Syn­er­ge­tik-The­ra­pie

Ist die Sener­ge­tik-The­ra­pie Heil­kun­de? Der Bun­des­ge­richts­hof jeden­falls sieht dies so und bejaht eine Straf­bar­keit, soweit der "The­ra­peut" nicht aus­nahms­wei­se ein Arzt oder Heil­prak­ti­ker sein soll­te.

Syn­er­ge­tik-The­ra­pie

Das Land­ge­richt Frank­furt am Main hat die Ange­klag­te wegen uner­laub­ter Aus­übung der Heil­kun­de nach § 5 Heil­prG in elf Fäl­len zu einer Gesamt­geld­stra­fe von 120 Tages­sät­zen ver­ur­teilt und in wei­te­ren 20 Fäl­len frei­ge­spro­chen 1.

Nach den Fest­stel­lun­gen des Land­ge­richts führ­te die Ange­klag­te in ihrer Woh­nung Behand­lun­gen nach der sog. Syn­er­ge­tik-Metho­de durch. Nach der die­ser Behand­lungs­me­tho­de zugrun­de lie­gen­den Leh­re las­sen sich bei den Kli­en­ten in Tiefen­ent­span­nung inne­re Bil­der bear­bei­ten. Hier­durch sol­len unver­ar­bei­te­te Erleb­nis­se und Kon­flik­te auf­ge­ar­bei­tet und eine Selbst­hei­lung von Krank­hei­ten ermög­licht wer­den. Um Kun­den zu wer­ben, wand­te sich die Ange­klag­te mit einer eige­nen Inter­net­sei­te und mit Fly­ern u.a. an Men­schen mit Ängs­ten, Depres­sio­nen, Trau­ma­ta und wei­te­ren psy­chi­schen Pro­ble­men. Bei den The­ra­pie­sit­zun­gen gelang­ten die Kli­en­ten in einen Zustand hyp­no­id ver­min­der­ten Bewusst­seins, und sie erleb­ten Gedächt­nis­bil­der, die sie der Ange­klag­ten mit den damit zusam­men­hän­gen­den Gefüh­len beschrie­ben.

Wäh­rend der mit­un­ter von Affekt­zu­stän­den beglei­te­ten Behand­lung wur­den die Kli­en­ten teil­wei­se mit belas­ten­den Erin­ne­run­gen kon­fron­tiert. Eine Bespre­chung zwi­schen der Ange­klag­ten und ihren Kli­en­ten über das zuvor Erleb­te fand im Ein­zel­nen nicht statt. Für ihre Behand­lun­gen, die sie auch zu Heil­zwe­cken aus­üben woll­te, besaß die Ange­klag­te kei­ne Erlaub­nis nach dem Heil­prak­ti­ker­ge­setz (§ 1 Heil­prG). Elf Kli­en­ten such­ten die Ange­klag­te mit kon­kre­ten psy­chi­schen oder phy­si­schen Krank­hei­ten bzw. Lei­den auf, deren Bes­se­rung sie sich erhoff­ten. Bei kei­ner die­ser Per­so­nen sind durch die Behand­lung, die einer kon­fron­ta­ti­ven Psy­cho­the­ra­pie ent­sprach, gesund­heit­li­che Schä­den ver­ur­sacht wor­den. Eine Gefahr einer Gesund­heits­be­schä­di­gung hat das Land­ge­richt in die­sen der Ver­ur­tei­lung zugrun­de lie­gen­den Behand­lungs­fäl­len aller­dings für wahr­schein­lich erach­tet.

Nach ver­fas­sungs­kon­for­mer Aus­le­gung der Vor­schrift des § 1 Abs.2 Heil­prG ist es erfor­der­lich, dass die Aus­übung der Heil­kun­de im kon­kre­ten Fall eine zumin­dest poten­ti­el­le Gefahr für die Gesund­heit der behan­del­ten Per­so­nen ver­ur­sacht.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat daher nicht bean­stan­det, dass das Land­ge­richt in den ein­zel­nen Behand­lungs­fäl­len eine sol­che poten­zi­el­le Gefahr der The­ra­pie­me­tho­de ange­nom­men hat, und hat die Revi­si­on der Ange­klag­ten ver­wor­fen, da die Nach­prü­fung des Urteils kei­nen Rechts­feh­ler zu ihrem Nach­teil erge­ben hat. Die Ver­ur­tei­lung ist damit rechts­kräf­tig.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 22. Juni 2011 – 2 StR 580/​10

  1. LG Frank­furt am Main, Urteil vom 15.06.2010 – 5/​26 KLs 8910 Js 206769/​08 []