Das „glaub­haf­te und voll­um­fäng­li­che Geständ­nis des Ange­klag­ten“

Hat das Gericht sei­ne Fest­stel­lun­gen zur Tat­be­ge­hung durch den Ange­klag­ten und zu den Ein­zel­hei­ten der ver­schie­de­nen Betrug­s­ta­ten und Urkun­den­fäl­schun­gen allein auf das „glaub­haf­te und voll­um­fäng­li­che Geständ­nis des Ange­klag­ten“ gestützt und erschöpft sich die Beweis­wür­di­gung inso­weit in einem ein­zi­gen Satz, so fehlt dem Urteil eine trag­fä­hi­ge Beweis­grund­la­ge.

Das „glaub­haf­te und voll­um­fäng­li­che Geständ­nis des Ange­klag­ten“

Aus dem Schuld­prin­zip folgt die Ver­pflich­tung der Straf­ge­rich­te, von Amts wegen den wah­ren Sach­ver­halt zu erfor­schen [1]. Die­se Pflicht darf nicht dem Inter­es­se an einer ein­fa­chen und schnellst­mög­li­chen Erle­di­gung des Ver­fah­rens geop­fert wer­den. Es ist unzu­läs­sig, dem Urteil einen Sach­ver­halt zu Grun­de zu legen, der nicht auf einer Über­zeu­gungs­bil­dung unter Aus­schöp­fung des Beweis­ma­te­ri­als beruht. Dies gilt auch dann, wenn sich der Ange­klag­te gestän­dig gezeigt hat [2].

Nach die­sem Maß­stab ist die Beweis­wür­di­gung rechts­feh­ler­haft, denn die Urteils­grün­de las­sen nicht erken­nen, dass die Straf­kam­mer das Geständ­nis des Ange­klag­ten einer inhalt­li­chen Über­prü­fung unter­zo­gen hat. Zu einer für das Revi­si­ons­ge­richt nach­voll­zieh­ba­ren Begrün­dung des Urteils hät­te es zunächst der Erläu­te­rung der gestän­di­gen Ein­las­sung bedurft; denn ohne Kennt­nis von Ein­zel­hei­ten ver­mag das Revi­si­ons­ge­richt nicht zu erken­nen, ob ein auf Betrugs- und Urkun­den­de­lik­te bezo­ge­nes Geständ­nis auch sämt­li­che Tat­be­stands­merk­ma­le die­ser Straf­tat­be­stän­de erfasst. Dabei hät­te die Straf­kam­mer in dem hier ent­schie­de­nen Fall ins­be­son­de­re dar­le­gen müs­sen, auf­grund wel­cher Umstän­de sie sich im Ein­klang mit dem Geständ­nis des Ange­klag­ten vom Vor­lie­gen eines Betrugs­vor­sat­zes über­zeugt hat. Denn dass der Ange­klag­te im Zeit­punkt der jewei­li­gen Ver­trags­ab­schlüs­se nicht wil­lens und auch nicht in der Lage war, die ein­ge­gan­ge­nen Ver­pflich­tun­gen zu erfül­len, bzw. ihre Nicht­er­fül­lung bil­li­gend in Kauf genom­men hat, ver­steht sich – auch vor dem Hin­ter­grund, dass er die Taten „ein­ge­räumt“ hat – nicht von selbst. So hat er, wie es den Urteils­grün­den an ande­rer Stel­le zu ent­neh­men ist, ange­ge­ben, es sei­en auch vie­le Geschäf­te, die er – wie in den der Ver­ur­tei­lung zugrun­de lie­gen­den Fäl­len – als Inha­ber sei­ner Fir­ma abge­schlos­sen habe, ordent­lich abge­wi­ckelt wor­den. War­um in die­je­ni­gen Fäl­le, in denen es dem­ge­gen­über nicht zur Erfül­lung der ein­ge­gan­ge­nen Ver­pflich­tun­gen gekom­men ist, eine vor­sätz­li­che Täu­schung über „Zah­lungs­fä­hig­keit und Zah­lungs­wil­lig­keit“ und damit ein nach § 263 StGB straf­ba­res Ver­hal­ten vor­lie­gen soll, hät­te unter Mit­tei­lung der kon­kre­ten Anga­ben des Ange­klag­ten in der Haupt­ver­hand­lung nähe­rer Erör­te­rung bedurft.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 3. März 2016 – 2 StR 360/​15

  1. vgl. BVerfG, Urteil vom 19.03.2013 – 2 BvR 2628/​10 u.a., NJW 2013, 1058, 1060[]
  2. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 15.04.2013 – 3 StR 35/​13, StV 2013, 684; vom 06.08.2013 – 3 StR 212/​13, StV 2013, 703 f.; vom 05.11.2013 – 2 StR 265/​13, NStZ 2014, 170; und vom 24.09.2013 – 2 StR 267/​13, BGHSt 59, 21, 27 f.[]