PKW-Tür­me

Ein nach Art eines Hoch­re­gal­la­gers genutz­ter Pkw-Turm ohne fes­te Ebe­nen und Geschos­se ist bei der Ermitt­lung des Ein­heits­wer­tes für ein Betriebs­grund­stück außer Ansatz zu las­sen.

PKW-Tür­me

Die Klä­ge­rin in einem jetzt vom Finanz­ge­richt Müns­ter ent­schie­de­nen Fall betreibt ein Auto­haus. Sie errich­te­te einen ver­glas­ten Pkw-Turm als Anbau an eine bestehen­de Aus­stel­lungs­hal­le. Der Pkw-Turm ver­fügt über zwei Schie­be­tü­ren zur Aus­stel­lungs­hal­le und eine Schie­be­tür zum Hof. Im Inne­ren des Turms befin­den sich kei­ne fes­ten Ebe­nen oder Geschos­se. Die Fahr­zeu­ge wer­den im Turm auf Palet­ten gela­gert, die bei der Ein- und Aus­la­ge­rung über eine Hebe­vor­rich­tung zu den Schie­be­tü­ren beför­dert wer­den. Hin­ter den Schie­be­tü­ren befin­det sich der Auf­zug­schacht; die Schie­be­tü­ren öff­nen sich nur, wenn hin­ter der Tür eine Palet­te bereit­steht.

Das Finanz­amt ver­trat die Auf­fas­sung, bei dem Pkw-Turm han­de­le es sich um ein Gebäu­de in Form einer Aus­stel­lungs­hal­le. Es erhöh­te dem­entspre­chend den Ein­heits­wert und – dar­aus fol­gend – den Grund­steu­er-Mess­be­trag für das Betriebs­grund­stück der Klä­ge­rin. Die Klä­ge­rin mach­te dem­ge­gen­über gel­tend, der Pkw-Turm sei nicht als Gebäu­de, son­dern sog. Betriebs­vor­rich­tung in Form eines Hoch­re­gal­la­gers anzu­se­hen, die bei der Bemes­sung des Ein­heits­wer­tes außer Ansatz zu las­sen sei.

Das Finanz­ge­richt Müns­ter folg­te der Argu­men­ta­ti­on der Klä­ge­rin und gab der Kla­ge statt. Zur Begrün­dung führ­te es aus, der Pkw-Turm stel­le kein Gebäu­de dar, weil er für einen nicht nur vor­über­ge­hen­den Auf­ent­halt von Men­schen nicht geeig­net sei. Dies fol­ge dar­aus, dass sich in dem Turm kei­ne fes­ten Ebe­nen oder Geschos­se, son­dern ledig­lich die für die Lage­rung der Fahr­zeu­ge erfor­der­li­chen Palet­ten befän­den. Ein Zugang von Men­schen zum Turm sei nur wäh­rend der Ein- oder Aus­la­ge­rung von Fahr­zeu­gen mög­lich, weil sich nur dann eine Palet­te vor der betref­fen­den Schie­be­tür befin­de. Wür­den die Türen zu einem ande­ren Zeit­punkt geöff­net, dro­he ein tie­fer Sturz in den Auf­zug­schacht. In Anbe­tracht des­sen sei es von unter­ge­ord­ne­ter Bedeu­tung, dass der Turm beim Be- und Ent­la­den der Palet­ten tat­säch­lich für kur­ze Zeit von Men­schen betre­ten wer­de.

Das Urteil ist nicht rechts­kräf­tig, die Revi­si­on gegen das Urteil ist unter dem Akten­zei­chen II R 7/​08 beim Bun­des­fi­nanz­hof anhän­gig.

Finanz­ge­richt Müns­ter, Urteil vom 13. Dezem­ber 2007 – 3 K 510/​05 Ew, EW