Frei­stel­lung des ver­ur­teil­ten Her­an­wach­sen­den von den Ver­tei­di­ger­kos­ten

Wird gemäß § 74 JGG davon abge­se­hen, dem jugend­li­chen Ange­klag­ten die Kos­ten des Ver­fah­rens und sei­ne not­wen­di­gen Aus­la­gen auf­zu­er­le­gen, so kann der Ver­tei­di­ger sei­ne Gebüh­ren gegen die Staats­kas­se fest­set­zen las­sen 1.

Frei­stel­lung des ver­ur­teil­ten Her­an­wach­sen­den von den Ver­tei­di­ger­kos­ten

Nach der rechts­kräf­ti­gen Kos­ten­grund­ent­schei­dung in dem straf­ge­richt­li­chen Urteil ist im hier ent­schie­de­nen Fall gemäß § 74 JGG davon abge­se­hen wor­den, dem Ange­klag­ten trotz sei­ner Ver­ur­tei­lung die Kos­ten des Ver­fah­rens und sei­ne ihm selbst ent­stan­de­nen not­wen­di­gen Aus­la­gen auf­zu­er­le­gen. Der frü­he­re Ange­klag­te soll­te ledig­lich mit den der Neben­klä­ge­rin erwach­se­nen not­wen­di­gen Aus­la­gen belas­tet wer­den. Da nach der ein­deu­ti­gen und nicht anders aus­leg­ba­ren Kos­ten­grund­ent­schei­dung der frü­he­re Ange­klag­te sei­ne not­wen­di­gen Aus­la­gen nicht zu tra­gen hat, sind man­gels eines ande­ren Kos­ten­schuld­ners – die Neben­klä­ge­rin hat die not­wen­di­gen Aus­la­gen des Ange­klag­ten offen­sicht­lich nicht zu tra­gen – die not­wen­di­gen Aus­la­gen des Ange­klag­ten von der Staats­kas­se zu tra­gen.

Dahin­ste­hen kann, ob § 74 JGG grund­sätz­lich die Mög­lich­keit eröff­net, davon abzu­se­hen, dem Ange­klag­ten sei­ne not­wen­di­gen Aus­la­gen auf­zu­er­le­gen und die­se Aus­la­gen der Staats­kas­se auf­zu­bür­den, oder ob unter "Aus­la­gen" i.S.d. § 74 JGG allein die Aus­la­gen Drit­ter zu ver­ste­hen sind 2. Vor­lie­gend ist die Kos­ten­grund­ent­schei­dung ein­deu­tig und – man­gels Anfech­tung – rechts­kräf­tig gewor­den und somit – unab­hän­gig davon, ob sie zu Recht ergan­gen ist – bin­dend für das Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Beschluss vom 19. August 2014 – 2 Ws 140/​14

  1. ent­ge­gen OLG Bran­den­burg, Beschluss vom 11.01.2011 – 2 Ws 125/​11[]
  2. vgl. inso­weit OLG Bran­den­burg, Beschluss vom 11.10.2011 – 2 Ws 125/​11, NStZ-RR 2012, 192; BGH, Beschluss vom 15.11.1988 – 4 StR 528/​88, NStZ 1989, 239; BGH, Beschluss vom 16.03.2006 – 4 StR 594/​05, NStZ 2006, 503; OLG Frank­furt, Beschluss vom 22.12 1993 – 2 Ws 214/​93, GA 1994, 286[]