Der Anspruch auf Über­las­sung einer Stadt­hal­le

Ein Anspruch auf Über­las­sung einer Stadt­hal­le für eine Ver­an­stal­tung schei­tert dar­an, dass die Stadt­hal­le zu den frag­li­chen Ter­mi­nen bereits für ande­re Ver­an­stal­tun­gen ver­ge­ben wor­den ist.

Der Anspruch auf Über­las­sung einer Stadt­hal­le

So hat der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg in dem hier vor­lie­gen­den Fall den Eil­an­trag der NPD auch in zwei­ter Instanz abge­lehnt, die Stadt Weil­heim zur Über­las­sung der Stadt­hal­le zu ver­pflich­ten. Die Natio­nal­de­mo­kra­ti­sche Par­tei Deutsch­lands (NPD) beab­sich­tigt, ihren Bun­des­par­tei­tag in der Stadt Wein­heim zu ver­an­stal­ten. Ihren im Febru­ar 2014 gestell­ten Antrag, ihr die Stadt­hal­le zu die­sem Zweck zu über­las­sen, lehn­te die Antrags­geg­ne­rin ab. Dar­auf­hin begehr­te die Antrag­stel­le­rin im Juni 2014 beim Ver­wal­tungs­ge­richt Karls­ru­he, die Antrags­geg­ne­rin durch eine einst­wei­li­ge Anord­nung zu ver­pflich­ten, ihr die Stadt­hal­le am 01./02.11.2014, hilfs­wei­se am 08./09.11.2014, wei­ter hilfs­wei­se am 22./23.11.2014, höchst hilfs­wei­se am 29./30.11.2014 für den Bun­des­par­tei­tag zu über­las­sen. Das Ver­wal­tungs­ge­richt lehn­te den Eil­an­trag ab. Der Bun­des­par­tei­tag hiel­te sich zwar im Rah­men des Wid­mungs­zwecks der Stadt­hal­le, wie er in der Benut­zungs­ord­nung fest­ge­legt sei. Die Antrag­stel­le­rin habe aber nicht glaub­haft gemacht, dass die Antrags­geg­ne­rin die Stadt­hal­le schon für ver­gleich­ba­re Ver­an­stal­tun­gen zur Ver­fü­gung gestellt und sich dadurch in ihrer Ver­wal­tungs­pra­xis ent­spre­chend gebun­den habe.

In sei­ner Ent­schei­dung hat der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg zwar im Ergeb­nis die Ent­schei­dung des Ver­wal­tungs­ge­richts bestä­tigt, aber ist des­sen Argu­men­ta­ti­on nicht gefolgt: Wenn sich eine geplan­te Ver­an­stal­tung – wie hier der Bun­des­par­tei­tag der NPD – im Rah­men des in der Benut­zungs­ord­nung einer Stadt­hal­le aus­drück­lich bestimm­ten Wid­mungs­zwecks hal­te, kön­ne ein Anspruch auf Über­las­sung der Stadt­hal­le aller­dings nicht mit der Begrün­dung ver­sagt wer­den, dass dort noch kei­ne ver­gleich­ba­ren nicht­öf­fent­li­chen Par­tei­ver­an­stal­tun­gen statt­ge­fun­den hät­ten.

Der gel­tend gemach­te Über­las­sungs­an­spruch schei­te­re jedoch dar­an, dass die Stadt­hal­le zu den frag­li­chen Ter­mi­nen unter Beach­tung des Prio­ri­täts­prin­zips bereits für ande­re, eben­falls im Rah­men des Wid­mungs­zwecks lie­gen­de Ver­an­stal­tun­gen ver­ge­ben wor­den bzw. geschlos­sen sei. Die Antrags­geg­ne­rin habe plau­si­bel dar­ge­legt, dass die Stadt­hal­le am 1./2.11.2014 geschlos­sen sei und für kei­ner­lei Ver­an­stal­tun­gen zur Ver­fü­gung gestellt wer­de. Für die hilfs­wei­se bean­spruch­ten Ter­mi­ne habe die Antrags­geg­ne­rin nach­voll­zieh­bar dar­ge­legt, dass die jewei­li­gen Reser­vie­run­gen zeit­lich vor der Anfra­ge der Antrag­stel­le­rin im Febru­ar die­ses Jah­res vor­ge­nom­men wor­den sei­en.

Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg, Beschluss vom 17. Okto­ber 2014 – 1 S 1855/​14