Über­plan­mä­ßi­ge Kre­dit­auf­nah­me als Untreue­hand­lung des Bür­ger­meis­ters

Das Land­ge­richt Mün­chen II hat den Bür­ger­meis­ter einer baye­ri­schen Markt­ge­mein­de wegen Untreue (§ 266 StGB) in zwei Fäl­len zu einer zwei­jäh­ri­gen Bewäh­rungs­stra­fe und den Käm­me­rer die­ser Gemein­de wegen Untreue in fünf Fäl­len (er hat­te in drei Fäl­len pri­va­te Auf­wen­dun­gen über den Gemein­de­haus­halt abge­rech­net und sich dadurch per­sön­lich berei­chert) zu einer Frei­heits­stra­fe von 3 Jah­ren ver­ur­teilt 1. Der Bun­des­ge­richts­hof hat nun die hier­ge­gen gerich­te­ten Revi­sio­nen der Ange­klag­ten ver­wor­fen:

Über­plan­mä­ßi­ge Kre­dit­auf­nah­me als Untreue­hand­lung des Bür­ger­meis­ters

Um dem Gemein­de­rat die Höhe der unter Über­schrei­tung ihrer sat­zungs­mä­ßi­gen Kom­pe­ten­zen auf­ge­nom­me­nen Kre­di­te zu ver­schlei­ern, ver­buch­ten die Ange­klag­ten im Haus­halts­jahr ange­fal­le­ne Aus­ga­ben in das dar­auf fol­gen­de. Mit Ein­nah­men ver­fuh­ren sie umge­kehrt. Dem Gemein­de­rat prä­sen­tier­ten die Ange­klag­ten auf die­se Wei­se einen "ordent­li­chen Haus­halt". Für Inves­ti­tio­nen sei­en Kre­dit­auf­nah­men "nicht mehr geplant" (Haus­halt 2007) bzw. "nicht vor­ge­se­hen" (Haus­halt 2008). Im Ver­trau­en auf die­se Anga­ben beschloss der Markt­ge­mein­de­rat Hoch- und Tief­bau­maß­nah­men (u. a. den Bau einer Turn­hal­le). Um die dadurch beding­ten Finan­zie­rungs­lü­cken zu decken, nah­men die Ange­klag­ten unter Über­schrei­tung ihrer Kom­pe­ten­zen im Juli 2007 und im März 2008 für die Markt­ge­mein­de wei­te­re Kas­sen­kre­di­te (Art. 73 Bay­GO) in Höhe von jeweils 2 Mio. € auf. Die Mit­tel aus den Kre­di­ten wur­den sämt­lich für Auf­ga­ben der Gemein­de ver­wen­det.

Das Land­ge­richt Mün­chen II hat die bei­den Fäl­le der Kre­dit­auf­nah­me jeweils als Untreue (§ 266 StGB) gewer­tet. Der Markt­ge­mein­de sei durch die pflicht­wid­ri­ge Kre­dit­auf­nah­me ein Scha­den in Höhe der Zins­ver­pflich­tung gegen­über der Bank (rund 88.000 € und 92.000 €) ent­stan­den. Dass die Inves­ti­tio­nen wegen beson­de­rer Dring­lich­keit hät­ten durch­ge­führt wer­den müs­sen sei nicht fest­stell­bar, eben­so wenig, dass der Gemein­de­rat in Kennt­nis der tat­säch­li­chen Finanz­la­ge die Inves­ti­tio­nen mit Sicher­heit beschlos­sen hät­te.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat jetzt die Revi­sio­nen der Ange­klag­ten, mit denen die Ver­let­zung for­mel­len und mate­ri­el­len Rechts gerügt wur­de, als unbe­grün­det ver­wor­fen. Ins­be­son­de­re kommt es für die Fra­ge, ob durch den pflicht­wid­ri­gen Ein­satz von Haus­halts­mit­teln ein Ver­mö­gens­nach­teil im Sin­ne des § 266 StGB ent­stan­den ist, nicht auf das ange­streb­te oder erhoff­te wirt­schaft­li­che Gesamt­ergeb­nis am Ende des Haus­halts­jah­res an. Mit­tel­ba­re Vor­tei­le aus der zweck­ge­mä­ßen Ver­wen­dung der Kre­dit­mit­tel stel­len kei­nen Ver­mö­gens­wert dar, der den bereits ein­ge­tre­ten Nach­teil durch die Zins­ver­pflich­tung aus­glei­chen könn­te.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 13. April 2011 – 1 StR 592/​10

  1. LG Mün­chen II, Urteil vom 16.06.2010 – W5 KLs 65 Js 38937/​08[]