Auf­nah­me auf die Tages­ord­nung einer Kreis­tags­sit­zung

Für die Auf­nah­me eines Tages­ord­nungs­punk­tes auf die Tages­ord­nung einer Sit­zung des Kreis­ta­ges sind die Rege­lun­gen der Hes­si­schen Land­kreis- und der Gemein­de­ord­nung maß­ge­bend, nach denen ein Anspruch auf Befas­sung und Beschluss­fas­sung des Kreis­ta­ges mit bzw. zu einem The­ma nur besteht, wenn der Gegen­stand des Antra­ges auch in des­sen Kom­pe­tenz fal­le, die­ser also für eine ent­spre­chen­de Beschluss­fas­sung zustän­dig ist. Der Kreis­tag ist nach den all­ge­mei­nen Rege­lun­gen in der Hes­si­schen Land­kreis- und der Gemein­de­ord­nung immer dann zustän­dig, wenn es sich um eine wich­ti­ge Ange­le­gen­heit des Krei­ses han­delt.

Auf­nah­me auf die Tages­ord­nung einer Kreis­tags­sit­zung

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Gie­ßen in den hier vor­lie­gen­den Fäl­len die Vor­sit­zen­de des Wet­ter­au­er Kreis­tags, Ste­pha­nie Becker-Bösch, dazu ver­pflich­tet, zwei Punk­te auf die Tages­ord­nung der nächs­ten Sit­zung des Kreis­tags zu neh­men. Sowohl die Fra­ge der über­re­gio­na­len Betei­li­gun­gen des Zweck­ver­ban­des Ober­hes­si­sche Ver­sor­gungs­wer­ke als auch die Ent­schei­dung über den Bei­tritt zum Bünd­nis "Ver­mö­gens­steu­er jetzt" sind auf die Tages­ord­nung zu set­zen. Dage­gen ist die Kla­ge bezüg­lich der Gewinn­ab­füh­rungs­quo­te der Spar­kas­se Ober­hes­sen abge­wie­sen wor­den.

Die Frak­ti­on der Par­tei "Die Lin­ke" im Kreis­tag des Wet­ter­au­krei­ses, begehr­te von der Vor­sit­zen­den des Wet­ter­au­er Kreis­ta­ges in drei Kla­ge­ver­fah­ren die Auf­nah­me meh­re­rer Tages­ord­nungs­punk­te auf die Tages­ord­nung einer Sit­zung des Kreis­ta­ges. Die Frak­ti­on woll­te im Ein­zel­nen fol­gen­de The­men behan­delt wis­sen: den Bei­tritt des Wet­ter­au­krei­ses zum Bünd­nis "Ver­mö­gens­steu­er jetzt", die Gewinn­ab­füh­rungs­quo­te der Spar­kas­se Ober­hes­sen und die über­re­gio­na­len Betei­li­gun­gen des Zweck­ver­ban­des Ober­hes­si­sche Ver­sor­gungs­wer­ke (ZOV). Dies hat­te die Vor­sit­zen­de des Kreis­ta­ges mit der Begrün­dung abge­lehnt, da die The­men nicht in die Zustän­dig­keit des Kreis­ta­ges fie­len.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Gie­ßen sei­en die Rege­lun­gen der Hes­si­schen Land­kreis- und der Gemein­de­ord­nung maß­ge­bend, nach denen ein Anspruch auf Befas­sung und Beschluss­fas­sung des Kreis­ta­ges mit bzw. zu einem The­ma nur bestehe, wenn der Gegen­stand des Antra­ges auch in des­sen Kom­pe­tenz fal­le, die­ser also für eine ent­spre­chen­de Beschluss­fas­sung zustän­dig sei.

Die über­re­gio­na­len Betei­li­gun­gen des ZOV (8 K 965/​13.GI) sei­en so bedeu­tungs­voll, dass sie als wich­ti­ge Ange­le­gen­heit in die Kom­pe­tenz des Kreis­ta­ges fie­len. Auch wenn der Kreis­aus­schuss den Kreis in der ZOV nach außen ver­tre­te, sei im Innen­ver­hält­nis der Kreis­tag nach den all­ge­mei­nen Rege­lun­gen in der HGO immer dann zustän­dig, wenn es sich um eine wich­ti­ge Ange­le­gen­heit des Krei­ses han­de­le. Glei­ches gel­te auch für die Fra­ge, ob sich der Wet­ter­au­kreis dem Bünd­nis "Ver­mö­gens­steu­er jetzt" anschlie­ßen sol­le (8 K 966/​13.GI). Die Ent­schei­dung dar­über gehe eben­so wie die Fra­ge der über­re­gio­na­len Betei­li­gun­gen des ZOV über die lau­fen­de Ver­wal­tung hin­aus, so dass eine Ent­schei­dung über den Bei­tritt dem Kreis­tag oblie­ge.

Nicht auf die Tages­ord­nung des Kreis­tags zu neh­men ist hin­ge­gen der Antrag der Frak­ti­on zur Beschluss­fas­sung über die Höhe der Gewinn­aus­schüt­tung des Spar­kas­se Ober­hes­sen (8 K 946/​13.GI). Denn das Spar­kas­sen­ge­setz rege­le inso­weit, dass über die Höhe der Gewinn­ab­füh­rung allein der Ver­wal­tungs­rat der Spar­kas­se auf Grund eines Vor­schla­ges des Spar­kas­sen­vor­stan­des ent­schei­de. Die­se Kla­ge wies das Ver­wal­tungs­ge­richt daher ab.

Ver­wal­tungs­ge­richt Gie­ßen, Urtei­le vom 20. Febru­ar 2014 – 8 K 946/​13.GI, 8 K 965/​13.GI und 8 K 966/​13.GI