ti­ons­auf­nah­me noch kei­ne Ent­las­tung von den Mehr­kos­ten des Stroms aus erneu­er­ba­ren Ener­gi­en bean­spru­chen.

EEG-Strom­kos­ten­ent­las­tung im Jahr der Pro­duk­ti­ons­auf­nah­me

Dies ent­schied jetzt das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in dem Fall einer Klä­ge­rin, die eine Papier­fa­brik betreibt, die einen hohen Ener­gie­ein­satz erfor­dert. Für das Jahr 2005, in dem die Pro­duk­ti­on auf­ge­nom­men wur­de, bean­trag­te sie im Som­mer 2004 eine Ent­las­tung von den hohen Strom­kos­ten, die sich aus der gesetz­li­chen Ver­pflich­tung zur Abnah­me und Ver­gü­tung von Strom aus erneu­er­ba­ren Ener­gi­en erga­ben. Das Gesetz sah zwar eine Aus­gleichs­re­ge­lung zur Ent­las­tung strom­in­ten­siv pro­du­zie­ren­der Unter­neh­men vor. Es ver­lang­te dazu aber den Nach­weis eines hohen Strom­ver­brauchs und wei­te­rer Ent­las­tungs­vor­aus­set­zun­gen für das jeweils letz­te abge­schlos­se­ne Geschäfts­jahr. Da die Klä­ge­rin bei Ablauf der Antrags­frist im Jahr 2004 nur eine Pro­gno­se für das Jahr 2005 auf der Basis der Daten einer ande­ren Fabrik vor­le­gen konn­te, lehn­te die Beklag­te eine Ent­las­tung für die­ses Jahr ab. Dage­gen hat die Klä­ge­rin Kla­ge erho­ben und gel­tend gemacht, die Wett­be­werbs­frei­heit und der Gleich­be­hand­lungs­grund­satz ver­lang­ten eine erwei­tern­de Aus­le­gung der gesetz­li­chen Rege­lung zuguns­ten neu gegrün­de­ter Betrie­be. Die­se Kla­ge ist sowohl vor dem erst­in­stanz­lich hier­mit befass­tem Ver­wal­tungs­ge­richt Frank­furt am Main 1 wie auch in der Beru­fungs­in­stanz vor dem Hes­si­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hof 2 erfolg­los geblie­ben.

Mit der vom Hes­si­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hof zuge­las­se­nen Revi­si­on macht die Klä­ge­rin gel­tend, neu gegrün­de­te Unter­neh­men müss­ten bereits im Jahr der Pro­duk­ti­ons­auf­nah­me ent­las­tet wer­den. Eine ent­spre­chen­de, erwei­tern­de Aus­le­gung der Aus­gleichs­re­ge­lung sei im Hin­blick auf die Berufs­aus­übungs­frei­heit und die Wett­be­werbs­gleich­heit ver­fas­sungs­recht­lich gebo­ten.

Die­ser Argu­men­ta­ti­on folg­te das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt jedoch nicht, auch die Revi­si­on blieb beim Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ohne Erfolg: Die gesetz­li­che Rege­lung, so das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, knüp­fe die Ent­las­tung an den Nach­weis von Vor­aus­set­zun­gen für das letz­te abge­schlos­se­ne Geschäfts­jahr vor Ablauf der Antrags­frist, um eine Pri­vi­le­gie­rung ein­zel­ner Unter­neh­men nur auf ver­läss­li­cher Daten­grund­la­ge zuzu­las­sen.

Dies erüb­ri­ge nach­träg­li­che Kor­rek­tu­ren und die­ne auch dem Schutz der übri­gen Strom­ver­brau­cher, auf die die Ent­las­tungs­kos­ten abge­wälzt wür­den. Die Beschrän­kung der Pri­vi­le­gie­rung durch die Nach­weis­pflicht sei ver­fas­sungs­ge­mäß. Ob das gesetz­li­che Nach­wei­s­er­for­der­nis die Klä­ge­rin in ihrer Berufs- oder Wett­be­werbs­frei­heit oder nur in ihrem Recht auf Gleich­be­hand­lung betref­fe, kön­ne offen blei­ben. Kei­ne die­ser Gewähr­leis­tun­gen ver­lan­ge eine sofor­ti­ge Ein­be­zie­hung neu gegrün­de­ter Unter­neh­men in die Begüns­ti­gung.

Ihr zeit­lich begrenz­ter Aus­schluss von der Ent­las­tung sei nicht will­kür­lich, son­dern sach­lich gerecht­fer­tigt. Er ermög­li­che einen ver­läss­li­chen, für alle Unter­neh­men glei­chen Nach­weis der Pri­vi­le­gie­rungs­vor­aus­set­zun­gen. Die Nach­weis­pflicht sei geeig­net und erfor­der­lich, die Begüns­ti­gung ent­spre­chend dem Geset­zes­zweck den Unter­neh­men vor­zu­be­hal­ten, deren Strom­ver­brauch nicht nur kurz­fris­tig stark erhöht sei. Dies schüt­ze gleich­zei­tig die nicht pri­vi­le­gier­ten Letzt­ver­brau­cher vor unge­recht­fer­tig­ten Mehr­be­las­tun­gen. Die Nach­tei­le, die den Unter­neh­men aus dem Auf­schub der Begüns­ti­gung erwüch­sen, sei­en für die­se auch nicht unzu­mut­bar.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 31. Mai 2011 – 8 C 52.09

  1. VG Frank­furt am Main, Urteil vom 13. März 2008 – 1 E 1860/​07 (1) []
  2. Hess. VGH, Urteil vom 14. Okto­ber 2009 – 6 A 1002/​08[]