Die geplan­te Bus­li­nie – und der Schulverkehr

Die Ertei­lung einer Lini­en­ver­kehrs­ge­neh­mi­gung kann ver­sagt wer­den, wenn der bean­trag­te Ver­kehr den Anfor­de­run­gen des ein­schlä­gi­gen Nah­ver­kehrs­plans zum Schul­ver­kehr nicht entspricht.

Die geplan­te Bus­li­nie – und der Schulverkehr

Das hat aktu­ell das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig eine Kon­kur­ren­ten­kla­ge eines Bus­un­ter­neh­mens ent­schie­den, das mit einem ande­ren Bus­un­ter­neh­men um die Ertei­lung einer Geneh­mi­gung für den eigen­wirt­schaft­li­chen Betrieb der Bus­li­nie L178 auf der Rela­ti­on (Laer-) Alten­ber­ge – Nord­wal­de – Borg­horst im Kreis Stein­furt für den Zeit­raum 21. August 2014 bis 20. August 2024 kon­kur­rier­te. Bei­de Bus­un­ter­neh­men bean­trag­ten jeweils eine Geneh­mi­gung für den eigen­wirt­schaft­li­chen Betrieb der Bus­li­nie in dem genann­ten Zeit­raum. Die Anträ­ge sahen jeweils unter­schied­li­che Zusatz­leis­tun­gen gegen­über dem bis­he­ri­gen Fahr­plan vor. Die Bezirks­re­gie­rung Müns­ter lehn­te bei­de Anträ­ge ab. Auf den Wider­spruch eines der Bus­un­ter­neh­men erteil­te sie die­sem die begehr­te Geneh­mi­gung, die Wider­sprü­che des ande­ren Bus­un­ter­neh­mens gegen die Ableh­nung sei­nes Antrags und die Ertei­lung der Geneh­mi­gung an das kon­kur­rie­ren­de Unter­neh­men wies die Bezirks­re­gie­rung zurück.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter hat die Kla­ge des unter­le­ge­nen Bus­un­ter­neh­mens abge­wie­sen1. Auf des­sen Beru­fung hin hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len in Müns­ter die dem ande­ren Bus­un­ter­neh­men erteil­te Lini­en­ver­kehrs­ge­neh­mi­gung auf­ge­ho­ben und die Bezirks­re­gie­rung ver­pflich­tet, den Geneh­mi­gungs­an­trag des kla­gen­den Bus­un­ter­neh­mens erneut zu beschei­den2. Bei­de Anträ­ge sei­en, so das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, grund­sätz­lich geneh­mi­gungs­fä­hig. Bei­den Anträ­gen stün­den kei­ne Ver­sa­gungs­grün­de ent­ge­gen. Ihnen ste­he ins­be­son­de­re nicht § 13 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 Buch­sta­be a) PBefG ent­ge­gen, wonach die Geneh­mi­gung zu ver­sa­gen sei, wenn der bean­trag­te Ver­kehr mit den vor­han­de­nen Ver­kehrs­mit­teln bereits befrie­di­gend bedient wer­den kann. Der Nah­ver­kehrs­plan ver­pflich­te auch nicht dazu, den Schul­ver­kehr voll­stän­dig zu bedie­nen. Im Übri­gen habe das kla­gen­de Bus­un­ter­neh­men ver­bind­lich zuge­si­chert, sei­nen Fahr­plan ent­spre­chend der Nach­fra­ge wei­ter­zu­ent­wi­ckeln. Die Bezirks­re­gie­rung Müns­ter müs­se daher zwi­schen den gestell­ten Anträ­gen sach­ge­recht auswählen.

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Auf die Revi­si­on des im ursprüng­li­chen Aus­wahl­ver­fah­ren vor der Bezirks­re­gie­rung erfolg­rei­chen Bus­un­ter­neh­mens hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt jetzt das Urteil des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts geän­dert und die Beru­fung des kla­gen­den Bus­un­ter­neh­mens zurück­ge­wie­sen; die Bezirks­re­gie­rung habe eine Geneh­mi­gung des Antrags des kla­gen­den Bus­un­ter­neh­mens ermes­sens­feh­ler­frei verweigert:

Nach § 13 Abs. 2a PBefG kann eine Geneh­mi­gung zur Per­so­nen­be­för­de­rung ver­sagt wer­den, wenn der bean­trag­te Ver­kehr mit einem Nah­ver­kehrs­plan nicht im Ein­klang steht. Das war hier der Fall. Der ein­schlä­gi­ge Nah­ver­kehrs­plan sieht neben dem Fern- und dem Regio­nal­ver­kehr „sons­ti­ge“ Lini­en vor und weist ihnen eine Erschlie­ßungs­funk­ti­on „in der Regel mit Bedeu­tung vor­ran­gig für den Schul­ver­kehr“ zu. Damit ver­langt der Nah­ver­kehrs­plan die aus­rei­chen­de Bedie­nung des Schul­ver­kehrs durch sol­che Lini­en und erklärt deren wei­te­re Auf­ga­ben für regel­mä­ßig nach­ran­gig. Der Anfor­de­rung, den Schul­ver­kehr aus­rei­chend zu bedie­nen, wird der von dem kla­gen­den Bus­un­ter­neh­men bean­trag­te Lini­en­ver­kehr nicht gerecht, weil er nicht alle not­wen­di­gen Heim­fahr­ten nach Been­di­gung des Nach­mit­tags­un­ter­richts anbietet.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat dabei offen­ge­las­sen, ob einem Geneh­mi­gungs­an­trag bei­gefüg­te ver­bind­li­che Zusi­che­run­gen geeig­net sind, der Geneh­mi­gung ent­ge­gen­ste­hen­de Män­gel des Antrags zu behe­ben; die Zusi­che­rung des kla­gen­den Bus­un­ter­neh­mens war dazu jeden­falls zu unbe­stimmt, weil sie kei­ne aus­rei­chen­de Bedie­nung des Schul­ver­kehrs für den gesam­ten Geneh­mi­gungs­zeit­raum gewährleistete.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 28. Juli 2021 – 8 C 33.20

  1. VG Müns­ter, Urteil vom 14.12.2016 – 10 K 1418/​14[]
  2. OVG NRW, Urteil vom 10.12.2019 – 13 A 254/​17[]

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