Die Col­la­ge auf dem Falt­blatt des Lan­des­am­tes für Ver­fas­sungs­schut­zes

Eine Col­la­ge auf einem Titel­blatt, auf dem ver­schie­de­ner Emble­me und Sym­bo­le abge­bil­det sind, die neben den Emble­men meh­re­rer dem ter­ro­ris­ti­schen Spek­trum zuge­ord­ne­ter Ver­ei­ni­gun­gen auch das Logo eines Ver­eins ent­hält, der sich von die­sen distan­ziert, kann den Ver­ein nicht in sei­nen Rech­ten ver­let­zen, denn die Col­la­ge muss im Kon­text des gesam­ten Inhalts des Falt­blat­tes und des The­mas der damit bewor­be­nen Ver­an­stal­tung betrach­tet wer­den. Inso­fern ist die Ver­wen­dung sei­nes Logos im Rah­men der Col­la­ge nicht dis­kri­mi­nie­rend son­dern mit Bezug auf den sons­ti­gen Inhalt des Falt­blat­tes und das The­ma der Ver­an­stal­tung sach­lich begrün­det.

Die Col­la­ge auf dem Falt­blatt des Lan­des­am­tes für Ver­fas­sungs­schut­zes

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Han­no­ver in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Kla­ge des IGMG Mil­li Görüs e.V. abge­wie­sen, der sich durch ein Falt­blatt, mit dem das Lan­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz im Mai 2011 zu einer Exper­ten­an­hö­rung unter dem Titel "Isla­mi­sche Radi­ka­li­sie­rung – Gefah­ren und Hand­lungs­mög­lich­kei­ten" ein­ge­la­den hat­te, in sei­nen Rech­ten ver­letzt gefühlt hat. Auf dem Titel­blatt des Fly­ers war eine Col­la­ge ver­schie­de­ner Emble­me und Sym­bo­le abge­bil­det, die neben den Emble­men meh­re­rer dem ter­ro­ris­ti­schen Spek­trum zuge­ord­ne­ter Ver­ei­ni­gun­gen und einem Abbild von Osa­ma Bin Laden auch das Logo des Klä­gers ent­hielt. Der Klä­ger sah sich durch die Abbil­dung in sei­nen Rech­ten ver­letzt, weil die Col­la­ge den wahr­heits­wid­ri­gen Ein­druck her­vor­ru­fe, er akzep­tie­re Gewalt zur Durch­set­zung sei­ner Zie­le. Damit wer­de er undif­fe­ren­ziert mit Ter­ror­or­ga­ni­sa­tio­nen gleich­ge­setzt.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Han­no­ver sei die Col­la­ge auf dem Titel­blatt nicht iso­liert zu bewer­ten son­dern müs­se im Kon­text des gesam­ten Inhalts des Falt­blat­tes und des The­mas der damit bewor­be­nen Ver­an­stal­tung betrach­tet wer­den. Bei der Ver­an­stal­tung sei es um das Phä­no­men der Radi­ka­li­sie­rung mus­li­mi­scher Gläu­bi­ger gegan­gen. Ins­be­son­de­re sei in dem Falt­blatt auch ein Refe­rat dar­über ange­kün­digt gewe­sen, wel­che Rol­le den Moschee­ge­mein­den bei der Prä­ven­ti­on gegen­über Radi­ka­li­sie­rungs­ten­den­zen zukom­me. Da der Klä­ger nach eige­nen Anga­ben als Betrei­ber von rund 500 Mosche­en größ­ter Trä­ger von Moschee­ge­mein­den in Deutsch­land sei, sei es gerecht­fer­tigt, in die­sem Zusam­men­hang auch den Klä­ger expli­zit zu erwäh­nen. Inso­fern sei die Ver­wen­dung sei­nes Logos im Rah­men der Col­la­ge nicht dis­kri­mi­nie­rend son­dern mit Bezug auf den sons­ti­gen Inhalt des Falt­blat­tes und das The­ma der Ver­an­stal­tung sach­lich begrün­det.

Ver­wal­tungs­ge­richt Han­no­ver, Urteil vom 1. Juli 2013 – 10 A 413/​12