Anhö­rungs­rü­ge gegen die Ent­schei­dung über eine Anhö­rungs­rü­ge

Eine Anhö­rungs­rü­ge gegen die Ent­schei­dung eines Gerichts über eine vor­aus­ge­gan­ge­ne Anhö­rungs­rü­ge ist nicht statt­haft 1.

Anhö­rungs­rü­ge gegen die Ent­schei­dung über eine Anhö­rungs­rü­ge

Nach § 152a Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 i.V.m. Satz 2 VwGO fin­det die Anhö­rungs­rü­ge allein gegen unan­fecht­ba­re End­ent­schei­dun­gen des Gerichts statt. Zu sol­chen End­ent­schei­dun­gen gehö­ren ins­be­son­de­re das End­ur­teil, aber auch Beschlüs­se, die ent­we­der die Instanz im Haupt­sa­che­ver­fah­ren oder aber den Beschwer­de­rechts­zug abschlie­ßen 2. Die Ent­schei­dung über eine Anhö­rungs­rü­ge ist kei­ne End­ent­schei­dung in die­sem Sin­ne 3. Denn die Anhö­rungs­rü­ge stellt kein Rechts­mit­tel zur inhalt­li­che Über­prü­fung der vor­aus­ge­gan­ge­nen eigent­li­chen inst­anz­ab­schlie­ßen­den End­ent­schei­dung dar, son­dern einen außer­or­dent­li­chen Rechts­be­helf, auf­grund des­sen nur über­prüft wird, ob das Gericht den Anspruch die­ses Betei­lig­ten auf recht­li­ches Gehör in ent­schei­dungs­er­heb­li­cher Wei­se ver­letzt hat 4.

Die­ses Ergeb­nis ent­spricht auch den Vor­ga­ben des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts 5. Danach genügt die Mög­lich­keit, eine behaup­te­te Ver­let­zung des recht­li­chen Gehörs einer ein­ma­li­gen gericht­li­chen Kon­trol­le durch das Fach­ge­richt selbst, das die Gehörs­ver­let­zung began­gen haben soll, unter­zie­hen zu las­sen. Nur die­se Vor­ga­ben woll­te auch der Gesetz­ge­ber umset­zen 6.

Nie­der­säch­si­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 25. Novem­ber 2010 -8 ME 299/​10

  1. vgl. BVerwG, Beschluss vom 10.03.2010 – 5 B 4/​10 u.a.; BFH, Beschluss vom 24.02.2009 – I S 2/​09; Baye­ri­scher VerfGH, Ent­schei­dung vom 19.10.2010 – Vf. 111-VI-09; Nie­der­säch­si­sches OVG, Beschluss vom 31.03.2008 – 10 LA 73/​08; Sodan/​Ziekow, VwGO, 3. Aufl., § 152a Rn. 12; Hein­richs­mei­er, Pro­ble­me der Zuläs­sig­keit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de im Zusam­men­hang mit dem fach­ge­richt­li­chen Anhö­rungs­rü­ge­ver­fah­ren, NVwZ 2010, 228, 232[]
  2. vgl. Ent­wurf eines Geset­zes über die Rechts­be­hel­fe bei Ver­let­zung des Anspruchs auf recht­li­ches Gehör (Anhö­rungs­rü­gen­ge­setz), BT-Drs. 15/​3706, S. 16[]
  3. vgl. Nie­der­säch­si­sches OVG, Beschluss vom 31.03.2008, a.a.O.[]
  4. vgl. BVerwG, Beschluss vom 28.11.2008 – 7 BN 5/​08, NJW 2009, 457 f.; Nie­der­säch­si­sches OVG, Beschluss vom 12.07.2005 – 2 ME 241/​05, NVwZ-RR 2006, 295; Redeker/​v. Oert­zen, VwGO, 15. Aufl., § 152a Rn. 3[]
  5. vgl. BVerfG, Beschluss vom 30.04.2003 – 1 PBvU 1/​02, BVerfGE 107, 395, 411[]
  6. vgl. Ent­wurf eines Geset­zes über die Rechts­be­hel­fe bei Ver­let­zung des Anspruchs auf recht­li­ches Gehör (Anhö­rungs­rü­gen­ge­setz), BT-Drs. 15/​3706, S. 13 und 22[]