Beisichführen eines gefährlichen Werkzeugs

Das Beisichführen eines gefährlichen Werkzeugs im Sinne von § 250 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. a StGB erfordert nicht, dass der Tatbeteiligte es nach Eintritt in das Versuchsstadium in der Hand hält oder am Körper trägt.

Beisichführen eines gefährlichen Werkzeugs

Ausreichend kann sein, wenn das Werkzeug sich in Griffweite des Beteiligten befindet oder er sich seiner jederzeit ohne nennenswerten Zeitaufwand bedienen kann1.

Dies allein genügt allerdings nicht: Findet der Beteiligte den Gegenstand lediglich am Tatort vor und lässt ihn unangetastet, liegt kein Beisichführen vor2. Anderenfalls würde die tatbestandsmäßige Handlung zu einer bloßen Wahrnehmung, einem Internum ohne hierauf bezogenes äußeres Verhalten3.

Wenn sich das gefährliche Werkzeug nur in räumlicher Nähe des Beteiligten befindet, ist für eine Strafbarkeit nach § 250 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. a StGB daher – neben dem Bewusstsein, das Werkzeug funktionsbereit zur Verfügung zu haben4 – zusätzlich erforderlich, dass der Beteiligte es zum Tatort mitgebracht hat oder es zu irgendeinem Zeitpunkt bis zur Tatbeendigung noch ergreift.

Bundesgerichtshof, Beschluss vom 5. Oktober 2016 – 3 StR 328/16

  1. vgl. BGH, Urteil vom 14.11.1989 – 1 StR 564/89, BGHR StGB § 250 Abs. 1 Nr. 2 Beisichführen 2; Beschluss vom 26.11.2013 – 3 StR 261/13, NStZ-RR 2014, 110; Fischer, StGB, 63. Aufl., § 244 Rn. 27 mwN []
  2. vgl. SK-StGB/Hoyer, 47. Lfg., § 244 Rn.20; NK-StGB-Kindhäuser, 4. Aufl., § 244 Rn. 18; BeckOK StGB/Wittig, § 244 Rn. 10 []
  3. vgl. Walter, NStZ 2004, 623, 624 []
  4. vgl. BGH, Beschlüsse vom 27.09.2002 – 5 StR 117/02, NStZ-RR 2003, 12, 13; vom 12.07.2005 – 4 StR 170/05, NStZ-RR 2005, 340; vom 26.11.2013 – 3 StR 261/13, aaO []