Been­de­ter oder unbe­en­de­ter Ver­such – und die Fra­ge des Rück­tritts

Urteils­grün­de wei­sen inso­weit einen Erör­te­rungs­man­gel auf, als sich aus ihnen nicht ergibt, ob der Ange­klag­te straf­be­frei­end zurück­ge­tre­ten ist.

Been­de­ter oder unbe­en­de­ter Ver­such – und die Fra­ge des Rück­tritts

So auch in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall: Die Wer­tung des Land­ge­richts, es habe ein been­de­ter Ver­such vor­ge­le­gen, ist nicht belegt. Das Urteil ver­hält sich nicht zur Vor­stel­lung des Ange­klag­ten nach dem Ende sei­ner letz­ten Aus­füh­rungs­hand­lung (sog. Rück­tritts­ho­ri­zont)1, ins­be­son­de­re dazu, ob er davon aus­ging, er kön­ne die von ihm beab­sich­tig­te Ver­let­zung des Geschä­dig­ten etwa durch wei­te­re Faust­schlä­ge noch errei­chen. Daher bleibt offen, ob der Ver­such der Kör­per­ver­let­zung fehl­ge­schla­gen, unbe­en­det oder been­det war.

Dies durf­te indes nicht dahin­ste­hen, da im Fall eines unbe­en­de­ten Ver­suchs der Ange­klag­te gemäß § 24 Abs. 1 Satz 1 Vari­an­te 1 StGB bereits durch frei­wil­li­ges Abstand­neh­men von wei­te­ren Aus­füh­rungs­hand­lun­gen vom Ver­such der Kör­per­ver­let­zung straf­be­frei­end zurück­ge­tre­ten wäre2.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 9. Okto­ber 2018 – 2 StR 370/​18

  1. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 19.05.1993 – GSSt 1/​93, BGHSt 39, 221, 227; vom 13.03.2018 – 4 StR 531/​17, NStZ 2018, 468 []
  2. vgl. BGH, Urteil vom 02.11.1994 – 2 StR 449/​94, BGHSt 40, 304, 306 []