Die feh­ler­haf­te Ermes­sens­aus­übung des Bil­dungs­mi­nis­te­ri­ums

Das Bil­dungs­mi­nis­te­ri­um hat sein Ermes­sen feh­ler­haft aus­ge­übt, wenn in der Begrün­dung eines Beschei­des über die Wie­der­ein­füh­rung eines neun­jäh­ri­gen Bil­dungs­gangs (G 9) an einem Gym­na­si­um wider­sprüch­li­che und damit nicht nach­voll­zieh­ba­re Annah­men hin­sicht­lich der wirt­schaft­li­chen Aus­wir­kun­gen der Ein­füh­rung von G9 für die betref­fen­de Gemein­de zugrund­ge­legt wor­den sind.

Die feh­ler­haf­te Ermes­sens­aus­übung des Bil­dungs­mi­nis­te­ri­ums

Mit die­ser Begrün­dung hat das Schles­wig-Hol­stei­ni­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in dem hier vor­lie­gen­den Streit zwi­schen der Gemein­de Wen­torf und dem schles­wig-hol­stei­ni­schen Bil­dungs­mi­nis­te­ri­um über die Ein­füh­rung des neun­jäh­ri­gen Bil­dungs­gangs (G9) statt des acht­jäh­ri­gen (G8) an dem Gym­na­si­um Wen­torf die Ent­schei­dung des Bil­dungs­mi­nis­te­ri­ums zum wie­der­hol­ten Mal auf­ge­ho­ben. Seit 2008/​2009 exis­tiert an der Schu­le ein acht­jäh­ri­ger Bil­dungs­gang. Schul­lei­ter und Schul­kon­fe­renz hat­ten sich für die Ein­füh­rung von G9 aus­ge­spro­chen, die Gemein­de als Schul­trä­ger – ins­be­son­de­re aus wirt­schaft­li­chen Grün­den – dage­gen. In sol­chen Fäl­len sieht das Schul­ge­setz eine Ent­schei­dung des Bil­dungs­mi­nis­te­ri­ums vor.

Die­ses hat­te bereits 2011 ent­schie­den, dass in Wen­torf G9 ange­bo­ten wird. Auf eine Kla­ge der Gemein­de Wen­torf hin hat­te das Schles­wig-Hol­stei­ni­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt mit Urteil vom 14. März 2012 1 den Bescheid des Minis­te­ri­ums wegen eines Ermes­sens­feh­lers auf­ge­ho­ben. Dar­auf­hin ord­ne­te das Minis­te­ri­um im Mai 2012 mit einem neu­en Bescheid wie­der­um die Ein­füh­rung von G9 an. Die Ent­schei­dung wur­de im wesent­li­chen damit begrün­det, dass die mit der Ein­füh­rung von G9 ver­bun­de­nen päd­ago­gi­schen Nut­zen erheb­lich sei­en und dem­ge­gen­über die ent­ste­hen­den Mehr­kos­ten nicht wesent­lich ins Gewicht fal­len wür­den.

Nach Auf­fas­sung des Schles­wig-Hol­stei­ni­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richts sei die vom Ober­ver­wal­tungs­ge­richt nur ein­ge­schränkt – näm­lich im Hin­blick auf Ermes­sens­feh­ler – über­prüf­ba­re Ent­schei­dung rechts­wid­rig. Das Minis­te­ri­um habe sein Ermes­sen feh­ler­haft aus­ge­übt, da der Begrün­dung des Beschei­des wider­sprüch­li­che und damit nicht nach­voll­zieh­ba­re Annah­men hin­sicht­lich der wirt­schaft­li­chen Aus­wir­kun­gen der Ein­füh­rung von G9 für die Gemein­de Wen­torf zurund­ge­legt wor­den sei­en.

Schles­wig-Hol­stei­ni­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 17. April 2013 – 9 A 187/​12

  1. OLG Schles­wig, Urteil vom 14.03.2012 – 9 A 70/​11[]

Kommentar hinterlassen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.