Der ver­steck­te Gebüh­ren­be­scheid

Ein Gebüh­ren­be­scheid darf nicht in Rech­nung "ver­steckt" wer­den. Öffent­lich-recht­li­che Gebüh­ren und pri­vat­recht­li­che Ent­gel­te dür­fen von den Gemein­den und ihren Stadt­wer­ken nicht in einer Wei­se gel­tend gemacht wer­den, die dem Bür­ger die Wah­rung sei­ner Rech­te erschwert. Mit die­ser Begrün­dung hat jetzt der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg in Mann­heim einer Grund­stücks­ei­gen­tü­me­rin den Weg zu einer Über­prü­fung der von der Stadt Karls­ru­he gel­tend gemach­ten Kos­ten der Abwas­ser­be­sei­ti­gung eröff­net.

Der ver­steck­te Gebüh­ren­be­scheid

Die Klä­ge­rin des jetzt vom Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg ent­schie­de­nen Falls ist Eigen­tü­me­rin eines Haus­grund­stücks in Karls­ru­he, das sie ver­mie­tet hat­te. Nach dem Aus­zug der Mie­ter wur­de sie durch ein Schrei­ben der Stadt­wer­ke Karls­ru­he GmbH für im Ver­mie­tungs­zeit­raum ange­fal­le­ne Kos­ten der Trink­was­ser­ver­sor­gung sowie der Abwas­ser- und Abfall­be­sei­ti­gung in Anspruch genom­men. Im nach­fol­gen­den Schrift­wech­sel berie­fen sich die Stadt­wer­ke dar­auf, dass es sich bei dem Schrei­ben, soweit es die strei­ti­gen Kos­ten der Abwas­ser­be­sei­ti­gung betref­fe, um einen Ver­wal­tungs­akt han­de­le. Die­ser Bescheid sei inzwi­schen bestands­kräf­tig gewor­den. Die Stadt­wer­ke kün­dig­ten des­halb Voll­stre­ckungs­maß­nah­men an.

Die von der Klä­ge­rin gegen die Stadt erho­be­ne Kla­ge hat­te vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Karls­ru­he Erfolg: Der Ver­wal­tungs­akt, auf den sich die Beklag­te beru­fe, sei nich­tig, da er die erlas­sen­de Behör­de nicht erken­nen las­se. Die gegen die­ses Urteil ein­ge­leg­te Beru­fung der Beklag­ten hat nun der VGH Mann­heim zurück­ge­wie­sen.

Der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof ist dabei zu dem Ergeb­nis gelangt, dass es sich bei dem an die Klä­ge­rin gerich­te­ten Schrei­ben der Stadt­wer­ke auch inso­weit nicht um einen Ver­wal­tungs­akt han­de­le, als die die Klä­ge­rin dar­in für die Kos­ten der Abwas­ser­be­sei­ti­gung in Anspruch genom­men wer­de.

Denn die Stadt­wer­ke sei­en ein pri­vat­recht­li­ches Unter­neh­men, das die Bevöl­ke­rung mit Was­ser, Gas, Strom und Fern­wär­me ver­sor­ge. Für die­se Leis­tun­gen sei ein pri­vat­recht­li­ches Ent­gelt zu bezah­len. Die Abwas­ser- und Abfall­be­sei­ti­gung sei dage­gen Auf­ga­be der Beklag­ten. Hier bestehe ein öffent­lich-recht­li­ches Benut­zungs­ver­hält­nis zwi­schen dem Bür­ger und der Stadt, auf­grund des­sen die Stadt Gebüh­ren ver­lan­gen kön­ne. Die mit der Berech­nung und dem Ein­zug der Gebüh­ren beauf­trag­ten Stadt­wer­ke han­del­ten inso­weit nicht im eige­nen Namen, son­dern im Namen und im Auf­trag der Stadt. Die­ser Unter­schied wer­de in dem Schrei­ben der Stadt­wer­ke nicht beach­tet. Das als Rech­nung bezeich­ne­te Schrei­ben las­se nicht erken­nen, dass es, soweit es die Kos­ten der Abwas­ser­be­sei­ti­gung betref­fe, ein Gebüh­ren­be­scheid sein sol­le, gegen den der Betrof­fe­ne inner­halb einer bestimm­ten Frist Wider­spruch ein­le­gen müs­se, um sei­ne Rech­te nicht zu ver­lie­ren.

Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 15. Okto­ber 2009 – 2 S 1457/​09