Der grup­pen­in­ter­ne Ehren­ko­dex – und das Mord­merk­mal der nied­ri­gen Beweggründe

Die bil­li­gend in Kauf genom­me­ne Aus­lö­schung des Lebens eines Zufalls­op­fers wegen der Ori­en­tie­rung an einem grup­pen­in­ter­nen „Ehren­ko­dex“, wonach jeder den jeweils ande­ren bei Aus­ein­an­der­set­zun­gen unter­stützt, ist kei­ne ver­ständ­li­che Reak­ti­on, son­dern eine beson­ders ver­ach­tens­wer­te Form der Gering­schät­zung des per­so­na­len Eigen­werts des Opfers.

Der grup­pen­in­ter­ne Ehren­ko­dex – und das Mord­merk­mal der nied­ri­gen Beweggründe

Dabei lässt die Tat nach­ge­ra­de eine Gesin­nung der Täter erken­nen, die Freu­de an kör­per­li­cher Miss­hand­lung zum Inhalt hat1. Aus rei­ner Will­kür spiel­ten sie sich zu Her­ren über Leben und Tod auf. Das damit bestehen­de ekla­tan­te Miss­ver­hält­nis zwi­schen Anlass und Tat ist als sitt­lich beson­ders ver­werf­lich zu qua­li­fi­zie­ren2.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 20. Mai 2021 – 6 StR 142/​20

  1. vgl. BGH, Urteil vom 19.10.2001 – 2 StR 259/​01, BGHSt 47, 128, 132; Münch­Komm-StGB/­Schnei­der, 4. Aufl., § 211 Rn. 87[]
  2. vgl. BGH, Urtei­le vom 19.10.2011 – 1 StR 273/​11; vom 27.01.1956 – 2 StR 432/​55, BGHSt 9, 180, 183[]

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