Kraft­fahr­zeug­steu­er­be­frei­ung für Trek­ker, Mäh­dre­scher & Co.

Von der Kraft­fahr­zeug­steu­er befreit sind Son­der­fahr­zeu­ge i.S. des § 3 Nr. 7 Satz 1 Buchst. a und b i.V.m. Satz 2 Kraft­StG nur dann, wenn sie „ihrer Art nach“ aus­schließ­lich geeig­net und bestimmt sind, in der Land- oder Forst­wirt­schaft anfal­len­de Leis­tun­gen zu erbrin­gen. Fahr­zeu­ge, die auch in Gewer­be­be­trie­ben, z.B. in Betrie­ben der gewerb­li­chen Vieh­wirt­schaft ein­ge­setzt wer­den kön­nen, sind kei­ne Son­der­fahr­zeu­ge für die Land­wirt­schaft i.S. des § 3 Nr. 7 Satz 1 Buchst. a und b Kraft­StG.

Kraft­fahr­zeug­steu­er­be­frei­ung für Trek­ker, Mäh­dre­scher & Co.

Nach § 3 Nr. 7 Satz 1 Buchst. a und b Kraft­StG ist das Hal­ten von Son­der­fahr­zeu­gen von der Kraft­fahr­zeug­steu­er befreit, solan­ge die­se Fahr­zeu­ge aus­schließ­lich in land- oder forst­wirt­schaft­li­chen Betrie­ben oder zur Durch­füh­rung von Lohn­ar­bei­ten für land- oder forst­wirt­schaft­li­che Betrie­be ver­wen­det wer­den. Nach § 3 Nr. 7 Satz 2 Kraft­StG gel­ten als Son­der­fahr­zeu­ge sol­che Fahr­zeu­ge, die nach ihrer Bau­art und ihren beson­de­ren, mit ihnen fest ver­bun­de­nen Ein­rich­tun­gen nur für einen der in § 3 Nr. 7 Kraft­StG bezeich­ne­ten Ver­wen­dungs­zwe­cke geeig­net und bestimmt sind.

Der Wort­laut des § 3 Nr. 7 Kraft­StG und der im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren deut­lich gewor­de­ne Wil­le des Gesetz­ge­bers, land- und forst­wirt­schaft­li­che Betrie­be zu begüns­ti­gen, setzt dem Anwen­dungs­be­reich der Vor­schrift enge Gren­zen [1]. Als Son­der­fahr­zeu­ge gel­ten danach nur sol­che Fahr­zeu­ge, die sich objek­tiv nur für den begüns­tig­ten Zweck eig­nen, ohne dass bei ihnen eine ander­wei­ti­ge „sinn­voll-prak­ti­sche“ Ver­wen­dung tat­säch­lich in Betracht kommt, es sei denn, die­se ande­re Ver­wen­dung erscheint ange­sichts der Bau­art und Ein­rich­tung des Fahr­zeugs ent­ge­gen sei­ner vor­ge­ge­be­nen Bestim­mung und eigent­li­chen Eig­nung „völ­lig zweck­fremd“ [2].

Die enge Bezie­hung zu den Tätig­kei­ten, die zu einem land- und forst­wirt­schaft­li­chen Betrieb gehö­ren und des­sen Wesen gera­de aus­ma­chen (Nut­zung des Bodens für die Erzeu­gung von Pro­duk­ten durch Auf­zucht von Pflan­zen und Tie­ren) [3], recht­fer­tigt danach eine Befrei­ung von der Kraft­fahr­zeug­steu­er für Fahr­zeu­ge, die aus­schließ­lich geeig­net und bestimmt sind, „ihrer Art nach“ nur in der Land- oder Forst­wirt­schaft anfal­len­de Leis­tun­gen zu erbrin­gen [4]. Fahr­zeu­ge, die auch in Betrie­ben ein­ge­setzt wer­den kön­nen, die kei­ne land­wirt­schaft­li­chen Betrie­be sind, wie z.B. Betrie­be der gewerb­li­chen Vieh­wirt­schaft, sind dem­nach kei­ne Son­der­fahr­zeu­ge für die Land­wirt­schaft i.S. des § 3 Nr. 7 Satz 1 Buchst. a Kraft­StG [5].

Der Steu­er­ver­güns­ti­gung steht zwar nicht der Umstand ent­ge­gen, dass das strei­ti­ge Fahr­zeug nicht zum Betriebs­ver­mö­gen eines land- und forst­wirt­schaft­li­chen Betriebs, son­dern eines Lohn­un­ter­neh­mens und damit eines Gewer­be­be­triebs gehört (vgl. § 3 Nr. 7 Satz 1 Buchst. b Kraft­StG; BFH, Urteil vom 01.03.2001 – VII R 79/​99, BFHE 194, 473, BStBl II 2001, 424). Der selbst­fah­ren­de Fut­ter­misch­wa­gen ist aber des­halb kein „Son­der­fahr­zeug“ i.S. des § 3 Nr. 7 Satz 1 Buchst. a Kraft­StG, da es bei der hier maß­ge­ben­den objek­tiv abs­trak­ten Betrach­tung nach sei­ner Bau­art und Ein­rich­tung auch in einem Betrieb gewerb­li­cher Rin­der­hal­tung und nicht nur in der land- und forst­wirt­schaft­li­chen Urpro­duk­ti­on zum Ein­satz kom­men könn­te und selbst bei Zuge­hö­rig­keit des Fahr­zeugs zu einem Betriebs­ver­mö­gen eines land- und forst­wirt­schaft­li­chen Betriebs die Ver­güns­ti­gung zu ver­sa­gen wäre.

Die abs­trak­te Ver­wen­dungs­mög­lich­keit des streit­ge­gen­ständ­li­chen Fahr­zeugs im Rah­men der gewerb­li­chen Rin­der­hal­tung ist nicht nur theo­re­tisch denk­bar, son­dern wäre auch kon­kret sinn­voll. Die Betriebs­ab­läu­fe bei der Mast oder Zucht glei­chen bei einer gewerb­li­chen Rin­der­hal­tung denen in einem land­wirt­schaft­li­chen Betrieb, in dem das für das Vieh benö­tig­te Fut­ter selbst pro­du­ziert wird. In bei­den Fäl­len gilt es, das ein­ge­la­ger­te Fut­ter (Gras- oder Mais­si­la­ge) abzu­frä­sen, auf­zu­be­rei­ten und an die Tie­re por­ti­ons­ge­recht aus­zu­ge­ben. Dabei kommt es nicht dar­auf an, ob es Betrie­be mit gewerb­li­cher Rin­der­hal­tung in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land tat­säch­lich gibt [6]. Maß­geb­lich ist allein, ob Fut­ter­misch­wa­gen in Betrie­ben mit gewerb­li­cher Rin­der­hal­tung sinn­voll zum Ein­satz kom­men könn­ten. Bei der kraft­fahr­zeug­steu­er­recht­li­chen Wür­di­gung bleibt nur eine völ­lig zweck­frem­de Nut­zungs­mög­lich­keit unbe­rück­sich­tigt [7].

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 16. Juli 2014 – II R 39/​12

  1. BFH, Urtei­le vom 02.12 2003 – VII R 26/​02, BFHE 204, 320, BStBl II 2004, 525; vom 22.06.2004 – VII R 42/​03, BFHE 206, 383, BStBl II 2004, 903, und BFH, Beschluss vom 16.06.2008 – II B 83/​07, BFH/​NV 2008, 1706[]
  2. BFH, Beschluss in BFH/​NV 2008, 1706, m.w.N.[]
  3. vgl. BFH, Urteil in BFHE 206, 383, BStBl II 2004, 903[]
  4. vgl. BFH, Urteil in BFHE 206, 383, BStBl II 2004, 903 zu Trans­port­fahr­zeu­gen in der Forst­wirt­schaft[]
  5. BFH, Urteil in BFHE 204, 320, BStBl II 2004, 525[]
  6. a.A. FG Mün­chen, Urteil vom 03.05.2006 – 4 K 1153/​04, EFG 2006, 1367[]
  7. BFH, Beschluss vom 19.11.1998 – VII B 127/​98, BFH/​NV 1999, 673, und BFH, Urteil in BFHE 204, 320, BStBl II 2004, 525[]