Schad­stoff­ar­me Trikes

Schad­stoff­ar­me Trikes unter­lie­gen seit dem 1. Juli 2010 auf­grund des Wort­lauts des 5. Kraft­StÄndG deut­lich höhe­ren Steu­er­sät­zen, obwohl die Geset­zes­be­grün­dung für die Bei­be­hal­tung der bis­he­ri­gen Besteue­rung spricht.

Schad­stoff­ar­me Trikes

Die Kraft­fahr­zeug­be­steue­rung von drei­räd­ri­gen und leich­ten vier­räd­ri­gen Kraft­fahr­zeu­gen ist mit dem 5. Kraft­StAndG neu gere­gelt wor­den.

Gemäß § 8 Nr. 1b Kraft­StG bemisst sich die Kraft­fahr­zeug­steu­er bei drei­räd­ri­gen und leich­ten vier­räd­ri­gen Kraft­fahr­zeu­gen mit Hub­kol­ben­mo­to­ren, die unter den Anwen­dungs­be­reich der Richt­li­nie 97/​24/​EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 17.06.1997 über bestimm­te Bau­tei­le und Merk­ma­le von zwei­räd­ri­gen oder drei­räd­ri­gen Kraft­fahr­zeu­gen fal­len, nach dem Hub­raum und den Schad­stoff­emis­sio­nen. Die Jah­res­steu­er beträgt nach § 9 Abs. 1 Nr. 2b Buchst. a) Dop­pel­buchst. aa) Kraft­StG für drei­räd­ri­ge und leich­te vier­räd­ri­ge Kraft­fahr­zeu­ge mit durch Fremd­zün­dung ange­trie­be­nen Hub­kol­ben­mo­to­ren, die unter den Anwen­dungs­be­reich der Richt­li­nie 97/​24/​EG fal­len, 21,07 € für je 100 ccm Hub­raum oder einen Teil davon, sofern sie die ver­bind­li­chen Grenz­wer­te nach Zei­le A (2003) der Tabel­le zu Num­mer 2.2.01.1.5 in Kapi­tel 5 Anhang II der Richt­li­nie 97/​24/​EG (Trike-Grenz­wer­te) ein­hal­ten. Hal­ten die­se die genann­ten Trike-Grenz­wer­te nicht ein, gilt ein Steu­er­ta­rif von 25,36 €.

U.a. für durch Hub­kol­ben­mo­to­ren ange­trie­be­ne Pkw mit erst­ma­li­ger Zulas­sung bis zum 30.06.2009 bemisst sich die Kraft­fahr­zeug­steu­er gemäß § 8 Nr. 1 Buchst. a) Kraft­StG nach dem Hub­raum sowie den Schad­stoff- und Koh­len­di­oxid­emis­sio­nen. Sofern die­se Pkw durch Fremd­zün­dungs­mo­tor ange­trie­ben wer­den, als schad­stoff­arm aner­kannt sind, und die Schad­stoff­grenz­wer­te der soge­nann­ten Euro 2‑Norm für Pkw ein­hal­ten, beträgt die Jah­res­steu­er gemäß § 9 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. a) Dop­pel­buchst. bb) Kraft­StG 7,36 € je 100 ccm Hub­raum oder einem Teil davon 1. Abge­stuft nach der Ein­hal­tung von Schad­stoff­grenz­wer­ten gab es ins­ge­samt fünf unter­schied­li­che Steu­er­ta­ri­fe. Die­se betra­gen bei Fremd­zün­dungs­mo­to­ren 6,675 €, 7,36 €, 15,13 €, 21,07 € und 25,36 € je 100 ccm Hub­raum oder einem Teil davon. Der Steu­er­satz von 21,07 € kommt dabei zur Anwen­dung, wenn das Fahr­zeug nicht als schad­stoff­arm oder bedingt schad­stoff­arm aner­kannt ist und ein Ver­kehrs­ver­bot bei erhöh­ten Ozon­kon­zen­tra­tio­nen nach § 40 c des Bun­des­im­mis­si­ons­schutz­ge­set­zes in der bis zum 31.12.1999 gel­ten­den Fas­sung nicht galt.

In der unmit­tel­bar vor Inkraft­tre­ten des 5. Kraft­StÄndG anwend­ba­ren Fas­sung des Kraft­fahr­zeug­steu­er­ge­set­zes (Kraft­StG 2009) war noch kei­ne Spe­zi­al­re­ge­lung für drei­räd­ri­ge und leich­te vier­räd­ri­ge Kraft­fahr­zeu­ge ent­hal­ten. Die Rege­lung für bis zum 30.06.2009 erst­mals zuge­las­se­ne PKW (ein­schließ­lich drei­räd­ri­ge und leich­te vier­räd­ri­ge Kraft­fahr­zeu­ge) in §§ 8 Nr. 1 Buchst. a), 9 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. a) Dop­pel­buchst. bb) Kraft­StG 2008 ent­sprach –abge­se­hen von redak­tio­nel­len Unter­schie­den – der in §§ 8 Nr. 1 Buchst. a, 9 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. a) Dop­pel­buchst. bb) Kraft­StG. Daher betrug die Jah­res­steu­er für drei­räd­ri­ge und leich­te vier­räd­ri­ge Kraft­fahr­zeu­ge mit Fremd­zün­dungs­mo­tor, die als schad­stoff­arm aner­kannt waren und den Anfor­de­run­gen der Euro 2‑Norm genüg­ten, 7,36 € je 100 ccm Hub­raum oder einem Teil davon.

Für nach dem 30.06.2009 zuge­las­se­ne Pkw bemisst sich die Kraft­fahr­zeug­steu­er sowohl nach § 8 Nr. 1 Buchst. b) Kraft­StG als auch nach § 8 Nr. 1 Buchst. b) Kraft­StG 2009 nach den Koh­len­di­oxid­emis­sio­nen und dem Hub­raum. Vor dem Inkraft­tre­ten des 5. Kraft­StÄndG unter­fie­len auch nach dem 30.06.2009 zuge­las­se­ne drei­räd­ri­ge und leich­te vier­räd­ri­ge Kraft­fahr­zeu­ge der Besteue­rung nach den Koh­len­di­oxid­emis­sio­nen und dem Hub­raum, da sie der Rege­lung für Pkw unter­fie­len 2.

Die Son­der­re­ge­lung für drei­räd­ri­ge und leich­te vier­räd­ri­ge Kraft­fahr­zeu­ge wur­de durch das 5. Kraft­StÄndG ein­ge­führt, weil die Besteue­rung nach den Koh­len­di­oxid­emis­sio­nen und dem Hub­raum –die wie bei allen nach dem 30.06.2009 zuge­las­se­nen Pkw auch für drei­räd­ri­ge und leich­te vier­räd­ri­ge Kraft­fahr­zeu­ge vor­ge­schrie­ben war– für die­se nicht prak­ti­ka­bel war. Der von der Zulas­sungs­be­hör­de fest­ge­stell­te und im Fahr­zeug­schein aus­ge­wie­se­ne Wert für die Koh­len­di­oxid­emis­si­on ist Grund­la­ge für die Anwen­dung des Steu­er­ta­rifs und wird von der Zulas­sungs­stel­le den Finanz­äm­tern mit­ge­teilt. Bei zulas­sungs­pflich­ti­gen drei­räd­ri­gen und leich­ten vier­räd­ri­gen Kraft­fahr­zeu­gen ist jedoch, anders als bei ande­ren Pkw, für die Fahr­zeug­zu­las­sung kei­ne Mes­sung von Koh­len­di­oxid­emis­sio­nen erfor­der­lich. Ein zutref­fen­der Wert für die Koh­len­di­oxid­emis­si­on wur­de daher weder ermit­telt noch den Finanz­be­hör­den über­mit­telt. Damit die Finanz­be­hör­den nicht selbst einen Wert ermit­teln muss­ten, tru­gen die Zulas­sungs­be­hör­den –das Ver­fah­ren war mit dem Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um abge­stimmt– als Koh­len­di­oxid­emis­si­ons­wert den Wert „001“ ein und über­mit­tel­ten die­sen Wert den Finanz­be­hör­den, die ihn der Besteue­rung zugrun­de leg­ten 2. Mit Ein­fü­gung des § 8 Nr. 1b Kraft­StG war sicher­ge­stellt, dass sich die Steu­er bei zulas­sungs­pflich­ti­gen drei­räd­ri­gen und leich­ten vier­räd­ri­gen Kraft­fahr­zeu­ge –wie bis­her bei bis zum 30.06.2009 zuge­las­se­nen Fahr­zeu­gen, und anders als bei nach dem 30.06.2009 zuge­las­se­nen Fahr­zeu­gen– ledig­lich nach dem Hub­raum und den Schad­stoff­emis­sio­nen bemisst.

Die Geset­zes­be­grün­dung zur Neu­re­ge­lung für drei­räd­ri­ge und leich­te vier­räd­ri­ge Kraft­fahr­zeu­ge in § 8 Kraft­StG lau­tet wie folgt: „Zulas­sungs­pflich­ti­ge drei-und leich­te vier­räd­ri­ge Kraft­fahr­zeu­ge (z.B. so genann­te Trikes und Quads der euro­päi­schen Fahr­zeug­klas­se L5e und L7e) wer­den kraft­fahr­zeug­steu­er­recht­lich als Per­so­nen­kraft­wa­gen behan­delt. Die Umstel­lung auf eine Steu­er­be­mes­sung nach den Koh­len­di­oxid­emis­sio­nen und dem Hub­raum zum 1.07.2009 ist für die­se Fahr­zeu­ge wegen feh­len­der CO2-Wer­te, die in gesi­cher­ten obli­ga­to­ri­schen Ver­fah­ren ermit­telt wur­den, jedoch nicht mög­lich. Die Steu­er für die­se Fahr­zeu­ge soll des­halb auch wei­ter­hin nach dem Hub­raum und den Schad­stoff­emis­sio­nen (Ein­hal­tung von EU-Abgas­vor­schrif­ten) bemes­sen wer­den“ 3. Zur Neu­re­ge­lung zum Steu­er­satz in § 9 Abs. 1 Nr. 2b) Kraft­StG lau­tet die Geset­zes­be­grün­dung wie folgt: „Die hub­raum­be­zo­ge­nen Steu­er­sät­ze für drei- und leich­te vier­räd­ri­ge Kraft­fahr­zeu­ge (so genann­te Trikes und Quads der euro­päi­schen Fahr­zeug­klas­sen L5e und L7e) wer­den auf der Basis der für die­se Fahr­zeu­ge gel­ten­den EU-Vor­schrif­ten zur Limi­tie­rung von Abgas­schad­stof­fen gestaf­felt. Der bis­lang in der Rechts­pra­xis erfor­der­li­che kom­pli­zier­te Ver­gleich mit Emis­si­ons­vor­schrif­ten für Per­so­nen­kraft­wa­gen ent­fällt. Die Höhe der Steu­er­be­las­tung ent­spricht im Ergeb­nis unver­än­dert der bis­he­ri­gen für Per­so­nen­kraft­wa­gen.“

Aus den wei­te­ren Geset­zes­ma­te­ria­li­en ergibt sich kein unmit­tel­ba­rer Anhalts­punkt dafür, dass die Abschaf­fung der drei güns­ti­ge­ren (von ins­ge­samt fünf) Steu­er­ta­ri­fen für drei­räd­ri­ge und leich­te vier­räd­ri­ge Kraft­fahr­zeu­ge im Aus­schuss oder im Ple­num geson­dert dis­ku­tiert wur­de. Ins­be­son­de­re den Wort­bei­trä­gen des Par­la­men­ta­ri­schen Staats­se­kre­tärs Kos­chyk und der Abge­ord­ne­ten Arndt-Bau­er in der ers­ten Bera­tung im Bun­des­tag 4 lässt sich viel­mehr ent­neh­men, dass die halb­stün­di­ge Debat­te nicht über die Wie­der­ga­be der oben zitier­ten Text­stel­len im Gesetz­ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung hin­aus­ging. Auch der Finanz­aus­schuss hat sich aus­weis­lich der Beschluss­emp­feh­lung und des Berichts des Finanz­aus­schus­ses 5 nicht näher mit der Ände­rung bei den Steu­er­ta­ri­fen für drei­räd­ri­ge und leich­te vier­räd­ri­ge Kraft­fahr­zeu­ge befasst.

In der Anwen­dung des Steu­er­ta­rifs von 21,07 € je ange­fan­ge­nen 100 ccm Hub­raum durch das FA I liegt kei­ne Rechts­ver­let­zung des Klä­gers, weil die Tat­be­stands­merk­ma­le der Vor­schrift erfüllt sind und sich durch Aus­le­gung der Vor­schrift kei­ne Aus­nah­me für sol­che Fahr­zeu­ge ergibt, die schon vor dem 1.07.2009 erst­ma­lig zuge­las­sen waren.

Es han­delt sich bei dem Fahr­zeug des Klä­gers um ein drei­räd­ri­ges Kraft­fahr­zeug mit Hub­kol­ben­mo­tor.

Wei­ter­hin fällt es auch unter den Anwen­dungs­be­reich der Richt­li­nie 97/​24/​EG, die sich mit tech­ni­schen –auch in Hin­blick auf Emis­sio­nen– Anfor­de­run­gen an Bau­tei­le bestimm­ter Fahr­zeu­ge und deren Prü­fung für Zwe­cke der Ertei­lung einer Betriebs­er­laub­nis befasst.

Gemäß Art. 1 der Richt­li­nie 97/​24/​EG gilt die­se Richt­li­nie für Bau­tei­le aller in Art. 1 der Richt­li­nie 92/​61/​EWG fest­ge­leg­ten (zulas­sungs­pflich­ti­gen) Fahr­zeug­ty­pen. Nach Art. 1 Abs. 1 Satz 1 der Richt­li­nie 92/​61/​EWG, die sich ins­be­son­de­re mit der Zulas­sungs­pflicht und dem Ver­fah­ren der Zulas­sung zum Stra­ßen­ver­kehr beschäf­tigt, gilt letz­te­re Richt­li­nie für alle zur Teil­nah­me am Stra­ßen­ver­kehr bestimm­ten zwei­räd­ri­gen und drei­räd­ri­gen Kraft­fahr­zeu­ge mit weni­gen Aus­nah­men. Das zum Stra­ßen­ver­kehr zuge­las­se­ne Fahr­zeug des Klä­gers ist als drei­räd­ri­ges Kraft­fahr­zeug von Art. 1 Abs. 1 Satz 1 die­ser Rege­lung erfasst. Es gibt kei­ne Anhalts­punk­te gegen die Zulas­sungs­pflicht des Fahr­zeugs.

Die Anwen­dung des Tarifs von 21,07 € je ange­fan­ge­ne 100 ccm gemäß § 9 Abs. 1 Nr. 2b Buchst. a) Dop­pel­buchst. aa) Kraft­StG statt des Tarifs von 25,36 € je ange­fan­ge­ne 100 ccm gemäß § 9 Abs. 1 Nr. 2b Buchst. b) Dop­pel­buchst. aa) Kraft­StG stellt jeden­falls kei­ne Ver­let­zung des Klä­gers in sei­nen Rech­ten dar. Da das Fahr­zeug des Klä­gers mit dem Ford-Ben­zin­mo­tor durch einen Fremd­zün­dungs­mo­tor ange­trie­ben wird, kom­men für das Fahr­zeug nur die Steu­er­ta­ri­fe von 21,07 € gemäß § 9 Abs. 1 Nr. 2b Buchst. a) Dop­pel­buchst. aa) Kraft­StG –für den Fall, dass es die Trike-Grenz­wer­te ein­hält– oder 25,36 € gemäß § 9 Abs. 1 Nr. 2b Buchst. b) Dop­pel­buchst. aa) Kraft­StG –für den Fall, dass es die Trike-Grenz­wer­te nicht ein­hält– in Betracht. Eine wei­te­re Aus­wir­kung hat die Ein­hal­tung der Trike-Grenz­wer­te nicht. Nach­dem das FA I zu Guns­ten des Klä­gers von der Ein­hal­tung der Trike-Grenz­wer­te aus­ge­gan­gen ist und den nied­ri­ge­ren der bei­den vor­ge­se­he­nen Tari­fe der Besteue­rung zugrun­de gelegt hat, kann dar­in kei­ne Ver­let­zung in des­sen Rech­ten lie­gen.

Wie sich aus der Aus­le­gung der Vor­schrift ergibt, fal­len auch vor dem 1.07.2009 zuge­las­se­ne drei­räd­ri­ge Kraft­fahr­zeu­ge mit Hub­raum, die die Euro 2‑Grenzwerte für Pkw erfül­len, unter die Vor­schrift des § 9 Abs. 1 Nr. 2b Buchst. a) Dop­pel­buchst. aa) Kraft­StG.

Nach der inso­weit über­ein­stim­men­den Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts 6 und des Bun­des­fi­nanz­hofs 7 ist für die Aus­le­gung von Steu­er­ge­set­zen der objek­ti­vier­te Wil­le des Gesetz­ge­bers maß­ge­bend, wie er sich aus dem Geset­zes­wort­laut und aus dem Sinn­zu­sam­men­hang der Vor­schrift ergibt. Im Rah­men des mög­li­chen Wort­sinns hat die Aus­le­gung den Bedeu­tungs­zu­sam­men­hang des Geset­zes, die sys­te­ma­ti­sche Stel­lung der Norm sowie den Geset­zes­zweck zu beach­ten 8. Ergän­zend kommt der Ent­ste­hungs­ge­schich­te der Vor­schrift für deren Aus­le­gung Bedeu­tung zu 9. Der Fest­stel­lung des zum Aus­druck gekom­me­nen objek­ti­vier­ten Wil­lens des Gesetz­ge­bers die­nen danach die Aus­le­gung

  • aus dem Wort­laut der Norm (gram­ma­ti­ka­li­sche Aus­le­gung),
  • aus dem Zusam­men­hang (sys­te­ma­ti­sche Aus­le­gung),
  • aus ihrem Zweck (teleo­lo­gi­sche Aus­le­gung) sowie
  • aus den Geset­zes­ma­te­ria­li­en und der Ent­ste­hungs­ge­schich­te (his­to­ri­sche Aus­le­gung).

Die Moti­ve und Vor­stel­lun­gen der Mit­glie­der der gesetz­ge­ben­den Kör­per­schaf­ten kön­nen im Rah­men der Aus­le­gung nur dann Berück­sich­ti­gung fin­den, wenn sie im Gesetz selbst einen hin­rei­chend bestimm­ten Aus­druck gefun­den haben 10; denn Geset­zes­ma­te­ria­li­en kön­nen kei­ne ver­bind­li­chen Aus­le­gungs­re­geln ent­hal­ten, soweit die Absicht des Gesetz­ge­bers im Wort­laut und Sinn­zu­sam­men­hang des Geset­zes kei­nen "objek­ti­vier­ten" Nie­der­schlag gefun­den hat 11.

Nach dem Wort­laut des Geset­zes und der gesetz­li­chen Sys­te­ma­tik gibt es kei­ne Anhalts­punk­te dafür, dass neben den bei­den Steu­er­ta­ri­fen von 25,36 € oder 21,07 € je ange­fan­ge­ne 100 ccm Hub­raum ein ande­rer Steu­er­ta­rif auf drei­räd­ri­ge und leich­te vier­räd­ri­ge Kraft­fahr­zeu­ge mit Hub­kol­ben­mo­tor (wie im vor­lie­gen­den Fall das des Klä­gers) Anwen­dung fin­den könn­te oder dass vor dem 1.07.2009 erst­ma­lig zuge­las­se­ne drei­räd­ri­ge Kraft­fahr­zeu­ge, die die Grenz­wer­te des § 9 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. a) Dop­pel­buchst. bb) Kraft­StG ein­hal­ten, nicht der Rege­lung unter­lä­gen.

Die –in sich nicht wider­spruchs­freie– Geset­zes­be­grün­dung spricht eher dafür, dass das drei­räd­ri­ge Kraft­fahr­zeug des Klä­gers –wie in den Vor­jah­ren– wei­ter­hin einem Steu­er­ta­rif von nur 7,36 € je ange­fan­ge­nen 100 ccm zu unter­wer­fen wäre.

Der Satz in der Geset­zes­be­grün­dung zu § 9 Abs. 1 Nr. 2b Kraft­StG „Die Höhe der Steu­er­be­las­tung ent­spricht im Ergeb­nis unver­än­dert der bis­he­ri­gen für Per­so­nen­kraft­wa­gen“ spricht dafür, dass für das den Euro 2‑Vorschriften für Pkw genü­gen­de Fahr­zeug des Klä­gers (wei­ter­hin) der Steu­er­ta­rif von 7,36 € je ange­fan­ge­nen 100 ccm Hub­raum anzu­wen­den wäre wie bis­her nach § 9 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. a) Dop­pel­buchst. bb) Kraft­StG 2009. Dem wider­spricht zwar mög­li­cher­wei­se die Äuße­rung zur sel­ben Vor­schrift zwei Sät­ze zuvor, wonach die hub­raum­be­zo­ge­nen Steu­er­sät­ze für drei- und leich­te vier­räd­ri­ge Kraft­fahr­zeu­ge „auf der Basis der für die­se Fahr­zeu­ge gel­ten­den EU-Vor­schrif­ten zur Limi­tie­rung von Abgas­vor­schrif­ten gestaf­felt“ wür­den. Die EU-Vor­schrift zur Limi­tie­rung von Abgas­vor­schrif­ten, die für die­se Fahr­zeu­ge gilt, ist näm­lich die Richt­li­nie 97/​24/​EG und nicht die –die Euro 2‑Norm für „nor­ma­le“ Pkw ent­hal­ten­de– Richt­li­nie 70/​220/​EWG in der Fas­sung der Richt­li­nie 94/​12/​EG. Hier ist der Geset­zes­be­grün­dung ein leich­ter Anhalt zu ent­neh­men, dass die Umstel­lung mög­li­cher­wei­se nicht nur ver­se­hent­lich, son­dern sogar bewusst erfolg­te. Nach­dem der Fort­gang der ers­ten Bera­tung im Bun­des­tag nicht den Ein­druck einer ver­tief­ten Befas­sung mit der Mate­rie erweckt, mag es den­noch so sein, dass bei dem his­to­ri­schen Gesetz­ge­ber allein der Ein­druck vor­herrsch­te, die Steu­er­be­las­tung blie­be –auf­grund wel­cher tech­ni­scher Umset­zungs­re­ge­lung auch immer– unver­än­dert.

Da die­ser –mög­li­che– Wil­le des Gesetz­ge­bers jeden­falls im Gesetz selbst kei­ner­lei Nie­der­schlag gefun­den hat, son­dern sich aus dem Gesetz ein­deu­tig ledig­lich zwei mög­li­che Steu­er­ta­ri­fe für drei­räd­ri­ge Kraft­fahr­zeu­ge mit Ben­zin­mo­tor erge­ben, kann die­se Auf­fas­sung des his­to­ri­schen Gesetz­ge­bers bei der Aus­le­gung der §§ 8 Nr. 1b, 9 Abs. 1 Nr. 2b Kraft­StG nicht dazu füh­ren, dass anstel­le der im Gesetz genann­ten Tari­fe von 21,07 € bzw. 25,36 € je ange­fan­ge­ne 100 ccm Hub­raum der für (nor­ma­le) Pkw gel­ten­de Tarif von 7,36 € Anwen­dung fin­den könn­te.

Damit kann offen blei­ben, ob der Klä­ger bei Fort­gel­tung der bis­he­ri­gen Kraft­fahr­zeug­steu­er­ta­ri­fe für vor dem 30.06.2009 zuge­las­se­ne drei- und leich­te vier­räd­ri­ge Kraft­fahr­zeu­ge über­haupt den begehr­ten Tarif von 7,36 € je ange­fan­ge­ne 100 ccm Hub­raum hät­te bean­spru­chen kön­nen, wofür gemäß § 9 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. a) Dop­pel­buchst. bb) Kraft­StG 2009 die Ein­hal­tung der Euro 2‑Grenzwerte für (nor­ma­le) Pkw und nicht der Trike-Grenz­wer­te erfor­der­lich wäre. Der Klä­ger hat vor­ge­tra­gen, sein Fahr­zeug habe die Euro 2‑Grenzwerte erfüllt; ob es sich aber um die Euro 2‑Grenzwerte für Pkw nach Richt­li­nie 94/​12/​EWG oder um die im Zulas­sungs­ver­fah­ren geprüf­ten Grenz­wer­te nach Richt­li­nie 97/​24/​EG gehan­delt hat, kann dahin­ste­hen.

Auch eine teleo­lo­gi­sche Reduk­ti­on der Vor­schrift (mit der Fol­ge, dass dann die all­ge­mei­ne Tarif­vor­schrift für Pkw Anwen­dung fän­de), kommt nicht in Betracht. Eine Rechts­fort­bil­dung im Wege der teleo­lo­gi­schen Redu­zie­rung setzt eine ver­deck­te Rege­lungs­lü­cke vor­aus. Die­se ist gege­ben, wenn das Gesetz zwar eine Rege­lung ent­hält, die­se aber ihrem Zweck nach auf eine bestimm­te Grup­pe von Fäl­len nicht passt, weil sie deren für die Wer­tung rele­van­te Beson­der­hei­ten außer Acht lässt 12. Mit der Neu­re­ge­lung der Kraft­fahr­zeug­be­steue­rung von drei­räd­ri­gen und leich­ten vier­räd­ri­gen Kraft­fahr­zeu­gen in § 9 Abs. 1 Nr. 2b Kraft­StG hat der Gesetz­ge­ber –ob bis ins letz­te durch­dacht oder eher zufäl­lig, mag dahin gestellt blei­ben– den anzu­wen­den­den Tarif je ange­fan­ge­ne 100 ccm davon abhän­gig gemacht, ob die für die­se Fahr­zeu­ge vor­ge­schrie­be­nen Abgas­wer­te ein­ge­hal­ten wer­den. Dies­be­züg­lich weist die Tat­sa­che, dass das Fahr­zeug des Klä­gers schon vor dem 1.07.2009 zuge­las­sen wur­de und –mög­li­cher­wei­se– die Euro 2‑Grenzwerte für nor­ma­le Pkw erfüllt, kei­ne für die­se Wer­tung rele­van­te Beson­der­heit auf. Denn die Ein­hal­tung der Euro 2‑Grenzwerte für nor­ma­le Pkw ist für drei­räd­ri­ge Kraft­fahr­zeu­ge gera­de nicht rele­vant, son­dern für die­se sind aus­schließ­lich die Trike-Grenz­wer­te der Richt­li­nie 97/​24/​EG rele­vant.

Die­ses Ergeb­nis ver­stößt auch nicht unter dem Gesichts­punkt gegen den in Art. 3 des Grund­ge­set­zes ver­bürg­ten Gleich­heits­grund­satz, dass auf­grund der Neu­re­ge­lung durch das 5. Kraft­S­tÄG von den vor dem 1.07.2009 zuge­las­se­nen Kraft­fahr­zeu­gen allein die drei­räd­ri­gen und leich­ten vier­räd­ri­gen Kraft­fahr­zeu­ge einer höhe­ren Steu­er­be­las­tung unter­wor­fen wer­den. Typi­scher­wei­se spielt bei drei- und leich­ten vier­räd­ri­gen Kraft­fahr­zeu­gen der Ein­satz zu Frei­zeit­zwe­cken eine beson­de­re Rol­le, wäh­rend bei „nor­ma­len“ Pkw typi­scher­wei­se auch eine Nut­zung zu Erwerbs­zwe­cken eine gewis­se Rol­le spielt. Dies stellt nach Auf­fas­sung des erken­nen­den Senats einen sach­li­chen Grund für die Dif­fe­ren­zie­rung dar. Ein Ver­fas­sungs­ver­stoß wegen ech­ter Rück­wir­kung schei­det ersicht­lich eben­so aus. Da die Geset­zes­än­de­rung nur für die Zukunft galt, so dass die Fahr­zeug­hal­ter auf die Geset­zes­än­de­rung –etwa durch Abmel­dung der ent­spre­chen­den Fahr­zeu­ge vor Inkraft­tre­ten der nur für die Zukunft gel­ten­den Ände­rung – ,reagie­ren konn­ten, liegt auch kei­ne unech­te Rück­wir­kung vor.

Finanz­ge­richt Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 27. Sep­tem­ber 2012 – 3 K 3939/​11

  1. vgl. zu den tech­ni­schen Rah­men­be­din­gun­gen hier­zu Zens in Strodthoff, Kraft­fahr­zeug­steu­er­ge­setz, § 9 Rn. 51[]
  2. vgl. Zens in Strodthoff, Kraft­fahr­zeug­steu­er­ge­setz, § 9 Rn. 74a[][]
  3. BT-Drs. 17/​717, S. 12[]
  4. vgl. BTPI­Pr 17/​24, S. 2113 f.[]
  5. BT-Drs. 17/​1463[]
  6. vgl. BVerfG, Urteil vom 21.05.1952 – 2 BvH 2/​52, BVerfGE 1, 229, 312; und Beschluss vom 17.05.1960 – 2 BvL 11/​59, 11/​60, BVerfGE 11, 126, 131[]
  7. z.B. BFH, Urteil vom 14.05.1991 – VIII R 31/​88, BFHE 164, 516, 525 f., BSt­Bl II 1992, 167[]
  8. vgl. BFH, Urteil in BFHE 112, 546, BSt­Bl II 1974, 572, unter B.I.1.a; Beschluss des Gro­ßen Senats des BFH vom 04.12.2006 – GrS 1/​05, BFHE 216, 168, BSt­Bl II 2007, 508, unter C.II.2.c bb[]
  9. vgl. BFH, Urteil vom 07.05.1987 IV R 150/​84, BFHE 150, 130, BSt­Bl II 1987, 670, unter 1.a[]
  10. BVerfG, Beschluss in BVerfGE 11, 126, 130; BVerfG, Urteil vom 19.12.1961 – 2 BvL 6/​59, BVerfGE 13, 261, 268[]
  11. BFH, Urteil vom 21.12.2010 – V B 17/​09, BFH/​NV 2011, 565, m.w.N.[]
  12. BFH, Urteil vom 13.04.2011 – X R 1/​10, BSt­Bl. II 2011, 915; Drüen in Tipke/​Kruse, Abga­ben­ord­nung, Finanz­ge­richts­ord­nung, § 4 AO Rz 352[]