Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt – und die einst­wei­li­ge Anord­nung

Der Antrag auf Erlass einer einst­wei­li­gen Anord­nung nach § 32 Abs. 1 BVerfGG ist nur zuläs­sig, wenn die Vor­aus­set­zun­gen für den Erlass einer einst­wei­li­gen Anord­nung sub­stan­ti­iert dar­ge­legt sind 1.

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt – und die einst­wei­li­ge Anord­nung

Dazu gehört auch die sub­stan­ti­ier­te Dar­le­gung, dass der – gege­be­nen­falls noch zu stel­len­de – Antrag in der Haupt­sa­che weder unzu­läs­sig noch offen­sicht­lich unbe­grün­det ist 2. Das Ver­fah­ren über eine einst­wei­li­ge Anord­nung ist immer nur ein Neben­ver­fah­ren in einem Ver­fas­sungs­rechts­streit, für den das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nach Art. 93 GG, § 13 BVerfGG zustän­dig ist 3.

Das Begrün­dungs­er­for­der­nis ver­langt neben der Bezeich­nung des angeb­lich ver­letz­ten Grund­rechts auch die sub­stan­ti­ier­te Dar­le­gung des die Ver­let­zung ent­hal­ten­den Vor­gangs 4. Die­ser muss in einer Wei­se vor­ge­tra­gen sein, dass das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ohne Rück­griff auf die Akten des Aus­gangs­ver­fah­rens allein auf­grund der Beschwer­de­schrift sowie der ihr bei­gefüg­ten Anla­gen in der Lage ist, zu prü­fen, ob der gel­tend gemach­te Ver­fas­sungs­ver­stoß zumin­dest mög­lich erscheint. Zu einer ord­nungs­ge­mä­ßen Begrün­dung in die­sem Sin­ne gehört, dass der Beschwer­de­füh­rer sich mit Grund­la­gen und Inhalt gericht­li­cher Ent­schei­dun­gen aus­ein­an­der­setzt 5.

Der ange­grif­fe­ne Hoheits­akt sowie die zu sei­nem Ver­ständ­nis not­wen­di­gen Unter­la­gen müs­sen in Ablich­tung vor­ge­legt oder zumin­dest ihrem Inhalt nach so dar­ge­stellt wer­den, dass eine ver­ant­wort­ba­re ver­fas­sungs­recht­li­che Beur­tei­lung mög­lich ist 6.

Zudem gilt der Grund­satz der Sub­si­dia­ri­tät der Ver­fas­sungs­be­schwer­de auch für den vor­ge­la­ger­ten ver­fas­sungs­recht­li­chen Eil­rechts­schutz 7. Der Erlass einer einst­wei­li­gen Anord­nung im Rah­men eines Ver­fas­sungs­be­schwer­de­ver­fah­rens oder – wie hier – im Vor­feld eines sol­chen Ver­fah­rens kommt daher nur in Betracht, wenn der Antrag­stel­ler bestehen­de Mög­lich­kei­ten, fach­ge­richt­li­chen Eil­rechts­schutz zu erlan­gen, aus­ge­schöpft hat.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 11. Novem­ber 2015 – 2 BvQ 40/​15

  1. vgl. BVerfG, Beschluss vom 25.10.2006 – 1 BvQ 30/​06, juris; BVerfG, Beschluss vom 17.11.2006 – 1 BvQ 33/​06, juris; BVerfG, Beschluss vom 20.08.2015 – 1 BvQ 28/​15, juris; BVerfG, Beschluss vom 30.09.2015 – 2 BvQ 29/​15[]
  2. vgl. BVerfG, Beschluss vom 20.08.2015 – 1 BvQ 28/​15[]
  3. vgl. BVerfGE 31, 87, 90; BVerfG, Beschluss vom 30.09.2015 – 2 BvQ 29/​15[]
  4. vgl. BVerfGE 81, 208, 214[]
  5. vgl. BVerfGE 93, 266, 288; 99, 84, 87[]
  6. vgl. für die Ver­fas­sungs­be­schwer­de BVerfGE 78, 320, 327; 88, 40, 45; 93, 266, 288; für den vor­ge­la­ger­ten Antrag auf Erlass einer einst­wei­li­gen Anord­nung BVerfG, Beschluss vom 10.03.2010 – 1 BvQ 4/​10[]
  7. vgl. BVerfG, Beschluss vom 30.12 2002 – 2 BvQ 59/​02, juris; BVerfG, Beschluss vom 09.12 2009 – 2 BvQ 84/​09, juris; BVerfG, Beschluss vom 30.07.2014 – 2 BvQ 26/​14, juris; BVerfG, Beschluss vom 16.07.2015 – 2 BvQ 22/​15, juris; BVerfG, Beschluss vom 30.09.2015 – 2 BvQ 29/​15, juris; stRspr[]