Das Bun­des­frau­en­mi­nis­te­ri­um und die Rech­te der Gleich­stel­lungs­be­auf­trag­ten

Das Bun­des­gleich­stel­lungs­ge­setz sieht umfas­sen­de Betei­li­gungs­rech­te der Gleich­stel­lungs­be­auf­trag­ten vor, die sich auch auf die Beset­zung von Spit­zen­po­si­tio­nen wie die poli­ti­scher Beam­ter erstre­cken. Zu die­sen Rech­ten zäh­len die früh­zei­ti­ge Betei­li­gung und die umfas­sen­de Unter­rich­tung bei allen Ent­schei­dungs­pro­zes­sen, um an der Wil­lens­bil­dung mit­zu­wir­ken und so wesent­li­che Wei­chen­stel­lun­gen im Vor­feld zu beein­flus­sen.

Das Bun­des­frau­en­mi­nis­te­ri­um und die Rech­te der Gleich­stel­lungs­be­auf­trag­ten

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin in den hier vor­lie­gen­den Fäl­len den Kla­gen der Gleich­stel­lungs­be­auf­trag­ten im Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Fami­lie, Senio­ren, Frau­en und Jugend (BMFSFJ) statt­ge­ge­ben, die sich durch die Beset­zungs­pra­xis des Minis­te­ri­ums in ihren Rech­ten ver­letzt gese­hen hat. In dem sei­ner­zeit von der Bun­des­mi­nis­te­rin Schrö­der gelei­te­ten BMFSFJ waren in den Jah­ren 2011 und 2012 drei her­aus­ge­ho­be­ne Stel­len zu beset­zen, näm­lich die­je­ni­ge des Pres­se­spre­chers des Minis­te­ri­ums, die des Unab­hän­gi­gen Beauf­trag­ten für Fra­gen des sexu­el­len Kin­des­miss­brauchs und die eines beam­te­ten Staats­se­kre­tärs. Die hier­zu getrof­fe­nen Aus­wahl­ent­schei­dun­gen wur­den der Klä­ge­rin ent­we­der nicht (so im Fall des Staats­se­kre­tärs) oder nur kurz vor der jewei­li­gen Beset­zung (so im Fall des Pres­se­spre­chers und des Unab­hän­gi­gen Beauf­trag­ten) mit­ge­teilt. Ihre Ein­sprü­che hier­ge­gen schei­ter­ten eben­so wie außer­ge­richt­li­che Eini­gungs­ver­fah­ren. Mit ihren Kla­gen bean­stan­det die Klä­ge­rin die Beset­zungs­pra­xis. Sie sei in allen Fäl­len nicht wie gesetz­lich vor­ge­se­hen recht­zei­tig betei­ligt wor­den. Die Beklag­te habe von ihr zuvor in frü­he­ren Gerichts­ver­fah­ren gege­be­ne Zusa­gen zur Ände­rung der Pra­xis nicht ein­ge­hal­ten. Die gesetz­li­chen Betei­li­gungs­vor­schrif­ten bezö­gen sich ent­ge­gen der Ansicht des BMFSFJ auch auf Posi­tio­nen poli­ti­scher Beam­ter.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin deut­lich zum Aus­druck gebracht, dass nach dem Bun­des­gleich­stel­lungs­ge­setz (BGleiG) Kla­gen der vor­lie­gen­den Art aus­drück­lich als beson­ders aus­ge­stal­te­ten Organ­streit vor­se­he. Unge­ach­tet des Wech­sels der Bun­des­mi­nis­te­rin bestehe eine Wie­der­ho­lungs­ge­fahr, weil in zen­tra­len Fra­gen der Beset­zungs­pra­xis wei­ter­hin Unei­nig­keit zwi­schen den Betei­lig­ten bestehe. Die Kla­gen sei­en ent­ge­gen der Ansicht der Beklag­ten zuläs­sig.

Auch in der Sache habe die Klä­ge­rin recht. In allen drei Fäl­len habe das BMFSFJ die gesetz­li­chen Vor­ga­ben des BGleiG miss­ach­tet. Die­se sehe umfas­sen­de Betei­li­gungs­rech­te der Gleich­stel­lungs­be­auf­trag­ten vor. Dazu gehör­ten die früh­zei­ti­ge Betei­li­gung und die umfas­sen­de Unter­rich­tung bei allen Ent­schei­dungs­pro­zes­sen, um an der Wil­lens­bil­dung mit­zu­wir­ken und so wesent­li­che Wei­chen­stel­lun­gen im Vor­feld zu beein­flus­sen. Das Gesetz erstre­cke die­se Rech­te auch auf die Beset­zung von Spit­zen­po­si­tio­nen wie die poli­ti­scher Beam­ter.

Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin, Urtei­le vom 8. Mai 2014 – VG 5 K 50.12, VG 5 K 141.12 und VG 5 K 412.12