Die Erstat­tung von Pen­si­ons­rück­stel­lun­gen

Einer Ver­bands­ge­mein­de sind vom Land­kreis ent­stan­de­nen Per­so­nal­kos­ten für Beam­te zu erstat­ten, die bei der Arbeits­ge­mein­schaft zur Grund­si­che­rung für Arbeits­su­chen­de (ARGE) ein­ge­setzt wur­den, und zwar unge­ach­tet einer ent­spre­chen­den Kos­ten­er­stat­tung aus Bun­des­mit­teln an den Land­kreis. Aller­dings gehö­ren Pen­si­ons­rück­stel­lun­gen nicht zu den ent­stan­de­nen Per­so­nal­kos­ten, weil die Ver­bands­ge­mein­de gar nicht ver­pflich­tet ist, sol­che Pen­si­ons­rück­stel­lun­gen für ihre Beam­ten zu bil­den.

Die Erstat­tung von Pen­si­ons­rück­stel­lun­gen

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Neu­stadt die Kla­ge der Ver­bands­ge­mein­de Kusel abge­wie­sen, die vom Land­kreis Kusel die Pen­si­ons­rück­stel­lun­gen für drei Beam­te for­der­te, die auf­grund eines Per­so­nal­ge­stel­lungs­ver­trags zwecks Auf­ga­ben­wahr­neh­mung in der ARGE an den Landdkeis abge­ord­net wor­den waren. Am 1. Janu­ar 2005 trat das SGB II in Kraft, das die Arbeits­lo­sen­hil­fe und die Sozi­al­hil­fe zur Grund­si­che­rung für Arbeits­su­chen­de zusam­men­fass­te. Zu Trä­gern der Grund­si­che­rung wur­den die Bun­des­agen­tur für Arbeit sowie die kreis­frei­en Städ­te und Krei­se bestimmt. Der Land­kreis Kusel bil­de­te mit der Bun­des­an­stalt für Arbeit eine ARGE. Mit der Ver­bands­ge­mein­de Kusel schloss er einen Per­so­nal­ge­stel­lungs­ver­trag ab, in dem die Ver­bands­ge­mein­de sich ver­pflich­te­te, drei ihrer kom­mu­na­len Beam­ten an den Land­kreis abzu­ord­nen zwecks Auf­ga­ben­wahr­neh­mung in der ARGE. Der Ver­bands­ge­mein­de soll­ten die ent­ste­hen­den Per­so­nal­kos­ten (gesam­te Arbeit­ge­ber­kos­ten) ein­schließ­lich aller sich aus dem Arbeits­ver­hält­nis erge­ben­den wei­te­ren Sach­kos­ten im Rah­men der Per­so­nal­kos­ten­er­stat­tung durch die ARGE erstat­tet wer­den.

Die Ver­bands­ge­mein­de ist Pflicht­mit­glied der Pfäl­zi­schen Pen­si­ons­an­stalt, die als Ver­sor­gungs­kas­se die Ver­sor­gungs­be­zü­ge der pen­sio­nier­ten Beam­ten berech­net und die­se unmit­tel­bar an die Berech­tig­ten aus­zahlt. Hier­für erhebt sie von ihren Mit­glie­dern eine Umla­ge. Ab dem Haus­halts­jahr 2008 nahm die Ver­bands­ge­mein­de außer­dem auf der Grund­la­ge der Regeln der dop­pel­ten Buch­füh­rung für Gemein­den (kom­mu­na­le Dop­pik) Rück­stel­lun­gen im Haus­halt für Pen­si­ons­ver­pflich­tun­gen gegen­über ihren Beam­ten vor. Sie ver­lang­te vom Land­kreis die Erstat­tung die­ser Pen­si­ons­rück­stel­lun­gen für die drei zur Dienst­leis­tung an die ARGE abge­ord­ne­ten Beam­ten. Der Land­kreis lehn­te ab mit der Begrün­dung, dass er selbst für die Rück­stel­lun­gen kei­ne Erstat­tung aus Bun­des­mit­teln erhal­te. Nach dem Per­so­nal­ge­stel­lungs­ver­trag müs­se die Per­so­nal­kos­ten­er­stat­tung an die Klä­ge­rin aber nur „im Rah­men der Per­so­nal­kos­ten­er­stat­tung durch die ARGE“ erfol­gen. Im Dezem­ber 2012 erhob die Ver­bands­ge­mein­de Kla­ge gegen den Land­kreis: Nach ihrem Ver­ständ­nis sei­en alle Kos­ten, die im Zusam­men­hang mit dem Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis ent­stün­den, als Per­so­nal­kos­ten anzu­se­hen. Dem hielt der Beklag­te erneut ent­ge­gen, dass sei­ne Erstat­tungs­pflicht nur in dem Umfang bestehe, wie ihm die Per­so­nal­kos­ten durch die ARGE erstat­tet wür­den.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Neu­stadt sei­en der Ver­bands­ge­mein­de zwar grund­sätz­lich sämt­li­che ent­stan­de­nen Per­so­nal­kos­ten zu erstat­ten, unge­ach­tet einer ent­spre­chen­den Kos­ten­er­stat­tung aus Bun­des­mit­teln an den Land­kreis. Die strei­ti­gen Pen­si­ons­rück­stel­lun­gen gehör­ten aber nicht zu den ent­stan­de­nen Per­so­nal­kos­ten, weil die Ver­bands­ge­mein­de gar nicht ver­pflich­tet sei, sol­che Pen­si­ons­rück­stel­lun­gen für ihre Beam­ten zu bil­den. Sie sei näm­lich als Gemein­de mit weni­ger als 50.000 Ein­woh­nern Pflicht­mit­glied der Pfäl­zi­schen Pen­si­ons­an­stalt, die den Ver­sor­gungs­las­ten­aus­gleich durch­füh­re, die Ver­sor­gungs­be­zü­ge berech­ne und unmit­tel­bar an die Berech­tig­ten aus­zah­le. Dass die Ver­bands­ge­mein­de selbst für die Ver­sor­gungs­leis­tun­gen in Anspruch genom­men wer­de, sei nicht wahr­schein­lich, weil die Pfäl­zi­sche Pen­si­ons­an­stalt als öffent­lich-recht­li­che Kör­per­schaft nicht zah­lungs­un­fä­hig wer­den kön­ne. Die an die Pfäl­zi­sche Pen­si­ons­an­stalt zu zah­len­de Umla­ge für die drei abge­ord­ne­ten Beam­ten wer­de vom Land­kreis über­nom­men. Damit feh­le es an einer Ver­mö­gens­be­las­tung der Klä­ge­rin, die durch Rück­stel­lun­gen im Haus­halt abzu­bil­den wäre.

Ver­wal­tungs­ge­richt Neu­stadt, Urteil vom 29. Juli 2013 – 3 K 1080/​12.NW